Operation OVERLORD (1944)

Völkischer Beobachter (July 24, 1944)

In der Normandie und in Italien nur örtliche Kämpfe –
Abwehrschlacht im Osten tobt in größter Erbitterung

dnb. Aus dem Führerhauptquartier, 23. Juli –
Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

In der Normandie wurde gestern südlich Caen erbittert um einige Ortschaften gekämpft, die mehrere Male den Besitzer wechselten und schließlich in unserer Hand blieben. Bei Angriffen südwestlich Caen erzielte der Feind einen örtlichen Einbruch, der abgeriegelt wurde. Die 21. Panzerdivision unter Führung von Generalmajor Feuchtinger, die seit Beginn der Invasion sich immer wieder ausgezeichnet hatte, hat sich in den Kämpfen der letzten Tage erneut bewährt.

In Südostfrankreich wurden in einem von Banden stark verseuchten Gebiet 268 Terroristen im Kampf niedergemacht.

Schweres „V1“-Vergeltungsfeuer liegt weiter auf dem Großraum von London.

In Italien führte der Feind auch gestern nur zahlreiche örtliche Angriffe, die abgewiesen wurden. In einigen Abschnitten waren die Kämpfe in den Abendstunden noch im Gange.

Im Osten tobt, die Abwehrschlacht mit großer Erbitterung weiter. Im Raum von Lemberg erreichten feindliche Angriffsspitzen den Ostrand der Stadt. Weiter nordwestlich stoßen motorisierte Verbände der Bolschewisten auf den San und westlich des oberen Bug in den Raum von Lublin vor. Unsere Divisionen leisten hier überall dem vordringenden Feind erbitterten Widerstand.

Auch zwischen Brest-Litowsk und Grodno sind heftige Kämpfe im Gange. Zahlreiche Angriffe der Bolschewisten wurden abgewiesen, eingebrochener Feind zum Stehen gebracht.

Nordwestlich Grodno wurden die Bolschewisten im Gegenangriff weiter nach Osten zurückgeworfen. Nordöstlich Kauen fingen unsere tapferen Grenadiere wiederholte Angriffe der Sowjets auf.

Zwischen Dünaburg und dem Peipussee wurden starke Infanterie- und Panzerkräfte der Bolschewisten unter Abschuß von 50 Panzern im Wesentlichen abgewiesen. In zwei Einbruchsstellen sind noch heftige Kämpfe im Gange. Nach Zerstörung aller kriegswichtigen Anlagen wurden die Ruinen von Ostrow und Pleskau geräumt.

Schlachtfliegergeschwader griffen wirksam in die Erdkämpfe ein und fügten dem Feind hohe Menschen- und Materialverluste zu. 59 feindliche Flugzeuge wurden zum Absturz gebracht. In der Nacht griffen Kampffliegerverbände den Bahnhof Molodeczno an. Es entstanden Flächenbrände und Explosionen.

Ein nordamerikanischer Bomberverband warf Bomben im Raum von Ploesti. Durch deutsche, rumänische und bulgarische Luftverteidigungskräfte wurden 28 feindliche Flugzeuge vernichtet.


Auf den Spuren der Invasoren

Genf, 23. Juli –
Der Daily Express-Berichterstatter Allan Moorehead gibt folgenden Lagebericht aus Caen: Die ganze Stadt mit ihren Vororten sei zwar jetzt „befreit,“ doch frage man sich, wenn man durch die Straßen gehe, was eigentlich „befreit“ wurde; denn das gesamte Arbeiter- und Geschäftsviertel stelle nach dem schweren Luftbombardement nur noch „einen Friedhof normalen Lebens“ dar. Die Bomben hätten das gesamte Aussehen der Stadt derart verwandelt, daß mit einem Schlage alle Caen mit der Vergangenheit verknüpfenden Bande durchschnitten wurden.

Aber nicht nur in Caen sehe es so aus, sondern in einer Ortschaft nach der anderen, durch die man in den alliierten Brückenkopf fahre. Geschichtliche Dinge gebe es so gut wie überhaupt nicht mehr und fast alle Merkmale der Kultur seien ausgelöscht.