Not in Nordafrika
Stockholm, 8. Juni –
In dem Augenblick, da britische und nordamerikanische Truppen als Invasoren an der Küste Frankreichs Fuß zu fassen versuchen, ist es nicht ohne Interesse, einige Nachrichten über das Verhältnis der Briten und Nordamerikaner zu den Franzosen in Nordafrika und über die dortigen Zustände zu erhalten.
Die Londoner Wochenschrift New Statesman veröffentlicht soeben einen Bericht ihres aus Nordafrika zurückkehrenden Mitarbeiters Raymond Mortimer, der zusammenfassend bemerkt, die Bewohner Marokkos hätten durch die Ankunft der Engländer und Nordamerikaner eigentlich nichts als Unbequemlichkeiten gehabt. Im Wesentlichen beschäftigt sich Mortimer aber mit der Lage in Algier, und darüber schreibt er:
Die Unbequemlichkeiten des Lebens in Algier sind unglaublich. Reisen nichtamtlicher Personen sind eine Plage, und selbst innerhalb der Stadt ist der Verkehr ganz unzulänglich, Die Läden sind fast leer. Am schlimmsten ist, daß die wichtigsten Medikamente ausgegangen sind. Der französische Stadtbewohner hat kaum die Möglichkeit, das Notwendigste zu kaufen, sofern er nicht auf den „Schwarzen Markt“ geht, was viele sich nicht leisten können. Man fragt sich, weshalb ein Mangel an Nahrungsmitteln besteht, da Nordafrika vor dem Krieg Getreide, Fleisch Öl und Früchte ausführte.
Mortimer versucht dann, verschiedene Erklärungen zu geben, vermeidet aber, die Versorgung der. britisch-nordamerikanischen Truppen aus dem Lande zu erwähnen; wie wenig die Westmächte für die Franzosen tun, ergibt sich aus der Feststellung, daß die Lieferung von nur 300 Lastkraftwagen das Transportproblem weitgehend lösen und daß eine einzige Schiffsladung mit Medikamenten zur Befriedigung der dringendsten Bedürfnisse reichen würde.
Zu den politischen Fragen erklärt der Engländer reichlich naiv:
Nordafrika leidet unter den Nachteilen, die stets mit einer Doppelherrschaft verbunden sind. Die Franzosen hängen aber für ihre Einfuhr von den Engländern und Nordamerikanern ab. Die amerikanisch-französischen Beziehungen sind alles andere als gut. Es besteht die Gefahr, daß der nordamerikanische Durchschnittssoldat in Nordafrika infolgedessen ein rabiater Isolationist wird.