The Nuremberg Trial

Final statement of Ernst Kaltenbrunner

Die Ankläger machen mich verantwortlich für die Konzentrationslager, für die Vernichtung jüdischen Menschenlebens, für Einsatzgruppen und anderes mehr.

Dies alles entspricht weder dem Beweisergebnis noch der Wahrheit. Die Ankläger sind, so wie die Angeklagten, den Gefahren eines summarischen Verfahrens unterlegen.

Richtig ist, daß ich das Reichssicherheitshauptamt übernehmen mußte. Darin allein lag keine Schuld. Solche Ämter bestehen auch in Staaten anderer Nationen. Dennoch bestand meine mir übertragene Aufgabe und Tätigkeit im Jahre 1943 fast ausschließlich in der Reorganisation des deutschen politischen und militärischen Nachrichtendienstes, nicht als Nachfolger Heydrichs, sondern fast ein Jahr nach seinem Tode, als nämlich der Verdacht jahrelanger Zusammenarbeit des Admirals Canaris mit dem Feinde bestand, mußte ich befehlsgemäß und als Offizier dieses Kommando antreten.

Ich habe in kurzer Zeit in ungeheuerlichstem Ausmaße den Verrat Canaris und seiner Helfer festgestellt. Die Ämter IV und V des Reichssicherheitshauptamtes unterstanden mir nur formell und nie de facto.

Die hier gezeigte Gruppenskizzierung und daraus abzuleitende Befehlsfolgerung ist falsch und irreführend. Himmler, der es meisterhaft verstand, die längst nicht mehr eine organisatorische und weltanschauliche Einheit bildende SS in kleinste Gruppen aufzusplittern und seiner unmittelbaren Einflußnahme zuzuführen, soweit er es brauchte, hat mit Müller, dem Chef der Geheimen Staatspolizei, Verbrechen begangen, die wir heute kennen. Entgegen der öffentlichen Meinung behaupte ich entschieden und leidenschaftlich, daß ich von der Tätigkeit dieser Himmler und Konsorten sachlich unterstehenden Ämter nur den geringsten Bruchteil und nur soweit er meinen Spezialauftrag umfaßte, erfahren habe.

In der Judenfrage wurde ich ebensolange getäuscht wie andere hohe Funktionäre. Ich habe niemals die biologische Ausrottung des Judentums gebilligt oder geduldet. Der Antisemitismus in Partei- und Staatsgesetzen war im Kriege noch als Notwehrmaßnahme hinzunehmen. Der Antisemitismus Hitlers, wie wir ihn heute feststellen, war Barbarei.

An beiden Fällen war ich unbeteiligt. Ich behaupte aber, wie ich noch ausführen werde, daß die Einstellung der Judenvernichtung auf mein Einwirken auf Hitler zurückzuführen ist.

Nach der Beweisaufnahme sind verschiedene Photographien vorgelegt worden, die meine Kenntnis von Verbrechen in Konzentrationslagern, im Konzentrationslager Mauthausen, und Kenntnis seiner Verbrechenswerkzeuge beweisen sollen. Ich habe nie das Haftlager Mauthausen betreten, lediglich den Teil des Arbeitslagers im Steinbruch, in welchem Schwerverbrecher auf Grund des Gesetzes beschäftigt waren, nicht aber Juden oder politische Häftlinge. Die Bilder zeigen neben einem Verwaltungsgebäude auch nichts anderes. Die eidesstattlichen Versicherungen US-909, die Bilder 894 bis 897 F sind daher sachlich unmöglich und falsch. Das Bild mit Hitler stellt den Besuch einer Baustelle in Linz dar, 35 km entfernt von diesem Lager Mauthausen.

Die Aussage des Zeugen Dr. Morgen erscheint im wesentlichen richtig, aber ergänzungsbedürftig, soweit sie meine Person und meine Reaktion hierauf betrifft. Der Zeuge bezieht im Notstande eigener Haft und Verteidigung zuviel auf sich und führte nicht aus, daß er auf meine Bitte vom Chef des Hauptamtes SS-Gericht in das Amt V des Reichssicherheitshauptamtes versetzt wurde, um als richterlicher Beamter die Spezialkommission, die dort vom Chef der Kriminalpolizei Nebe und mir zur Untersuchung der Konzentrationslager zusammengestellt worden war, zu ergänzen. Er vermag meine Kenntnis der weiteren Vorgänge nicht zu bekunden, was ich – starr von seinem Bericht – im Gegensatz zu Müller, der wie ein Entlarvter tobte, nach seinem Vortrag getan habe; am selben Tage ging mit Kurier ein genauer schriftlicher Bericht an Hitler ins Hauptquartier. Ich wurde tags darauf bestellt und flog hin. Nach langem Vortrag sagte mir Hitler Untersuchung gegen Himmler und Pohl zu. Er erklärte ein Sondergericht für alle weiteren Untersuchungen und notwendigen Festnahmen für zuständig. Pohl sollte sofort des Dienstes enthoben werden. Vor mir gab Hitler an Fegelein als Verbindungsführer zu Himmler Befehl, daß dieser zu ihm kommen solle, und versprach mir in die Hand, noch heute alle Maßnahmen gegen jede weitere Untat zu erteilen. Meine Bitte um Enthebung und Frontverwendung lehnte er mit dem Hinweis auf meine Unentbehrlichkeit Im Nachrichtenwesen ab. Eichmann wurde verhaftet und festgenommen und mir gemeldet. Der Erlaß Himmlers im Oktober 1944, der dies letztlich bestätigt und finalisiert, ist in seinem Wortlaut eine letzte Teufelei Himmlers.

Sieht die Anklage noch immer keine Diskrepanz in dem Umstand, daß das Amt V des Reichssicherheitshauptamtes Verbrechen des Amtes IV des Reichssicherheitshauptamtes und einer geheimen Verbrecherclique aufgedeckt hat? Ich ersehe darin den Beweis, daß ich die wahren Vorgänge nie kannte und in dem Augenblick meiner Kenntnisnahme dagegen im eigenen Amte auftrat. Hätte ich in diesem Zeitpunkte unter Vortäuschung einer Krankheit mich in die Verantwortungslosigkeit zurückziehen sollen, oder hatte ich die Pflicht, alles aufzubieten und darum zu ringen, daß einer Barbarei ohnegleichen Einhalt geboten werde? Das allein steht hier als meine Schuld zur Entscheidung. Daran ändern auch die weiteren Diffamierungen der Anklage gegen mich nichts. Der so belastend erscheinende Brief an den Bürgermeister von Wien, den unterschrieben zu haben ich mich nicht erinnerte, ist heute für mich aufgeklärt. Alle 12.000 Personen, die damals zusammen mit Zehntausenden deutscher Frauen und Männer östlich Wiens zum Festungsbau eingesetzt wurden, sind mit weiteren 2000 Personen in Gunskirchen in Oberösterreich vom Internationalen Roten Kreuz durch meine Vermittlung betreut und in Freiheit geführt worden. Tempo und Aufregung des Kreuzverhörs ließen mir nicht einfallen, daß ich um diese Zeit, in welcher längst die Kommissionen des Amtes V in den Lagern tätig waren, an eine Gefahr für jüdisches Leben nicht mehr glauben konnte. Meine Glaubwürdigkeit stand seit damals auf dem Spiele. Eine Anfrage der Ankläger in einem nicht summarischen Verfahren an das Rote Kreuz in Genf hätte diese Glaubwürdigkeit sofort wieder herstellen können.

Wenn aber an mich die Frage gestellt wird: Warum blieben Sie, nachdem Sie wußten, daß Ihre Vorgesetzten Verbrechen begangen hatten, darauf kann ich nur antworten, daß ich mich nicht zu ihrem Richter aufwerfen konnte, ja, daß nicht einmal dieses Gericht hier dieser Tat Sühne folgen zu lassen imstande sein wird.

In den letzten Tagen wird mir von den Anklägern die Beteiligung an der Ermordung eines französischen Generals vorgeworfen. Ich hörte von der Ermordung eines deutschen Generals Brodowski und dem Befehl Hitlers, die Frage einer Repressalie zu prüfen. Von der Ermordung habe ich erstmals hier vor wenigen Tagen gehört. Panzinger war Chef der Kriegsfahndungsabteilung im Reichskriminalpolizeiamt und unterstand niemand anderem als Himmler in dessen Eigenschaft als Chef des Ersatzheeres und des Kriegsgefangenenwesens. Er war nicht, wie die Anklage behauptet, Beamter der Geheimen Staatspolizei. Zu der Unterschrift unter dem Fernschreiben vom 30. Dezember 1944 mit meinem Namen, in welchem die Art der Ausführung des Planes von Berlin an Himmler in dessen Hauptquartier gemeldet wurde, bemerke ich, daß ich vom 23. Dezember bis 3. Jänner in Österreich bei meiner Familie war, das Fernschreiben nicht gesehen und unterzeichnet haben konnte. Ich hatte im November 1944 ausschließlich den Befehl, den Bericht des Reichspressechefs Dietrich über den Mord an dem deutschen General in Frankreich zu überprüfen. Die Ergebnisse Hierüber erhielt das Hauptquartier von den dortigen Dienststellen. Ich habe es bedauert, daß Hitler in einer Situation, wie ich sie zur Zeit meines Dienstantritts 1943 vorfand, in keinem besseren Verhältnis zu den Kirchen stand, die ein nicht wegzudenkender Ordnungsfaktor jedes Staates sind. Meine Vorstellungen schlugen fehl. Ich habe mich ehrlich bemüht, das Beweisverfahren hat es ergeben, die Anklage hat auch daraus keine Konsequenzen gezogen.

Ich weiß nur, daß ich meine ganze Kraft meinem Volk in meinem Glauben an Adolf Hitler zur Verfügung stellte. Ich konnte als deutscher Soldat nur in den Dienst der Abwehr jener zerstörenden Kräfte mich stellen, die Deutschland einst schon nahe an den Abgrund gebracht hatten und heute, nach dem Zusammenbruch des Reiches, weiterhin die Welt bedrohen.

Wenn ich in meinem Wirken Irrtümer aus falschem Gehorsamsbegriff begangen habe, wenn ich Befehle, die alle – soweit sie hier als Kardinalbefehle angeklagt gewesen sind – vor meiner Zeit erlassen worden waren, ausgeführt habe, so liegen sie in einem mich mitreißenden mächtigeren Schicksal beschlossen.

Ich bin hier angeklagt, weil man für den fehlenden Himmler und andere mir vollkommen konträre Elemente Stellvertreterschaft braucht. Ob meine Haltung und Darstellung nun angenommen oder verworfen werden, ich bitte Sie, das Schicksal und die Ehre Hunderttausender gefallener und lebender Männer der Allgemeinen SS, der Waffen-SS und der Beamtenschaft, die bis zum letzten tapfer und ideal gläubig ihr Reich verteidigt haben, nicht mit Ihrem gerechten Fluche gegen Himmler zu verknüpfen. Sie meinten, so wie ich, nach Gesetz gehandelt zu haben.

Final statement of Alfred Rosenberg

Die Ankläger haben über die Wiederholung der alten Beschuldigungen hinaus in stärkster Weise neue erhoben; so seien wir alle „zu geheimen Beratungen zugelassen“ gewesen, um einen Angriffskrieg zu planen; ferner sollen wir die behauptete Ermordung von zwölf Millionen Menschen befohlen haben. Man hat alle diese Anklagen unter dem Worte „Genocidium“, Völkermord, zusammengefaßt. Hierzu habe ich folgendes zu erklären:

Ich weiß mein Gewissen völlig frei von einer solchen Schuld, von einer Beihilfe zum Völkermord. Statt die Auflösung der Kultur und des nationalen Gefühls der Völker Osteuropas zu betreiben, bin ich eingetreten für die Förderung ihrer physischen und seelischen Daseinsbedingungen, statt ihre persönliche Sicherheit und menschliche Würde zu zerstören, bin ich nachgewiesenermaßen gegen jede Politik gewaltsamer Maßnahmen mit ganzer Kraft aufgetreten und habe mit Schärfe eine gerechte Haltung der deutschen Beamten und eine humane Behandlung der Ostarbeiter gefordert. Statt „Kindersklaverei“ zu betreiben, wie man sagt, habe ich Jugendlichen aus kampfgefährdeten Gebieten Schutz und besondere Pflege angedeihen lassen. Statt die Religion auszurotten, habe ich durch ein Toleranzedikt die Freiheit der Kirchen in den Ostgebieten wieder hergestellt. In Deutschland habe ich in Vertretung meiner weltanschaulichen Überzeugungen Gewissensfreiheit verlangt, jedem Gegner zugebilligt und nie eine Religionsverfolgung veranlaßt.

Der Gedanke an eine physische Vernichtung von Slawen und Juden, also der eigentliche Völkermord, ist mir nie in den Sinn gekommen, geschweige denn, daß ich ihn irgendwie propagiert habe. Ich war der Anschauung, daß die vorhandene Judenfrage gelöst werden müsse durch Schaffung eines Minderheitenrechtes, Auswanderung oder durch Ansiedlung der Juden in einem nationalen Territorium in einem jahrzehntelangen Zeitraum. Wie geschichtliche Entwicklungen früher nie geplante Maßnahmen hervorrufen können, zeigt das „Weiße Papier“ der Britischen Regierung vom 24. Juli 1946.

Völlig anders als meine Auffassung war die hier im Prozeß erwiesene Praxis der deutschen Staatsführung im Kriege. Adolf Hitler zog in steigendem Maße Personen heran, die nicht meine Kameraden, sondern meine Gegner waren. Zu deren unheilvollen Taten habe ich zu erklären: Dies war nicht die Durchführung des Nationalsozialismus, für den Millionen gläubiger Männer und Frauen gekämpft hatten, sondern sein schmählicher Mißbrauch, eine auch von mir zutiefst verurteilte Entartung.

Den Gedanken, daß ein Verbrechen des Genocidiums durch internationale Abmachung geächtet und unter schwerste Strafe gestellt werden soll, begrüße ich aufrichtig unter der natürlichen Voraussetzung, daß das Genocidium jetzt und in Zukunft auch nicht gegen das deutsche Volk in irgendeiner Art erlaubt sein darf.

Der Sowjetankläger hat unter anderem erklärt, die „ganze sogenannte ideologische Tätigkeit“ sei „eine Vorbereitung für Verbrechen“ gewesen. Dazu möchte ich erklären. Der Nationalsozialismus vertrat den Gedanken einer Überwindung des volkzersetzenden Klassenkampfes und der Einheit aller Stände in einer großen Volksgemeinschaft. Er stellte zum Beispiel durch den Arbeitsdienst die Ehre der Handarbeit an der Muttererde wieder her und richtete die Augen aller Deutschen auf die Notwendigkeit eines starken Bauerntums. Er bildete im Winterhilfswerk eine Kameradschaft der ganzen Nation für alle in Not geratenen Volksgenossen, ohne Rücksicht auf frühere Parteizugehörigkeit. Er baute Mütterheime, Jugendherbergen, Gemeinschaftshäuser in den Fabriken und führte Millionen an noch ungekannte Schätze der Kunst heran.

Dem allen diente auch ich.

Nie aber habe ich neben meiner Liebe zu einem freien und starken Reich die Pflicht gegenüber dem ehrwürdigen Europa vergessen. Zu seiner Erhaltung und friedlichen Entwicklung rief ich schon 1932 in Rom auf, und für den Gedanken der inneren Gewinnung der Völker Osteuropas kämpfte ich, als ich 1941 Ostminister wurde, solange ich es vermochte.

Ich kann deshalb in der Stunde der Not der Idee auch meines Lebens, dem Ideal eines sozial befriedeten Deutschlands und eines seiner Werte bewußten Europas nicht abschwören und bleibe ihr treu. Der bei allen menschlichen Unzulänglichkeiten ehrliche Dienst für diese Weltanschauung war keine Verschwörung, mein Handeln niemals ein Verbrechen, sondern ich verstand auch meinen Kampf, wie den Kampf der vielen Tausenden von Kameraden, geführt für die edelste Idee, um die seit über 100 Jahren gerungen und eine Fahne erhoben wurde.

Ich bitte, dies als Wahrheit zu erkennen. Dann würde aus diesem Prozeß keine Glaubensverfolgung entstehen können, dann wäre nach meiner Überzeugung ein erster Schritt getan für ein neues gegenseitiges Verstehen der Völker, ohne Vorurteile, ohne böse Gefühle und ohne Haß.

Final statement of Hans Frank

Meine Herren Richter!

Adolf Hitler, der Hauptangeklagte, ist dem deutschen Volk und der Welt sein Schlußwort schuldig geblieben. In der tiefsten Not seiner Nation fand er kein heilsames Wort. Er erstarrte und waltete nicht seines Führeramtes, sondern ging als Selbstmörder fort ins Dunkle. War es Verstocktheit, Verzweiflung oder Trotz gegen Gott und Menschen in dem Sinne etwa: „Wenn ich zugrunde gehe, mag auch das deutsche Volk zur Tiefe fahren!“ Wer mag es ergründen?

Wir – und wenn ich nun per „wir“ spreche, dann meine ich mich und jene Nationalsozialisten, die mit mir in diesem Bekenntnis einig sind, nicht die Mitangeklagten, für die zu sprechen ich nicht befugt bin – wir wollen nicht in gleicher Weise das deutsche Volk seinem Schicksal wortlos überlassen. Wir wollen nicht einfach sagen: „Nun seht zu, wie ihr mit dem Zusammenbruch fertig werden könnt, den wir euch hinterlassen haben!“ Wir tragen auch jetzt noch – vielleicht wie nie zuvor – eine große geistige Verantwortung. Wir haben am Anfang unseres Weges nicht geahnt, daß die Abwendung von Gott solche verderblichen, tödlichen Folgen haben könnte und daß wir zwangsläufig immer tiefer in Schuld verstrickt werden könnten. Wir haben es damals nicht wissen können, daß soviel Treue und Opfersinn des deutschen Volkes von uns so schlecht verwaltet werden könnte. So sind wir in der Abwendung von Gott zuschanden geworden und mußten untergehen. Es waren nicht technische Mängel und unglückliche Umstände allein, wodurch wir den Krieg verloren haben. Es war auch nicht Unheil und Verrat. Gott vor allem hat das Urteil über Hitler gesprochen und vollzogen über ihn und das System, dem wir in gottferner Geisteshaltung dienten. Darum möge auch unser Volk von dem Weg zurückgerufen sein, auf dem Hitler und wir mit ihm es geführt haben. Ich bitte unser Volk, daß es nicht verharrt in dieser Richtung, auch nicht einen Schritt. Denn Hitlers Weg war der vermessene Weg ohne Gott, der Weg der Abwendung von Christus und in allem letzten Endes der Weg politischer Torheit, der Weg des Verderbens und des Todes. Sein Gang wurde mehr und mehr der eines entsetzlichen Abenteurers ohne Gewissen und Ehrlichkeit, wie ich heute weiß am Schlusse dieses Prozesses.

Wir rufen das deutsche Volk, dessen Machtträger wir mit waren, von diesem Weg zurück, auf dem wir und unser System nach Gottes Recht und Gerechtigkeit scheitern mußten und auf dem jeder scheitern wird, der ihn zu gehen versucht oder fortsetzt, allüberall in der Welt!

Über den Gräbern der Millionen Toten dieses furchtbaren zweiten Weltkrieges stieg dieser monatelange Staatsprozeß als das zentrale juristische Nachspiel auf, und die Geister der Toten zogen anklagend durch diesen Raum.

Ich danke, daß man mir die Möglichkeit einer Verteidigung und damit einer Rechtfertigung gegeben hat zu den Belastungen, die gegen mich vorgebracht wurden. Ich denke dabei an all diese Opfer von Gewalt und Grauen der furchtbaren Kriegsereignisse. Mußten doch Millionen vergehen, ungefragt und ungehört.

Ich habe das Kriegstagebuch über meine Erklärungen und Handlungen in der Stunde abgegeben, die mir die Freiheit nahm. Wenn ich wirklich einmal hart war, dann war ich es in diesem Augenblick der Offenlegung meines Handelns im Kriege, vor allem mir selbst gegenüber. Ich will auf der Welt keine versteckte Schuld unerledigt zurücklassen. Im Zeugenstand habe ich die Verantwortung für das übernommen, für was ich einzustehen habe. Ich habe auch jenes Maß von Schuld anerkannt, das auf mich als Vorkämpfer Adolf Hitlers, seiner Bewegung und seines Reiches trifft.

Den Worten meines Verteidigers habe ich nichts hinzuzufügen.

Ich muß nur noch ein Wort von mir berichtigen. Ich sprach im Zeugenstand von tausend Jahren, die die Schuld von unserem Volke wegen des Verhaltens Hitlers in diesem Krieg nicht nehmen könnten. Nicht nur das sorgsam aus diesem Verfahren ferngehaltene Verhalten unserer Kriegsfeinde unserem Volk und seinen Soldaten gegenüber, sondern die riesigen Massenverbrechen entsetzlichster Art, die, wie ich jetzt erst erfahren habe, vor allem in Ostpreußen, Schlesien, Pommern und im Sudetenland von Russen, Polen und Tschechen an Deutschen verübt wurden und noch verübt werden, haben jede nur mögliche Schuld unseres Volkes schon heute restlos getilgt. Wer wird diese Verbrechen gegen das deutsche Volk einmal richten?

Mit der gewissen Hoffnung, daß aus all dem Grauen der Kriegszeit und den schon wieder überall drohenden Entwicklungen vielleicht doch noch ein Friede ersteht, an dem auch unser Volk seinen segnenden Anteil gewinnen möge, beende ich mein Schlußwort. Die ewige Gerechtigkeit Gottes aber ist es, in der ich unser Volk geborgen hoffe und der allein auch ich mich vertrauensvoll beuge.

Final statement of Wilhelm Frick

Der Anklage gegenüber habe ich ein reines Gewissen. Mein ganzes Leben war Dienst an Volk und Vaterland. Ihnen habe ich meine beste Kraft in treuester Pflichterfüllung gewidmet.

Ich bin überzeugt, daß kein patriotischer Amerikaner oder Angehöriger eines anderen Landes in gleicher Lage seines Landes an meiner Stelle anders gehandelt hätte. Denn jede andere Handlungsweise wäre Bruch meines Treueides, Hoch- und Landesverrat gewesen.

Für die Erfüllung meiner gesetzlichen und moralischen Pflicht glaube ich, ebensowenig Strafe verdient zu haben, wie die Zehntausende pflichttreuer deutscher Beamter und Angestellter des öffentlichen Dienstes, die heute noch wie schon seit Jahr und Tag nur wegen Erfüllung ihrer Pflicht in Lagern festgehalten werden. Ihrer hier in Treue zu gedenken, ist mir als ehemaligem langjährigen Beamtenminister des Reiches eine besondere Ehrenpflicht.

Final statement of Julius Streicher

Meine Herren Richter! Zu Beginn dieses Prozesses bin ich vom Herrn Präsidenten gefragt worden, ob ich mich im Sinne der Anklage schuldig bekenne. Ich habe diese Frage verneint.

Das durchgeführte Verfahren und die Beweisaufnahme haben die Richtigkeit meiner damals abgegebenen Erklärung bestätigt. Es ist festgestellt:

Erstens: Die Massentötungen sind ausschließlich und ohne Beeinflussung auf Befehl des Staatsführers Adolf Hitler erfolgt.

Zweitens: Die Durchführung der Massentötungen ist ohne Wissen des deutschen Volkes unter völliger Geheimhaltung durch den Reichsführer Heinrich Himmler vollzogen worden.

Die Staatsanwaltschaft hatte behauptet, ohne Streicher und ohne seinen „Stürmer“ wären die Massentötungen nicht möglich gewesen. Die Staatsanwaltschaft hat für diese Behauptung weder Beweise angeboten noch erbracht. Es steht fest, daß ich anläßlich des von mir im Auftrag geleiteten Anti-Boykott-Tages im Jahre 1933 und anläßlich der vom Reichsminister Dr. Goebbels befohlenen Demonstration im Jahre 1938 in meiner Eigenschaft als Gauleiter irgendwelche Gewalttätigkeiten gegen die Juden weder angeordnet noch verlangt oder mich an solchen beteiligt habe. Es steht weiter fest, daß ich in mehreren Artikeln in meinem Wochenblatt „Der Stürmer“ die zionistische Forderung zur Schaffung eines Judenstaates als natürliche Lösung des Judenproblems vertreten habe. Diese Tatsachen sind ein Beweis dafür, daß ich die Judenfrage nicht auf gewaltsame Weise gelöst haben wollte.

Wenn in einigen Artikeln meines Wochenblattes „Der Stürmer“ von mir oder anderen Verfassern von einer Vernichtung oder Ausrottung des Judentums gesprochen wurde, so waren dies scharfe Gegenäußerungen gegen provozierende Auslassungen jüdischer Schriftsteller, in denen die Ausrottung des deutschen Volkes verlangt worden war!

Die vom Staatsführer Adolf Hitler befohlenen Massentötungen sollten nach seiner letztwilligen Erklärung eine Vergeltung sein, die nur bedingt war durch den damals erkennbar gewordenen ungünstigen Verlauf des Krieges. Dieses Vorgehen des Staatsführers gegen das Judentum ist aus einer von der meinigen durchaus verschiedenen Einstellung zur jüdischen Frage zu erklären. Hitler wollte das Judentum bestrafen, weil er es für die Entfesselung des Krieges und für die Bombenwürfe auf die deutsche Zivilbevölkerung verantwortlich hielt. Es ist tief bedauerlich, daß die auf persönlichen Entschluß des Staatsführers Adolf Hitler zurückzuführenden Massentötungen zu einer Behandlung des deutschen Volkes geführt haben, die ebenfalls als nicht menschlich empfunden werden muß. Die durchgeführten Massentötungen lehne ich ebenso ab, wie sie von jedem anständigen Deutschen abgelehnt werden.

Meine Herren Richter! Ich habe weder in meiner Eigenschaft als Gauleiter noch als politischer Schriftsteller ein Verbrechen begangen und sehe deshalb Ihrem Urteil mit gutem Gewissen entgegen.

Ich habe für mich keine Bitte. Ich habe eine solche für das deutsche Volk, dem ich entstamme: Ihnen, meine Herren Richter, hat das Schicksal die Macht gegeben, jedes Urteil zu sprechen. Sprechen Sie, meine Herren Richter, kein Urteil, in dem Sie einem ganzen Volk den Stempel der Unehre auf die Stirne drücken.

Final statement of Walther Funk

In Zeiten schwerster Not meines Volkes habe ich mich der politischen Bewegung angeschlossen, deren Ziel der Kampf für die Freiheit und die Ehre meines Vaterlandes und für eine wahre soziale Volksgemeinschaft war.

Diese Bewegung erhielt auf legalem Wege die Führung des Staates.

Diesem Staat habe ich gedient auf Grund meiner Dienstpflicht als Beamter und in Vollzug der deutschen Gesetze.

An diese Pflichterfüllung fühlte ich mich in erhöhtem Maße gebunden in Zeiten der Kriegsgefahr und im Kriege selbst, in welchem die Existenz des Vaterlandes auf das höchste bedroht war. Im Kriege aber ist der Staat unbedingt auf die Treue und Loyalität seiner Beamten angewiesen.

Nun sind hier grauenvolle Verbrechen bekanntgeworden, in die zum Teil auch die von mir geleiteten Behörden hineingezogen wurden. Das habe ich erst hier vor Gericht erfahren. Ich habe diese Verbrechen nicht gekannt und nicht zu erkennen vermocht. Diese verbrecherischen Taten erfüllen mich wie jeden Deutschen mit tiefer Scham.

Ich habe mein Gewissen und mein Gedächtnis auf das sorgfältigste geprüft, ich habe dem Gericht offen und ehrlich alles gesagt, was ich wußte, und ich habe nichts verschwiegen. Auch hinsichtlich dieser SS-Depots bei der Reichsbank handelte ich in Erfüllung der mir als Präsident der Reichsbank obliegenden Amtspflichten. Die Annahme von Gold und Devisen gehörte nach den gesetzlichen Bestimmungen zu den geschäftlichen Aufgaben der Reichsbank. Daß die Beschlagnahme dieser Werte durch die Himmler unterstehenden SS-Organe erfolgte, konnte in mir keinen Verdacht aufkommen lassen. Himmler unterstand die gesamte Polizei, die Grenzkontrolle und insbesondere auch die gesamte Devisenfahndung im Reich und in allen besetzten Gebieten; aber ich bin hier von Himmler getäuscht und hintergangen worden. Ich habe bis zu diesem Prozeß nicht gewußt und nicht geahnt, daß unter den bei der Reichsbank eingelieferten Werten sich Riesenmengen von Perlen, Edelsteinen, Schmuck, Goldsachen sogar Brillengestelle und – entsetzlich zu sagen – Goldzähne befanden. Das ist mir niemals mitgeteilt worden, und ich habe es auch niemals wahrgenommen. Ich habe diese Dinge nie gesehen.

Ich wußte aber bis zu diesem Prozeß ebenfalls nichts davon, daß Millionen von Juden in Konzentrationslagern oder durch Einsatzkommandos im Osten ermordet worden sind.

Niemals hat ein Mensch auch nur ein Wort mit mir über diese Dinge gesprochen. Die Existenz derartiger Vernichtungslager war mir völlig unbekannt. Ich kannte keinen einzigen dieser Namen. Ich habe auch niemals ein Konzentrationslager betreten.

Daß die bei der Reichsbank abgelieferten Gold-und Devisenwerte zum Teil auch aus Konzentrationslagern stammten, habe auch ich angenommen und das habe ich von Anfang an bei allen Vernehmungen auch offen gesagt. Aber jedermann mußte nach deutschem Gesetz solche Werte abliefern.

Im übrigen waren mir Art und Umfang auch dieser Lieferungen der SS nie bekanntgegeben worden. Wie konnte ich aber auch nur ahnen, daß die SS diese Werte im Wege der Leichenschändung erworben hatte!

Hätte ich diese grauenvollen Zusammenhänge gekannt, so hätte meine Reichsbank niemals solche Werte zur Aufbewahrung und zur Verwertung angenommen! Ich hätte dies abgelehnt, selbst auf die Gefahr hin, daß es mich den Kopf gekostet hätte. Wenn ich diese Verbrechen gekannt hätte, dann würde ich, meine Herren Richter, hier heute nicht auf dieser Anklagebank sitzen, davon können Sie überzeugt sein.

Dann würde mir die Erde leichter sein als dieses qualvolle Leben, dieses Leben voll von Verdächtigungen, Verleumdungen und gemeinen Beschuldigungen.

Durch von mir angeordnete Maßnahmen ist kein Mensch ums Leben gekommen.

Fremdes Eigentum habe ich stets geachtet. Immer war ich darauf bedacht, Menschen in der Not zu helfen und, soweit dies in meinen Kräften stand, Glück und Freude in ihr Dasein zu bringen. Und dafür wer den mir auch viele dankbar sein und bleiben.

Das menschliche Leben besteht aus Irrtum und Schuld.

Auch ich habe in vielem geirrt, auch ich habe mich in vielem täuschen lassen, und ich gestehe offen, ich gebe dies zu, allzu leicht habe ich mich täuschen lassen und bin in vielem viel zu unbekümmert und zu gutgläubig gewesen. Darin ersehe ich meine Schuld; aber von einer strafrechtlichen Schuld, die ich durch pflichtgemäße Führung meiner Ämter begangen haben soll, fühle ich mich frei.

In dieser Hinsicht habe ich heute am Ende dieses Prozesses genauso ein reines Gewissen als an dem Tage, als ich vor zehn Monaten zum erstenmal diesen Gerichtssaal betreten habe.

Final statement of Hjalmar Schacht

Es hat mein Rechtsgefühl tief verletzt, daß die Schlußreden der Anklage völlig vorübergegangen sind an dem Beweisergebnis dieses Prozesses. Die einzige Anklage gegen mich unter der Charter ist die, daß ich den Krieg gewollt habe. Die erdrückende Reihe von Beweisen in meinem Falle aber hat ergeben, daß ich fanatischer Kriegsgegner war und aktiv und passiv durch Widerspruch, Sabotage, List und Gewalt versucht habe, den Krieg zu verhindern.

Wie kann da die Anklage behaupten, ich sei für Krieg gewesen! Wie kann der russische Ankläger behaupten, ich hätte mich erst 1943 von Hitler abgewandt, nachdem mein erster Staatsstreichversuch schon im Herbst 1938 unternommen wurde!

Nun hat Justice Jackson in seiner Schlußrede noch einen Vorwurf gegen mich erhoben, der bisher im ganzen Prozeß überhaupt nicht zur Sprache gekommen ist. Ich soll geplant haben, die Juden aus Deutschland freizugeben gegen Lösegeld in fremder Valuta. Auch dies ist unwahr.

Empört über den Judenpogrom vom November 1938 habe ich bei Hitler die Zustimmung zu einem Plan durchgesetzt, der den Juden die Auswanderung erleichtern sollte. Ich wollte aus dem beschlagnahmten jüdischen Vermögen einundeinhalb Milliarden Reichsmark unter die Verwaltung eines Internationalen Komitees stellen, und Deutschland sollte die Verpflichtung übernehmen, diesen Betrag in zwanzig Jahresraten an das Komitee auszuzahlen, und zwar in fremder Valuta, also das genaue Gegenteil von dem, was Justice Jackson hier behauptet hat. Ich habe diesen Plan im Dezember 1938 in London mit Lord Berstedt, von Samuel and Samuel, mit Lord Winterton und mit dem amerikanischen Vertreter Mr. Rublee besprochen. Sie alle nahmen den Plan sympathisch auf. Da ich aber kurz danach von Hitler aus der Reichsbank entfernt wurde, verfiel die Angelegenheit. Wäre sie durchgeführt worden, so wäre kein einziger deutscher Jude ums Leben gekommen.

Meine Gegnerschaft gegen Hitlers Politik war im Inlande und Auslande bekannt, und zwar so eindeutig, daß der Geschäftsträger der Vereinigten Staaten, Mr. Kirk, noch im Jahre 1940, bevor er seinen Berliner Posten verließ, mich grüßen ließ mit dem Hinzufügen, daß man nach dem Kriege mit mir rechne als einem unbelasteten Manne, worüber der Zeuge Hülse in seinem Affidavit ausführlich berichtet, Beweisstück 37 b meines Dokumentenbuches.

Statt dessen hat mich die Anklage ein volles Jahr in der Weltpresse als Räuber, Mörder und Betrüger an den Pranger gestellt. Dieser Anklage allein verdanke ich es, daß ich am Abend meines Lebens dastehe ohne Subsistenzmittel und ohne Heimat. Aber die Anklage irrt, wenn sie glaubt, wie dies in ihrer ersten Rede gesagt wurde, mich unter die jämmerlichen gebrochenen Gestalten zählen zu können.

Gewiß, ich habe politisch geirrt. Ich habe nie beansprucht, ein Politiker zu sein, aber meine Wirtschafts- und Finanzpolitik der Arbeitsbeschaffung durch Kredithilfe hatte sich glänzend bewährt. Die Arbeitslosenziffer von sieben Millionen war auf Null gesunken. Im Jahre 1938 waren die Staatseinnahmen so gestiegen, daß die Rückzahlung der Reichsbankkredite voll gesichert war. Daß Hitler diese von ihm feierlich verbriefte Rückzahlung verweigerte, war ein ungeheuerlicher Betrug, den ich nicht voraussehen konnte. Mein politischer Irrtum war, daß ich das Ausmaß der Verbrechernatur Hitlers nicht früh genug erkannt habe. Aber ich habe meine Hände nicht befleckt mit einer einzigen ungesetzlichen oder unsittlichen Handlung. Der Terror der Geheimen Staatspolizei hat mich nicht geschreckt. Denn jeder Terror muß versagen vor der Berufung auf das Gewissen. Hier liegt die große Kraftquelle, die uns die Religion verleiht.

Trotzdem hat Justice Jackson es für gut befunden, mich des Opportunismus’ und der Feigheit zu bezichtigen. Dies, nachdem mich das Kriegsende nach zehnmonatiger Gefangenschaft im Vernichtungslager Flossenbürg angetroffen hat, wo ich dem Mordbefehl Hitlers nur durch ein gnädiges Geschick entgangen bin.

Ich stehe am Ausgang dieses Prozesses in tiefster Seele erschüttert über das unsagbare Elend, das zu verhindern ich versucht habe mit allem persönlichen Einsatz und mit allen erreichbaren Mitteln, das aber zu verhindern mir versagt geblieben ist, nicht durch meine Schuld.

Darum trage ich mein Haupt aufrecht, und ich bin unerschüttert in dem Glauben, daß die Welt genesen wird nicht durch die Macht der Gewalt, sondern allein durch die Kraft des Geistes und die Sittlichkeit des Handelns.

Final statement of Adm. Karl Doenitz

Ich möchte drei Dinge sagen:

Das erste: Mögen Sie über die Rechtmäßigkeit des deutschen U-Bootkrieges urteilen, wie es Ihnen Ihr Gewissen gebietet. Ich halte diese Kriegführung für berechtigt und habe nach meinem Gewissen gehandelt. Ich müßte das genauso wieder tun.

Meine Untergebenen aber, die meine Befehle befolgt haben, haben gehandelt im Vertrauen auf mich und ohne auch nur den Schatten eines Zweifels an der Notwendigkeit und an der Rechtmäßigkeit dieser Befehle. In meinen Augen kann ihnen kein nachträgliches Urteil den guten Glauben absprechen an die Ehrenhaftigkeit eines Kampfes, in dem sie freiwillig bis zur letzten Stunde Opfer über Opfer gebracht haben.

Das zweite: Man hat hier viel von einer Verschwörung geredet, die unter den Angeklagten bestanden haben soll. Ich halte diese Behauptung für ein politisches Dogma. Als solches kann man es nicht beweisen, sondern nur glauben oder ablehnen. Große Teile des deutschen Volkes werden aber niemals daran glauben, daß eine solche Verschwörung die Ursache ihres Unglücks ist. Mögen Politiker und Juristen darüber streiten. Sie werden es dem deutschen Volk nur erschweren, aus diesem Verfahren eine Lehre zu ziehen, die entscheidend wichtig ist für seine Stellungnahme zur Vergangenheit und für seine Gestaltung der Zukunft, die Erkenntnis, daß das Führerprinzip als politisches Prinzip falsch ist.

Das Führerprinzip hat sich in der militärischen Führung aller Armeen der Welt aufs beste bewährt. Auf Grund dieser Erfahrung hielt ich es auch in der politischen Führung für richtig, besonders bei einem Volk in der trostlosen Lage des deutschen Volkes im Jahre 1932. Die großen Erfolge der neuen Regierung, ein in der ganzen Nation nie gekanntes Gefühl des Glücks, schien dem recht zu geben.

Wenn aber trotz allem Idealismus, trotz aller Anständigkeit und aller Hingabe der großen Masse des deutschen Volkes letzten Endes mit dem Führerprinzip kein anderes Ergebnis erreicht worden ist als das Unglück dieses Volkes, dann muß dieses Prinzip als solches falsch sein. Falsch, weil die menschliche Natur offenbar nicht in der Lage ist, die Macht dieses Prinzips zum Guten zu nutzen, ohne den Versuchungen dieser Macht zu unterliegen.

Das dritte: Mein Leben galt meinem Beruf und damit dem Dienst am deutschen Volk.

Als letzter Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine und als letztes Staatsoberhaupt fühle ich mich dem deutschen Volk gegenüber verantwortlich für alles, was ich tat und ließ.

Final statement of Adm. Erich Raeder

Der Prozeß hat am Schlusse der Beweisaufnahme ein für Deutschland segensreiches, für die Anklage aber unerwartetes Ergebnis gehabt: Durch einwandfreie Zeugenaussagen ist das deutsche Volk – und damit auch alle mit mir in gleicher Lage befindlichen Personen – von dem schwersten Vorwurf entlastet, um die Tötung von Millionen von Juden und anderen Menschen gewußt, wenn nicht gar daran mitgewirkt zu haben.

Der Versuch der Anklage, die durch frühere Vernehmungen die Wahrheit schon lange kannte und trotzdem ihre Beschuldigungen in den Trial-Briefen und bei den Kreuzverhören – mit dem erhobenen Finger des Moralpredigers – aufrechterhielt und immer wiederholte, dieser Versuch, das ganze deutsche Volk zu diffamieren, ist in sich zusammengebrochen.

Das zweite allgemeine, daher auch für mich wichtige Ergebnis des Prozesses ist die Tatsache, daß der deutschen Marine grundsätzlich ihre Sauberkeit und Kampfsittlichkeit auf Grund der Beweisaufnahme hat bestätigt werden müssen. Sie steht vor diesem Gericht und vor der Welt mit reinem Schild und unbefleckter Flagge da.

Die Versuche im Plädoyer Shawcross, den U-Boot-Krieg auf eine Stufe mit Greueltaten zu stellen, können wir mit reinem Gewissen nachdrücklichst zurückweisen; denn sie sind nach den klaren Ergebnissen der Beweisaufnahme unhaltbar. Insbesondere ist der Vorwurf, daß die Marine »niemals die Absicht gehabt habe, die Seekriegsgesetze einzuhalten«, Shawcross, Seite 70/71, völlig entkräftet; ebenso ist es erwiesen, daß die Seekriegsleitung und ihr Chef niemals „Verachtung für das Internationale Recht“ gezeigt haben, Schlußrede Dubost, Seite CC 8, sondern vielmehr vom ersten bis zum letzten Augenblick ehrlich bestrebt gewesen ist, die moderne Seekriegführung mit den völkerrechtlichen und menschlichen Forderungen in Einklang zu bringen, – auf der gleichen Basis wie unsere Gegner.

Ich bedauere, daß die Anklage immer wieder versuchte, mich und die Marine zu diffamieren, wie schon die Überreichung eines zweiten, abgeänderten Trial-Briefs zeigte, der nur darin von der ersten Fassung abweicht, daß er die Zahl und Schärfe der beleidigenden Ausdrücke vermehrte. Diese Tatsache zeigt, daß die Anklage selbst fühlte, daß die sachlichen Anschuldigungen zu schwach waren. Ich bin aber auch der Überzeugung, daß die Britische und Amerikanische Anklage der eigenen Marine einen schlechten Dienst erwiesen hat, wenn sie den Gegner moralisch herabsetzte und als minderwertig hinstellte, gegen den die alliierten Seestreitkräfte einen jahrelangen, schweren und ehrenvollen Seekrieg führten. Ich bin überzeugt, daß die Admiralitäten der alliierten Länder mich verstehen und wissen, daß sie nicht gegen einen Verbrecher gekämpft haben.

Ich kann mir dieses Verhalten der Anklage nur damit erklären, daß ihre Vertreter, wie ich immer wieder feststellen mußte, nur sehr wenig Urteil über die Grundsätze wahren Soldatentums und soldatischer Führung erkennen ließen und daher kaum dazu berufen erscheinen, über Soldatenehre zu urteilen.

Ich fasse zusammen:

Ich habe als Soldat meine Pflicht getan, weil ich der Überzeugung war, dem deutschen Volk und Vaterland, für das ich gelebt habe und für das zu sterben ich jederzeit bereit bin, damit am besten zu dienen. Wenn ich mich irgendwie schuldig gemacht haben sollte, so höchstens in der Richtung, daß ich trotz meiner rein militärischen Stellung vielleicht nicht nur Soldat, sondern doch bis zu einem gewissen Grade auch Politiker hätte sein sollen, was mir aber nach meinem ganzen Werdegang und der Tradition der deutschen Wehrmacht widerstrebte. Dies wäre dann aber eine moralische Schuld gegenüber dem deutschen Volk und kann mich nie und nimmer zum Kriegsverbrecher stempeln; es wäre keine Schuld vor einem Strafgericht der Menschen, sondern eine Schuld vor Gott.

Final statement of Baldur von Schirach

Am 24. Mai habe ich hier eine Erklärung abgegeben, die ich vor Gott und meinem Gewissen verantworte und auch heute, am Ende des Prozesses, voll aufrechterhalte, weil sie meiner innersten ehrlichen Überzeugung entspricht.

Die Englische Anklagevertretung hat in ihrem Schlußwort den Satz gesprochen:

„Schirach hat Millionen deutscher Kinder verdorben, damit sie zu dem wurden, was sie dann auch wirklich geworden sind: die blinden Instrumente jener Mord- und Herrscherpolitik, die diese Männer durchgeführt haben.“
Wäre dieser Vorwurf begründet, würde ich kein Wort zu meiner Verteidigung sagen. Er ist aber unbegründet, er ist unwahr. Wer die Ergebnisse der Beweisaufnahme dieses Prozesses auch nur einigermaßen berücksichtigt und ehrlich würdigt, kann nie und nimmer gegen mich den Vorwurf erheben, ich hätte „durch meine erzieherische Arbeit die Jugend verdorben“, ich hätte „ihre Seele vergiftet“.

Die Grundsätze und Ziele, die ich der Jugend gab und die für die Gemeinschaft maßgebend wurden, die unsere Jugend aus eigener Kraft unter meiner Führung aufgebaut hat, waren: opferbereite Vaterlandsliebe, Überwindung von Standesdünkel und Klassenhaß, planmäßige Gesundheitspflege, Ertüchtigung durch Wandern, Spiel und Sport, Förderung der Berufsausbildung und insbesondere: kameradschaftliche Verständigung mit der Jugend anderer Völker.

Diese Grundsätze und Ziele standen mir seit meiner eigenen Jugendzeit als Ideale einer deutschen Nationalerziehung vor Augen. Diese Grundsätze und Ziele sind mir nicht von der Partei und nicht vom Staate vorgeschrieben worden, und wäre Hitler hier anwesend, so wäre das für meine Verteidigung völlig belanglos; denn als Reichsjugendführer berufe ich mich nicht auf ihn, ich berufe mich auf mich selbst.

Diese Erziehungsgrundsätze, die durch alle meine Reden, Schriften und Weisungen tausendfach bewiesen wurden und denen ich als Reichsjugendführer stets treugeblieben bin, sie sind nach meiner festen Überzeugung Grundsätze jeder Jugendführung, die sich ihrer Pflicht gegenüber Volk und Jugend bewußt ist.

Die Leistungen unserer Jugend und ihre sittliche Haltung haben mir recht gegeben und beweisen, daß sie nie verdorben war und auch durch mich nicht verdorben wurde.

Die deutsche Jugend war und ist fleißig, ehrlich, anständig und idealistisch. Sie hat im Frieden redlich an ihrer Fortbildung gearbeitet, und im Kriege bis zum äußersten tapfer ihre Pflicht getan, ihre Pflicht für unser Volk, für unser deutsches Vaterland.

In dieser Stunde, da ich ein letztes Mal zu dem Militärgericht der vier Siegermächte spreche, möchte ich mit reinem Gewissen unserer deutschen Jugend bestätigen, daß sie an den durch diesen Prozeß festgestellten Auswüchsen und Entartungen des Hitler-Regimes vollständig unschuldig ist, daß sie den Krieg niemals gewollt hat und daß sie sich weder im Frieden noch im Kriege an irgendwelchen Verbrechen beteiligt hat.

Als langjähriger Jugendführer des Deutschen Reiches kenne ich die Entwicklung, die Gesinnung, die Haltung unserer jungen Generation. Wer kann sie besser kennen als ich? Ich hatte an dieser Jugend stets meine Freude, in ihrer Mitte war ich immer glücklich, auf sie bin ich allezeit stolz gewesen. Ich weiß, daß in all den Jahren meiner Reichsjugendführung trotz der Millionen umfassenden Mitgliederzahl die Jugend sich grundsätzlich und ausnahmslos ferngehalten hat von allen Handlungen, deren sie sich heute schämen müßte. Sie hat nichts von den zahllosen Greueltaten gewußt, die von Deutschen begangen wurden, und wie sie von keinem Unrecht wußte, so hat sie auch kein Unrecht gewollt.

Es kann und darf nicht übersehen werden, daß selbst in der stärksten Erbitterung der Nachkriegszeit niemand daran denken konnte, die Organisation der deutschen Jugend und ihre Führerschaft als verbrecherisch anzuklagen.

Selbstlose Kameradschaft in einer Jugendbewegung, die gerade den ärmsten Kindern des Volkes die stärkste Liebe entgegenbrachte, Treue zur Heimat, Freude am Sport und ehrliche Verständigung mit der Jugend anderer Völker – das war das Ziel unserer Jugend und der Inhalt ihrer Erziehung vom ersten bis zum letzten Tage meiner Zeit als Reichsjugendführer.

Diese Jugend hat das schwere Schicksal nicht verdient, das über sie hereingebrochen ist!

Mein persönliches Schicksal ist nebensächlich, aber die Jugend ist die Hoffnung unseres Volkes. Und wenn ich im letzten Augenblick eine Bitte ausspreche, so ist es die:

Helfen Sie als Richter mit, das Zerrbild zu beseitigen, das sich vielfach die Welt heute noch von der deutschen Jugend macht und das vor der historischen Prüfung nicht standhalten kann. Sagen Sie der Welt in Ihrem Urteil, daß die von der Anklage benützte Schmähschrift eines Gregor Ziemer nichts enthält, als böswillige Verleumdungen eines Menschen, der seinen Haß gegen alles Deutsche auch auf die Jugend übertragen hat! Helfen auch Sie als Richter, daß die Jugendorganisationen Ihrer Völker die Zusammenarbeit mit der deutschen Jugend da wieder aufnehmen, wo sie 1939 – ohne Schuld der jungen Generation – unterbrochen wurde!

Dankbaren Herzens hat unsere Jugend die Worte des Lord Beveridge gehört, der sich mit Weitblick und Leidenschaft für eine Schuldloserklärung der deutschen Jugend eingesetzt hat. Freudig wird sie die Hand ergreifen, die ihr über Trümmer und Ruinen hinweg gereicht wird.

Tragen Sie, meine Herren Richter, durch Ihr Urteil dazu bei, für die junge Generation eine Atmosphäre gegenseitiger Achtung zu schaffen, eine Atmosphäre, die frei ist von Haß und Rache. Das ist meine letzte Bitte, eine herzliche Bitte für unsere deutsche Jugend.

Wiener Kurier (August 31, 1946)

In der deutschen Wehrmacht:
Statt Soldatentum Verbrechen und Barbarei

Nürnberg (WK.) - Der amerikanische Anklagevertreter, General Telford Taylor, führte gestern in seinem Plädoyer gegen das OKW und den Generalstab aus: „Die deutschen Militaristen haben sich mit Hitler verbündet und mit ihm das Dritte Reich geschaffen. Sie haben mit ihm die Welt in einen Krieg gestürzt und Schrecken und Zerstörung auf dem europäischen Festland verbreitet. Dies war kein Krieg - dies war ein Verbrechen. Dies war kein Soldatentum - dies war Barbarei. Das mußte einmal ausgesprochen werden.“

Militärs begeisterten sich an Hitlers Erfolgen

„Die Kriegsvorbereitungen der deutschen Wehrmacht“, sagte Taylor weiter, „gingen Hand in Hand mit den politischen Vorbereitungen Hitlers und seiner Partei, Die militärischen Leiter beteiligten sich nicht nur an den Plänen, sie waren begeistert über die Erfolge. Sie befürchteten bloß, in einen Krieg verwickelt zu werden, bevor sie genügend vorbereitet waren, aber sie wollten eine große Armee und sie bejahten die militärischen und strategischen Vorteile, welche durch Hitlers Erfolge in Österreich und in der Tschechoslowakei für Deutschland erstanden waren.“

Mitschuld an den Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Über die von der Wehrmacht in den eroberten Gebieten begangenen Verbrechen äußerte sich der amerikanische Anklagevertreter: „Die Generäle behaupten immer wieder, daß sie über gewisse Vorgänge vor ihrer Inhaftierung in Nürnberg niemals etwas gehört hätten. Militärische Persönlichkeiten zögern nicht, gleich anderen Angeklagten in diesem Prozeß, die Verantwortung für Dinge, die sie nicht bestreiten können, auf die Schultern von ein oder zwei Personen zu laden, die sie als Einzelpersonen und nicht als Vertreter der betreffenden Organisation darzustellen versuchen. Das Einzige, was diese Sündenböcke gemeinsam haben, ist, daß sie alle tot sind. Eine solche Verteidigung ist verächtlich und völlig unglaubwürdig.“

General Taylor erinnerte an die Mordtaten der Wehrmacht im Osten, besonders an die berüchtigten Kommissar- und Kommandobefehle sowie an die Erschießung wehrloser Kriegsgefangener und stellte fest, daß für die brutale Kriegführung nicht so sehr die Truppe, sondern in erster Linie die Generalität verantwortlich ist, die in der Lage gewesen wäre, alle Mordtaten durch die Ausgabe von klaren Befehlen zu verhindern.

„Wir stehen hier einer Erscheinung gegenüber, die sich als bedeutsam und unheilvoll erwiesen hat“, betonte Taylor, „einer Erscheinung, die nicht erst im Jahre 1933 oder vielleicht 1921 geboren wurde, sondern die viel älter ist, als jeder der hier Anwesenden und viel wichtiger, als jeder der hier Angeklagten. Diese Erscheinung kann weder mit einem Gewehr noch mit einem Henkerstrick getötet werden: der deutsche Militarismus. Sollte es ihm gelingen, jemals wiederaufzustehen, so müßte dies keineswegs in Verbindung mit dem Nationalsozialismus geschehen. Die deutschen Militaristen werden sich mit jedem Mann oder mit jeder Partei verbinden, die ihnen eine Wiedergeburt der deutschen bewaffneten Macht versprechen. Sie werden Verbrechen in Kauf nehmen, um ihr Ziel einer deutschen Machtstellung und eines deutschen Terrorsystems zu erreichen. Wir haben dies ja bereits erlebt.“

„Mit dem Augenblick, da Hitler die Macht in Deutschland bekam, fand die Autonomie der menschlichen Persönlichkeit ihr Ende“, erklärte der französische Hauptankläger, Champetier de Ribes, in seinem gestrigen Plädoyer. „Der Staat war nicht mehr für das Individuum geschaffen, Sonden das Individuum für den Staat.“

Zum Beweis für seine Behauptung, daß zwischen Gestapo, SD, SS und Wehrmacht engste Zusammenarbeit bestand, zitierte Champetier de Ribes den berüchtigten Hitlerbefehl vom 30. Juli 1944, worin es heißt, daß Truppen der Wehrmacht, der SS und der Polizei gemeinsam gegen „Terroristen und Saboteure“ vorgehen und diese bei Ergreifung auf frischer Tat an Ort und Stelle niedermachen sollten.

Organisationen des Verbrechens

Der französische Ankläger verlangte anschließend, daß die angeklagten Organisationen als verbrecherisch verurteilt werden. „Dies soll jedoch nicht heißen, daß in Hinkunft die Gerichte automatisch schwerste Strafen gegen alle Mitglieder dieser Organisationen aussprechen müßten. Wir verlangen nicht, daß Männer verurteilt werden, die nicht gehört worden sind.“

Wie Champetier de Ribes weiter ausführte, verlange das Statut des Gerichtes an keiner Stelle, daß alle Mitglieder dieser Organisationen vor Gericht gestellt werden sollen. Nur jene sollten verfolgt werden, die in Kenntnis der verbrecherischen Betätigung ihrer Gruppe freiwillig beigetreten sind und somit persönlich an den Verbrechen teilgenommen haben.

Die russische Anklage

„Man kann sich ein Hitler-Deutschland ohne Bibliotheken, ohne Schulen, ja sogar ohne Krankenhäuser vorstellen. Aber ein Hitler-Deutschland ohne SS und Gestapo wäre unvorstellbar.“ Mit dieser Charakterisierung leitete der russische Hauptankläger, General Rudenko, in der gestrigen Nachmittagssitzung sein Plädoyer gegen die angeklagten Organisationen ein.

„Nicht um die Organisationen in ihrer Gesamtheit oder alle Mitglieder zu bestrafen“, betonte der Ankläger, „ist der Gerichtshof berechtigt, eine Organisation als verbrecherisch zu erklären, sondern vielmehr, um damit den zuständigen einzelstaatlichen Behörden das Recht zu geben, einzelne Personen wegen ihrer Zugehörigkeit zu den als verbrecherisch erkannten Organisationen zur Verantwortung zu ziehen.“

Wer ist für die 12 Millionen Morde verantwortlich?

Eine solche Verschwörergruppe, wie sie das Hitlerregime dargestellt habe, führte Rudenko aus, konnte nicht ohne ein System verbrecherischer Hilfsorganisationen bestehen. Es sei sehr bezeichnend, daß sich die Verteidigung bemühte, diese Organisationen ohne Ausnahme als sauber und makellos erscheinen zu lassen.

„Wer hat dann aber die Ermordung von 12 Millionen friedlichen Bürgern vorgenommen? Wer hat die Kriegsgefangenen gemartert und wer hat Millionen von Menschen aus den besetzten Gebieten zur Sklavenarbeit verschickt?“ fragte General Rudenko. Er ging dann im einzelnen auf die verbrecherische Tätigkeit des politischen Führerkorps der Partei und der übrigen angeklagten Organisationen ein und sagte: „Unter stärkster Beteiligung der Waffen-SS wurden in der Stadt Kiew mehr als 195.000 friedliche Bürger zu Tode gequält, erschossen oder in Gaskammern vergiftet. In der Stadt Rowno und Umgebung wurden 120.000 Menschen vernichtet.

SA-Leute waren es, die die meisten antisemitischen Pogrome veranstalteten. In den Konzentrationslagern der Gestapo in Polen wurden mit Hilfe von Gaswagen 340.000 Juden ermordet.

Durch Dokumente wurde erwiesen, daß Hitler alle seine Angriffspläne vorher mit dem Generalstab und OKW besprochen hatte. Auch die Verantwortung der deutschen Armeeführer und hohen Offiziere für die Kriegsverbrechen ist durch Dokumente erwiesen.“

„Der Urteilsspruch muß das ganze verbrecherische System des deutschen Faschismus treffen“, verlangte Rudenko. „Die Anklagebehörde hat ihre Pflicht vor diesem hohen Gericht erfüllt, wie auch vor dem Andenken der unschuldigen Opfer, vor dem eigenen Gewissen und vor dem Gewissen der Völker.“

Final statement of Fritz Sauckel

Meine Herren Richter! Von den im Prozeß offenbar gewordenen Untaten bin ich in innerster Seele erschüttert. Ich beuge mich in tiefer Demut und Ehrfurcht vor den Opfern und Gefallenen aller Völker und vor dem Unglück und dem Leid meines eigenen Volkes, an dem allein ich mein Schicksal zu messen habe.

Ich stamme aus Lebensverhältnissen völlig anderer Art als meine mitangeklagten Kameraden. In Wesen und Gesinnung blieb ich ein Seemann und Arbeiter. Nach dem ersten Weltkrieg wurde mein Lebensweg bestimmt durch das eigene Erleben der Sorgen und Nöte der um ihr Dasein ringenden Massen meines Volkes. Innerliche Konflikte zwangen mich zur Politik. Ich konnte nichts anderes als Sozialist sein. Ich konnte mich aber nicht zum kommunistischen Manifest bekennen. Ich war nie antireligiös oder gar gottlos, sondern gerade das Gegenteil. Ich selbst habe mit mir hart gerungen, ehe ich zur Politik ging. So bekannte ich mich endlich zur sozialistischen Liebe und Gerechtigkeit denen gegenüber, deren einziger Reichtum ihre Arbeitskraft darstellt, und zugleich zum Schicksal meiner Nation. Darin sah ich die einzige mögliche Verbindung zwischen sozialistischer Gesinnung und wahrer Vaterlandsliebe. Dieser Glaube allein bestimmte mein Leben und Handeln. Ich sah hier keinen Gegensatz zu den Gesetzen der Humanität. In Führertum und Gefolgschaftstreue erkannte ich keinerlei willkürliche Diktatur oder Tyrannis. Mein Irrtum war vielleicht der Überschwang meines Gefühls und meines Vertrauens, sowie meine große Verehrung für Hitler. Ihn kannte ich nur als den Anwalt der Lebensrechte des deutschen Volkes und sah in ihm den gütigen Menschen gegen Arbeiter, Frauen und Kinder und den Förderer der Lebensinteressen Deutschlands. Den Hitler dieses Prozesses konnte ich nicht erkennen. Vielleicht war ein weiterer Mangel meine Vereinsamung und meine Verbohrung in meine Vorstellungswelt und meine Aufgaben. Gesellschaftlichen Umgang mit Inhabern hoher Reichsstellen hatte ich fast nie. Meine knappe Freizeit gehörte meiner Familie. Ich war und bin glücklich, daß meine Frau die Tochter eines Arbeiters ist, der selbst Sozialdemokrat war und blieb.

Ich versichere feierlich in diesem meinem letzten Wort: Alle außenpolitischen Ereignisse und der Beginn aller Kriegshandlungen überraschten mich vollkommen.

Unter keinen Umständen hätte ich mitgewirkt als deutscher Arbeiter und für deutsche Arbeiter und mitgeplant, den Wahnsinn der Entfesselung eines Angriffskrieges heraufzubeschwören.

Ich bin nur Nationalsozialist geworden, weil ich Klassenkampf, Enteignung und Bürgerkrieg verurteilte und an den absoluten Willen zum Frieden, zur Verständigung mit der Mitwelt und an die Aufbauarbeit Hitlers felsenfest glaubte. Ich habe in meinem eigenen Aufgabengebiet immer alles darangesetzt, weil ich Arbeiter war, Ausschreitungen, Willkür und Roheit jeder Art zu verhindern. Ich war naiv genug, gegen Himmler und Goebbels mein Manifest und viele andere Anordnungen für den Arbeitseinsatz, die die humane und korrekte Behandlung der fremden Arbeiter allen Stellen zwingend vorschrieben, durchsetzen zu wollen.

Ich hätte nie vermocht, widerspruchslos das Wissen furchtbarster Geheimnisse und Verbrechen zu ertragen, noch mit einem derartigen Bewußtsein meinem Volk oder meinen zehn unschuldigen Kindern unter die Augen zu treten. Ich habe keinen Anteil an irgendeiner Verschwörung gegen den Frieden oder die Menschlichkeit, noch habe ich Morde und Mißhandlungen geduldet.

Im Krieg selbst mußte ich meine Pflicht erfüllen. Die Aufgabe des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz erhielt ich in schwerster Krisenzeit 1942, für mich völlig überraschend. Ich war gebunden an die schon bestehenden Arbeitsgesetze, die Aufträge des Führers und die Verordnungen des Ministerrats für die Reichsverteidigung. Ich weiß nicht, warum ich gerade den Auftrag bekam. In meinem eigenen Gau hatte ich mir besonders das Vertrauen der Arbeiter, Bauern und Handwerker erworben und war schon vor 1933, also vor Hitlers Machtergreifung, mit großer Mehrheit durch freie parlamentarische Wahlen zum Chef der dortigen Landesregierung gewählt worden.

Ich glaube, daß die Vorsehung mich mit einer guten Anlage für Organisation wie für praktische Arbeit, sowie Begeisterungsfähigkeit ausgestattet hat. Vielleicht erhielt ich deshalb diesen Auftrag. Er bürdete mir eine schwere Last auf; der Berliner Boden war mir völlig fremd.

Ich habe, weil ich ein Arbeiter bin, nie daran gedacht, fremde Menschen zu Sklaven zu machen. Meine Forderung, sparsam mit Menschen umzugehen, bedeutete keinesfalls deren unmenschliche Ausbeutung, sondern deren ökonomischen, vernünftigen, richtigen Einsatz bei der Arbeit. Ich habe nie beabsichtigt, gegen Völker-, Kriegs- und Menschenrecht Verbrechen zu begehen. Nicht einen Augenblick zweifelte ich an der Rechtmäßigkeit und Zulässigkeit meiner Aufgabe, denn ich hielt einen Völkerrechtsbruch durch die deutsche Regierung für ausgeschlossen. Wenn mir vorgehalten wird, trotzdem durften die deutschen Arbeitsgesetze in den besetzten Gebieten nicht angewandt werden, dann bitte ich, erwidern zu dürfen, daß selbst hochgestellte Franzosen, Belgier, Polen und auch Russen mir erklärt haben, daß sie Deutschland durch Arbeiter deshalb unterstützen, um Europa gegen ein drohendes kommunistisches System zu schützen und um im Krieg Arbeitslosigkeit und Massenelend verhüten zu helfen. Ich habe aber nicht nur mit größtem Eifer mich für die Erfüllung meiner Aufgabe eingesetzt, sondern ich habe zugleich mit meiner ganzen Kraft angestrebt, den Tiefstand in der Organisation und in der Versorgung der ausländischen Arbeiter, welcher durch die Winterkatastrophe 1941/1942 eingetreten war, sofort bei Antritt meines Amtes mit allen Mitteln zu beseitigen und alle Unzulänglichkeiten und Mißstände abzustellen.

Ich glaube auch, wie meine Dokumente beweisen, daß bei einer korrekten Behandlung, wie ich sie verlangte, die ausländischen Arbeiter innerlich für unsere deutsche Aufgabe gewonnen werden konnten. Vielleicht war ich in den Augen von Himmler und Goebbels ein hoffnungsloser Utopist – sie waren meine Gegner. Ich habe aber ehrlich darum gekämpft, daß alle fremden Arbeiter die gleichen Rechte und Bedingungen erhalten sollten wie die deutschen. Auch dafür zeugen die zahlreichen Dokumente meines Verteidigers, und alle Aussagen der Zeugen vor diesem Gericht haben es bestätigt. Wenn mein Werk unvollkommen gewesen ist, kann es niemand mehr und schmerzlicher bedauern als ich selbst. Leider lag es nur zum Teil in meiner Hand, wie mein Anwalt bewiesen hat. Die Beweisaufnahme hat gezeigt, daß in den besetzten Gebieten Dinge geschehen sind, worauf ich und der zivile geregelte Arbeitseinsatz ohne jeden Einfluß waren.

Bei mir aber liefen die Beschwerden der deutschen wirtschaftlichen Bedarfsträger und Dienststellen ein, es seien für die Führung dieses Krieges stets zu wenig Arbeitskräfte von mir gestellt; ich sei schuld, wenn in der Kriegswirtschaft und Ernährungswirtschaft gefährliche Krisen drohten. Diese schweren Verantwortungen und diese Sorge beherrschten mich so sehr, daß ich für andere Vorgänge gar keine Zeit fand und hatte. Ich bedauere dies.

Für meine Anordnungen und für meine Beamten übernehme ich die Verantwortung. Die Protokolle der Zentralen Planung habe ich vor diesem Prozeß nie zu Gesicht bekommen, sonst hätte ich falsche oder mißverständliche Stellen richtiggestellt, wie zum Beispiel jene über das unmögliche Verhältnis von nur 200.000 freiwilligen Arbeitern. Das gleiche gilt auch für eine Anzahl anderer Äußerungen, die dritte Personen fälschlich von mir vermerkten und ohne daß diese Äußerungen von mir Wirklichkeit wurden. Weil ich Arbeiter bin und auf fremden Schiffen selbst Dienst geleistet habe, hege ich dankbare Gefühle für die fremden Arbeiter, die in Deutschland waren, denn sie halfen uns sehr und sie arbeiteten gut. Dies ist vielleicht ein Beweis dafür, daß sie im großen und ganzen korrekt und menschlich behandelt wurden. Ich selbst habe sie oft besucht. Weil ich Arbeiter war, habe ich 1943 und 1944 die Weihnachtsfeiern unter fremden Arbeitern verbracht, um ihnen meine Einstellung zu ihnen zu zeigen. Meine eigenen Kinder arbeiteten mitten unter fremden Arbeitern unter gleichen Arbeitsbedingungen. Konnten ich oder deutsche Arbeiter und das deutsche Volk dies für Sklaverei ansehen? Diese Notwendigkeit war unsere Kriegsnot. Das deutsche Volk und der deutsche Arbeiter hätten nie sklavenähnliche Zustände bei sich geduldet.

Mein Verteidiger hat in äußerster Sachlichkeit meinen Fall in voller Wahrheit dargelegt. Ich danke ihm aus tiefstem Herzen hierfür. Er war streng und korrekt bei der Untersuchung meines Falles von seiner Seite aus.

Mein Wollen und mein Gewissen ist rein; Unzulänglichkeiten und die Nöte dieses Krieges, die Furchtbarkeit seiner Verhältnisse gehen mir zutiefst zu Herzen. Ich selbst bin bereit, für jedes Schicksal, das die Vorsehung mir auferlegt, einzutreten, wie es mein gefallener Sohn tat. Die Gauleiter, die ich zu Bevollmächtigten einsetzte für den Arbeitseinsatz, hatten nur die alleinige Aufgabe, für die korrekte Versorgung und Behandlung der deutschen und der ausländischen Arbeiter zu sorgen.

Gott schütze mein über alles geliebtes Volk, der Herrgott segne wieder die Arbeit deutscher Arbeiter, denen mein ganzes Leben und Streben gegolten hat, und er schenke der Welt den Frieden.

Final statement of Alfred Jodl

Herr Präsident, meine Herren Richter! Es ist mein unerschütterlicher Glaube, daß eine spätere Geschichtsschreibung zu einem objektiven und gerechten Urteil über die hohen militärischen Führer und ihre Gehilfen kommen wird. Denn sie und mit ihnen die ganze deutsche Wehrmacht standen vor einer unlösbaren Aufgabe, nämlich einen Krieg zu führen, den sie nicht gewollt, unter einem Oberbefehlshaber, dessen Vertrauen sie nicht besaßen und dem sie selbst nur beschränkt vertrauten, mit Methoden, die oft ihren Führungsgrundsätzen und ihren überkommenen erprobten Anschauungen widersprachen, mit Truppen und Polizeikräften, die nicht ihrer vollen Befehlsgewalt unterstanden und mit einem Nachrichtendienst, der teilweise für den Gegner arbeitete. Und dies alles in der vollen und klaren Erkenntnis, daß dieser Krieg entschied über Sein oder Nichtsein des geliebten Vaterlandes.

Sie haben nicht der Hölle gedient und nicht einem Verbrecher, sondern ihrem Volke und ihrem Vaterlande.

Was mich betrifft, so glaube ich, kein Mensch kann besser handeln, als wenn er von den Zielen, die ihm erreichbar erscheinen, das höchste erstrebt. Das und nichts anderes war die Richtschnur meines Handelns seit je, und deshalb werde ich, welches Urteil Sie, meine Herren Richter, auch über mich fällen, diesen Gerichtssaal ebenso erhobenen Hauptes verlassen, wie ich ihn vor vielen Monaten betreten habe. Wer mich aber einen Verräter nennt an der ehrenvollen Tradition der deutschen Armee, oder wer behauptet, daß ich aus egoistischen, persönlichen Gründen auf meinem Posten geblieben wäre, den nenne ich einen Verräter an der Wahrheit.

In einem Krieg wie diesem, in dem Hunderttausende von Kindern und Frauen durch Bombenteppiche vernichtet oder durch Tiefflieger getötet wurden, in dem Partisanen jedes, aber auch jedes Gewaltmittel anwandten, das ihnen zweckmäßig erschien, sind harte Maßnahmen, auch wenn sie völkerrechtlich bedenklich erscheinen sollten, kein Verbrechen vor Moral und Gewissen. Denn ich glaube und bekenne: die Pflicht gegen Volk und Vaterland steht über jeder anderen. Diese zu erfüllen, war mir Ehre und höchstes Gesetz.

Möge diese Pflicht in einer glücklicheren Zukunft ersetzt werden durch eine noch höhere: durch die Pflicht gegen die Menschheit!

Final statement of Franz von Papen

Euer Lordschaft, Hohes Gericht! Als ich 1919 in die Heimat zurückkehrte, fand ich ein von politischen Kämpfen der Parteien zerrissenes Volk vor, das aus dem Zusammenbruch nun eine neue Lebensform zu finden suchte. In diesen Unglückstagen meiner Heimat glaubte ich, als verantwortungsbewußter Deutscher nicht tatenlos abseits stehen zu dürfen. Es war mir klar, daß eine Wiedergeburt des Vaterlandes allein auf dem Wege des Friedens und der geistigen Auseinandersetzung möglich war, einer Auseinandersetzung, die nicht nur um die politische Form ging, sondern vielmehr noch um die Lösung des brennendsten sozialen Problems, die Voraussetzung für jede innere Befriedung. Gegenüber dem Ansturm rationalistischer Ideologien galt es, und das war meine innerste Überzeugung, das Christentum als Ausgangspunkt des Neuaufbaues zu erhalten. Vom Ausgang dieser inneren Auseinandersetzung mußte auch die Aufrechterhaltung des europäischen Friedens abhängen.

Der ganze Einsatz meiner besten Jahre hat dieser Frage gegolten, in der Gemeinde, im Parlament, im Staat Preußen und im Reich. Wer die Tatsachen kennt, weiß, daß ich mich 1932 nicht zu dem hohen Amte gedrängt habe. Hindenburgs dringender vaterländischer Appell war mir Befehl, und wenn ich mit ungezählten anderen Deutschen in der Zwangslage von 1933 mich an hervorragender Stelle zur Mitarbeit entschlossen habe, dann, weil ich es für meine Pflicht hielt und weil ich an die Möglichkeit glaubte, den Nationalsozialismus in verantwortungsbewußte, ruhige Bahnen lenken zu können, weil ich hoffte, daß die Aufrechterhaltung christlicher Grundsätze das beste Gegengewicht gegen ideologischen und politischen Radikalismus sein und eine friedliche innere und äußere Entwicklung gewährleisten werde.

Das Ziel ist nicht erreicht worden. Die Kraft des Bösen war stärker als die des Guten und hat Deutschland unrettbar in die Katastrophe getrieben. Aber sollen deshalb auch diejenigen verdammt werden, die im Kampfe des Glaubens gegen den Unglauben die Fahne des ersteren hochgehalten haben? Und berechtigt es Justice Jackson zu der Feststellung, ich sei nur der frömmelnde Agent einer ungläubigen Regierung gewesen? Oder was gibt Sir Hartley Shawcross das Recht, mit Hohn und Spott und Verachtung zu sagen: Er zog es vor, in der Hölle zu herrschen, anstatt im Himmel zu dienen? Meine Herren Ankläger! Dieses Urteil steht nicht Ihnen zu, das steht einem anderen Richter zu. Aber ich frage, steht nicht die Frage nach der Verteidigung der transzendenten Werte heute noch weit stärker im Mittelpunkt der Bemühungen um den Neubau der Welt?

Ich glaube, daß ich mit einem reinen Gewissen mich der Verantwortung stellen kann. Liebe zu Heimat und Volk waren allein entscheidend für alle meine Handlungen. Ich habe ohne Menschenfurcht gesprochen, wenn ich sprechen mußte. Nicht dem Nazi-Regime, sondern dem Vaterland habe ich gedient, wenn ich trotz herbster Enttäuschungen über den innerpolitischen Fehlschlag meiner Hoffnungen versucht habe, von diplomatischen Stellungen aus wenigstens den Frieden zu retten.

Wenn ich mein Gewissen prüfe, so finde ich keine Schuld da, wo die Anklage sie sucht und behauptet, aber, wo wäre ein Mensch ohne Schuld oder Fehl? Historisch gesehen mag diese Schuld an jenem tragischen 2. Dezember 1932 liegen, als ich nicht versuchte, den Reichspräsidenten mit allen Mitteln zu bewegen, seinen Entschluß vom Vorabende aufrechtzuerhalten trotz Verfassungsbruchs und trotz der Drohung General von Schleichers mit dem Bürgerkrieg.

Will die Anklage wirklich alle Menschen, die sich ehrlichen Wollens zur Mitarbeit gestellt haben, verdammen? Will sie behaupten, daß das deutsche Volk 1933 Hitler gewählt habe, weil es den Krieg wollte? Will sie wirklich behaupten, daß es in seiner überwältigenden Mehrheit die gewaltigen seelischen und materiellen Opfer bis zum Opfer seiner Jugend auf den Schlachtfeldern dieses Krieges für Hitlers utopische und verbrecherische Ziele gebracht habe?

Das Hohe Gericht steht vor der unendlich schwierigen Aufgabe, ohne zeitlichen Abstand von der Katastrophe Ursache und Wirkung der historischen Entwicklung in ihren wahren Zusammenhängen zu erkennen.

Nur wenn dieses Hohe Gericht die historische Wahrheit erkennt und anerkennt, wird der geschichtliche Sinn dieses Prozesses erfüllt. Nur dann wird das deutsche Volk, obwohl sein Reich zerstört ist, die Erkenntnis seiner Fehler, aber auch die Kraft für seine zukünftige Aufgabe finden.

Final statement of Arthur Seyss-Inquart

Herr Präsident! Ich will in meinem Schlußwort noch einen mir möglichen Beitrag zur Klarstellung der hier erörterten Verhandlungsgegenstände leisten durch Darlegung der persönlichen Motive und Überlegungen für mein Verhalten.

Zur Frage Österreich habe ich wenig zu sagen. Den Anschluß, losgelöst von den späteren Ereignissen, sehe ich als eine ausschließlich innerdeutsche Angelegenheit an. Für jeden Österreicher war der Anschluß Selbstzweck und niemals im entferntesten ein Vorbereitungsschritt zu einem Angriffskrieg. Dafür war die Anschlußidee ein viel zu wichtiges, nämlich das vornehmste Ziel des deutschen Volkes. „Ich erstatte vor dem deutschen Volke die größte Vollzugsmeldung meines Lebens.“ Ich habe diesen Worten des Führers am 15. März 1938 in der Hofburg zu Wien geglaubt. Sie waren auch richtig.

Daß ich am 11. März 1938 etwa ab 8.00 Uhr abends, nämlich nach dem völligen Zusammenbruch jeder anderen politischen und staatlichen Autorität, den von Berlin eingeschlagenen Weg mitmachte, hat folgenden Grund. Der ungerechtfertigte Widerstand gegen die Durchführung geordneter Wahlen hatte einem radikalen Vorgehen praktisch aber auch psychologisch die Tore geöffnet. Ich frug mich, ob ich das Recht habe, gegen diese Methoden zu sein, nachdem offenbar mein Weg nicht gangbar gewesen war. Schien das Vorgehen aber gerechtfertigt, dann fühlte ich mich verpflichtet, den Beitrag zu leisten, den ich nach der Sachlage leisten konnte. Ich bin sicher, daß es vor allem diesem Beitrag zu danken ist, daß dieser grundlegende Umschwung und insbesondere die Nacht zum 12. März in solcher Ruhe und ohne Blutvergießen vor sich gegangen ist, obwohl in den österreichischen Nationalsozialisten ein sehr großer Haß aufgespeichert war.

Ich war für den Zusammenschluß aller Deutschen, gleichgültig welche Regierungsform Deutschland hatte.

Ich glaube, die Anklage beruft sich auf Dokumente aus der Zeit nach dem Anschluß, um aus diesen meine Annektions- und Aggressionsabsichten herauszulesen. Es handelt sich um Dokumente, um Äußerungen über den Donauraum und die Tschechoslowakei nach dem 1. Oktober 1938, nach dem Münchener Abkommen, und über den Weichselraum nach dem 1. September 1939, nach Kriegsbeginn. Zu diesen Äußerungen bekenne ich mich, und ihre Richtigkeit ist inzwischen bestätigt worden. Solange der Donauraum in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie geordnet war, entwickelte er sich zum Wohl aller, und das deutsche Element entfaltete keine imperiale, sondern eine kulturell und wirtschaftlich fördernde und ausgleichende Tätigkeit. Seit dieser Raum infolge der integralen Durchsetzung des nationalen Prinzips zerbrochen ist; ist er noch nicht zur Ruhe gekommen. In dieser Erinnerung dachte ich an die Neugestaltung eines gemeinsamen Lebensraums, von dem ich öffentlich erklärte, er müsse als wesentlichstes Erfordernis allen, also den Deutschen, Tschechen, Slowaken, Ungarn und Rumänen, eine solche soziale Ordnung geben, die jedem einzelnen das Leben lebenswert mache. In diesem Sinne dachte ich auch an die Tschechoslowakei, und zwar eingedenk des von mir selbst erlebten Sprachenausgleiches in Mähren. Wenn ich nach dem 1. September 1939 vom Weichselraum als einem deutschen Schicksalsraum sprach, so geschah dies aus dem Bestreben, Gefahren für die Zukunft vorzubeugen, die durch den Kriegsausbruch offenbar geworden waren und heute jedem Deutschen zur furchtbaren Wirklichkeit geworden sind. Diese Äußerungen haben für den Nachweis einer Angriffsabsicht unmöglich eine andere Beweiskraft als die Beschlüsse von Teheran rücksichtlich der deutschen Ostgebiete.

Nun war dieser Krieg ausgebrochen, den ich sofort und immer als einen Kampf auf Leben und Tod des deutschen Volkes erkannt habe. Der Forderung nach bedingungsloser Kapitulation konnte ich nur ein bedingungsloses Nein und meinen bedingungslosen Einsatz entgegenhalten. Ich glaube an Rathenaus Worte: Mutvolle Völker lassen sich brechen, aber nicht beugen!

Was die Niederlande betrifft, so will ich zum Vorwurf des Eingriffs in die Verwaltung zu politischen Zwecken nur folgendes feststellen. In den Niederlanden wurde kein Mensch zu einem politischen Bekenntnis gezwungen oder in seiner Freiheit und seinem Vermögen beschränkt, weil er während der Besetzung eine dem Reich oder dem Nationalsozialismus feindliche Gesinnung hatte, ohne sich feindselig zu betätigen.

Ich erklärte bereits, daß ich gegen die Evakuierung der Juden ernste menschliche und rechtliche Bedenken hatte. Heute muß ich mir sagen, daß es für die Evakuierungen größeren Ausmaßes und auf die Dauer doch grundsätzlich eine Berechtigung zu geben scheint, denn solche treffen heute mehr als zehn Millionen Deutsche, die in ihren bisherigen Wohnsitzen viele Jahrhunderte lang gesiedelt haben.

Ab Mitte 1944 wurden auf Grund eines unmittelbaren Führerbefehls Saboteure und Terroristen bei nachgewiesener Tätigkeit von der Polizei erschossen. Nur von solchen Erschießungen habe ich in dieser Zeit gehört, niemals von „Geiselerschießungen“ im eigentlichen Sinn. Die während der Besetzung ums Leben gekommenen niederländischen Patrioten gelten heute mit Recht als gefallene Helden. Heißt es nicht dieses Heldentum herabsetzen, wenn man die Toten lediglich als Opfer eines Verbrechens hinstellt und damit zum Ausdruck bringt, daß ihr Verhalten gar nicht so gefahrvoll gewesen wäre, wenn sich die Besatzungsmacht korrekt verhalten hätte? Sie alle sind in einem gewollten und betätigten Zusammenhang zur Widerstandsbewegung gestanden. Sie teilen das Schicksal der Frontsoldaten: Die Kugel trifft den, der im Gefahrenraum wirksam ist.

Konnte ich der Freund der Niederländer sein, die in ihrer überwältigenden Mehrheit gegen mein um seine Existenz ringendes Volk standen? Ich habe übrigens nur bedauert, nicht als Freund in das Land gekommen zu sein. Aber ich war weder ein Henker noch nach meinen Wünschen ein Plünderer, wie die Sowjet-Anklage das behauptet. Mein Gewissen ist insofern beruhigt, als die biologische Lage des niederländischen Volkes während meiner vollverantwortlichen Tätigkeit, also bis Mitte 1944, besser war als im ersten Weltkrieg, ohne Besetzung und ohne Blockade. Dies bezeugen die Zahlen der Eheschließungen, Geburten, Sterblichkeits- und Krankenziffern. Dies geht bestimmt auch auf die Auswirkung einer Reihe von mir veranlaßter Maßnahmen zurück, zum Beispiel eine umfassende Krankenversicherung, Ehe- und Kinderbeiträge, soziale Staffelung der Einkommensteuer und mehr. Schließlich habe ich den an mich ergangenen Befehl, das Land zu zerstören, nicht durchgeführt und aus eigener Initiative der Besetzung zu Verteidigungszwecken ein Ende bereitet, als der Widerstand in Holland seinen Sinn verloren hatte.

Noch zwei Feststellungen: zu Österreich: Wenn die Deutschen Österreichs den Wunsch haben, ihre Schicksalsgemeinschaft mit den Deutschen im Reich nach innen und außen Wirklichkeit werden zu lassen, dann dürfen diesem Wunsch nicht autoritäre Hemmungen entgegengesetzt oder einer Einmischung außerdeutscher Kräfte in dieser Entscheidung ein Platz eingeräumt werden. Ansonsten folgt das ganze deutsche Volk der radikalsten Anschlußtendenz ohne Rücksicht darauf, wie das sonstige politische Programm einer solchen Bewegung beschaffen ist.

Und zweitens zur Frage der Wirksamkeit völkerrechtlicher Bestimmungen in einem Kriege: Deutschland darf keinen Krieg im eigensten Interesse wollen, es muß sogar darauf achten, daß ihm keine Waffen in die Hände gedrückt werden. Auch die anderen Völker wollen keinen Krieg, aber die Möglichkeit ist nicht absolut ausgeschlossen, es sei denn, die Völker verabscheuen ihn. Es ist daher falsch, einen künftigen Krieg dadurch verniedlichen zu wollen und auf diese Weise die Abwehrkräfte in den Völkern zu mindern, daß die Vorstellung erweckt wird, ein künftiger Weltkrieg würde sich noch irgendwie im Rahmen der Haager Landkriegsordnung oder einer anderen völkerrechtlichen Abmachung halten lassen.

Nun bin ich wohl auch noch eine Erklärung über meine Stellung zu Adolf Hitler schuldig. Erwies er sich als unzulänglich, da er das Maß aller Dinge nur in sich selbst sah, eine entscheidende Aufgabe für das deutsche Volk, ja für Europa zu erfüllen, oder hat er sich noch einmal, aber vergeblich und bis zu unfaßbaren Exzessen gegen den Ablauf eines unerbittlichen Schicksals gewehrt? Für mich bleibt er der Mann, der Großdeutschland als eine Tatsache in die deutsche Geschichte gestellt hat. Diesem Manne habe ich gedient. Was dann kam? Ich vermag nicht heute „Kreuziget ihn!“ zu rufen, da ich gestern „Hosianna“ gerufen habe.

Zuletzt danke ich noch meinem Verteidiger für die Umsicht und Mühewaltung, die er bei meiner Verteidigung aufwandte.

Mein letztes Wort ist der Grundsatz, nach dem ich immer gehandelt habe und an den ich bis zum letzten Atemzug festhalten werde: Ich glaube an Deutschland!

Final statement of Albert Speer

Herr Präsident, meine Herren Richter! Hitler und der Zusammenbruch seines Systems haben eine ungeheure Leidenszeit über das deutsche Volk gebracht. Die nutzlose Fortsetzung dieses Krieges und die unnötigen Zerstörungen erschweren den Wiederaufbau. Entbehrungen und Elend sind über das deutsche Volk gekommen.

Es wird nach diesem Prozeß Hitler als den erwiesenen Urheber seines Unglücks verachten und verdammen. Die Welt aber wird aus dem Geschehenen lernen, die Diktatur als Staatsform nicht nur zu hassen, sondern zu fürchten.

Die Diktatur Hitlers unterschied sich in einem grundsätzlichen Punkt von allen geschichtlichen Vorgängern. Es war die erste Diktatur in dieser Zeit moderner Technik, eine Diktatur, die sich zur Beherrschung des eigenen Volkes der technischen Mittel in vollkommener Weise bediente. Durch die Mittel der Technik, wie Rundfunk und Lautsprecher, wurde 80 Millionen Menschen das selbständige Denken genommen; sie konnten dadurch dem Willen eines einzelnen hörig gemacht werden. Telephon, Fernschreiber und Funk ermöglichten es, daß zum Beispiel Befehle höchster Instanzen unmittelbar bis in die untersten Gliederungen gegeben werden konnten, wo sie wegen ihrer hohen Autorität kritiklos durchgeführt wurden. Oder sie führten dazu, daß zahlreiche Dienststellen und Kommandos unmittelbar an die oberste Führung angeschlossen wurden, von der sie direkt ihre unheimlichen Befehle erhielten. Oder sie hatten zur Folge eine weitverzweigte Überwachung der Staatsbürger und den hohen Grad der Geheimhaltung verbrecherischer Vorgänge. Für den Außenstehenden mag dieser Staatsapparat wie das scheinbar systemlose Gewirr der Kabel einer Telephonzentrale erscheinen; aber wie diese konnte er von einem Willen bedient und beherrscht werden. Frühere Diktaturen benötigten auch in der unteren Führung Mitarbeiter mit hohen Qualitäten, Männer, die selbständig denken und handeln konnten. Das autoritäre System in der Zeit der Technik kann hierauf verzichten. Schon allein die Nachrichtenmittel befähigen es, die Arbeit der unteren Führung zu mechanisieren. Als Folge davon entsteht der neue Typ des kritiklosen Befehlsempfängers.

Wir waren erst am Beginn dieser Entwicklung. Der Alptraum vieler Menschen, daß einmal die Völker durch die Technik beherrscht werden könnten, er war im autoritären System Hitlers nahezu verwirklicht. In der Gefahr, von der Technik terrorisiert zu werden, steht heute jeder Staat der Welt. In einer modernen Diktatur scheint mir dies aber unvermeidlich zu sein. Daher: Je technischer die Welt wird, um so notwendiger ist als Gegengewicht die Förderung der individuellen Freiheit und des Selbstbewußtseins des einzelnen Menschen.

Hitler hat die Technik nicht nur zur Beherrschung seines eigenen Volkes ausgenutzt, es wäre ihm nahezu gelungen, mittels seines technischen Vorsprungs Europa zu unterwerfen. Es waren lediglich einige der grundsätzlichen Schaltfehler, wie sie in einer Diktatur wegen des Mangels an Kritik typisch sind, daß er nicht vor 1942 doppelt soviel Panzer, Flugzeuge und U-Boote hatte. Wenn aber ein moderner Industriestaat seine Intelligenz, seine Wissenschaft, die Entwicklung der Technik und seine Produktion einige Jahre dafür einsetzt, um auf dem Gebiet der Bewaffnung einen Vorsprung zu erzielen, dann kann er auch mit einem geringen Einsatz von Menschen durch seine überlegene Technik die Welt völlig überrunden und besiegen, wenn die anderen Nationen in der gleichen Zeit ihre technischen Fähigkeiten für den kulturellen Fortschritt der Menschheit verwendeten. Je technischer die Welt wird, um so größer ist diese Gefahr; um so schwerer wiegt ein Vorsprung der technischen Kriegsmittel.

Dieser Krieg endete mit den ferngesteuerten Raketen, mit Flugzeugen in Schallgeschwindigkeit, mit neuartigen U-Booten und mit Torpedos, die ihr Ziel selbst finden, mit Atombomben und mit der Aussicht auf einen furchtbaren chemischen Krieg.

Der nächste Krieg wird zwangsläufig im Zeichen dieser neuen zerstörenden Erfindungen menschlichen Geistes stehen. Die Kriegstechnik wird in fünf bis zehn Jahren die Möglichkeit geben, von Kontinent zu Kontinent mit unheimlicher Präzision Raketen zu schießen. Sie kann durch die Atomzertrümmerung mit einer Rakete, bedient vielleicht von nur zehn Menschen, im Zentrum Newyorks in Sekunden eine Million Menschen vernichten, unsichtbar, ohne vorherige Ankündigung, schneller wie der Schall, bei Tag und bei Nacht. Der Wissenschaft ist es möglich, Seuchen zu verbreiten unter Menschen und Tieren und durch einen Insektenkrieg die Ernte zu vernichten. Die Chemie hat furchtbare Mittel gefunden, um den hilflosen Menschen unsagbares Leid zuzufügen.

Wird es wieder einen Staat geben, der die technischen Erkenntnisse dieses Krieges zur Vorbereitung eines neuen Krieges verwertet, während die übrige Welt den technischen Vorsprung dieses Krieges zum Nutzen der Menschheit anwendet und dadurch versucht, einen geringen Ausgleich für seine Schrecken zu schaffen?

Als ehemaliger Minister einer hochentwickelten Rüstung ist es meine letzte Pflicht zu sagen: Ein neuer großer Krieg wird mit der Vernichtung menschlicher Kultur und Zivilisation enden. Nichts hindert die entfesselte Technik und Wissenschaft, ihr Zerstörungswerk an den Menschen zu vollenden, das sie in diesem Kriege in so furchtbarer Weise begonnen hat. Darum muß dieser Prozeß ein Beitrag sein, um in der Zukunft entartete Kriege zu verhindern und die Grundregeln menschlichen Zusammenlebens festzulegen.

Was bedeutet mein eigenes Schicksal nach allem, was geschehen und bei einem solch hohen Ziel? Das deutsche Volk hat in früheren Jahrhunderten viel zu dem Aufbau menschlicher Kultur beigetragen. Es hat diese Beiträge oft in Zeiten geliefert, in denen es genauso ohnmächtig und hilflos war wie heute. Wertvolle Menschen lassen sich nicht zur Verzweiflung treiben. Sie werden neue bleibende Werke schaffen, und unter dem ungeheueren Druck, der auf allen lastet, werden diese Werke von besonderer Größe sein. Wenn das deutsche Volk so in den unvermeidlichen Zeiten seiner Armut und seiner Ohnmacht, – aber gleichzeitig auch in der Zeit seines Aufbaus – neue Kulturwerte schafft, dann hat es damit den wertvollsten Beitrag zu dem Geschehen in der Welt geleistet, den es in seiner Lage leisten kann.

Es sind nicht die Schlachten der Kriege allein, die die Geschichte der Menschheit bestimmen, sondern in einem höheren Sinne die kulturellen Leistungen, die einst in den Besitz der ganzen Menschheit übergehen. Ein Volk aber, das an seine Zukunft glaubt, wird nicht untergehen. Gott schütze Deutschland und die abendländische Kultur!

Final statement of Konstantin von Neurath

Getragen von der Überzeugung, daß auch vor diesem Hohen Gericht die Wahrheit und die Gerechtigkeit trotz allen Hasses, der Verleumdung und der Verdrehung sich durchsetzen wird, glaube ich, den Ausführungen meines Verteidigers nur das eine noch hinzufügen zu müssen, daß mein Leben geweiht war der Wahrhaftigkeit, der Ehrenhaftigkeit, der Erhaltung des Friedens und der Völkerversöhnung, der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit und daß ich hier stehe mit gutem Gewissen nicht nur vor mir selbst, sondern vor der Geschichte und vor dem deutschen Volk.

Und wenn trotzdem der Spruch dieses Gerichts mich schuldig erkennen würde, so werde ich auch das zu tragen wissen und auf mich nehmen als ein letztes Opfer für mein Volk, dem zu dienen der Inhalt und der Sinn meines Daseins war.

Final statement of Hans Fritzsche

Hohes Gericht! Die Hauptvertreter der Anklage wiederholten in ihren abschließenden Reden einige Anschuldigungen gegen mich, obwohl sie nach meiner Ansicht durch die Beweisaufnahme klar widerlegt worden sind. Ich habe einige dieser Punkte zusammengestellt. Ich habe nicht die Absicht, sie zu verlesen. Wenn es den Regeln des Gerichts nicht widerspricht und wenn es dem Gericht gefällt, so bitte ich darum, diese Zusammenstellung – es handelt sich um sechs Seiten – zur Kenntnis zu nehmen; sie liegen in Übersetzung vor.

Ich möchte die große Chance des letzten Schlußworts in diesem bedeutsamen Prozeß nicht verschwenden mit der Aufzählung von Einzelheiten, die ja alle in Protokollen und Dokumenten zu finden sind. Ich muß mich dem Gesamtkomplex der Verbrechen zuwenden, da die Anklage behauptet, daß ich diesem Gesamtverbrechen durch eine Verschwörung verbunden sei.

Gegenüber diesem Vorwurf kann ich nur sagen: Ach hätte ich doch in meinen Rundfunkreden die Propaganda getrieben, die mir jetzt die Anklage vorwirft! Hätte ich doch die Lehre von der Herrenrasse vertreten! Hätte ich doch Haß gegen andere Völker gepredigt! Hätte ich doch zu Angriffskriegen, Gewalttat, Mord und Unmenschlichkeit aufgefordert! Denn, Hohes Gericht, wenn ich dies alles getan hätte, dann hätte sich das deutsche Volk von mir gewandt und hätte das System abgelehnt, für das ich sprach.

Auch wenn ich dies in versteckter Form nur getan hätte, dann würden meine Hörer das gemerkt haben, und sie hätten es abgelehnt.

Aber das Unglück liegt ja gerade in der Tatsache, daß ich alle diese Thesen nicht vertrat, nach denen Hitler mit einem kleinen Kreis von Helfershelfern insgeheim handelte, einem Kreis, der sich nach den Aussagen unter anderem der Zeugen Höß, Reinecke und Morgen langsam aus dem Nebel hebt, der ihn bis dahin verbarg.

Ich glaubte an Hitlers Versicherungen seines ehrlichen Friedenswillens. Dadurch verstärkte ich den Glauben des deutschen Volkes an sie.

Ich glaubte an die amtlichen deutschen Dementis gegen alle ausländischen Meldungen über deutsche Greueltaten. Mit meinem Glauben verstärkte ich den Glauben des deutschen Volkes an die Sauberkeit der deutschen Staatsführung. Das ist meine Schuld, nicht mehr – nicht weniger.

Die Ankläger haben die Empörung ihrer Völker zum Ausdruck gebracht über die Greueltaten, die geschahen. Nun, sie haben von Hitler nichts Gutes erwartet und sind betroffen über das Ausmaß dessen, was wirklich geschah. Aber versuchen Sie dann einmal, die Empörung derer zu begreifen, die von Hitler Gutes erwarteten und die nun sahen, wie ihr guter Glaube, ihr guter Wille und ihr Idealismus mißbraucht wurden. Ich befinde mich in dieser Lage des Getäuschten zusammen mit vielen, vielen anderen Deutschen, von denen die Anklage sagt, sie hätten das, was geschah, erkennen können aus rauchenden Schornsteinen in Konzentrationslagern oder aus dem bloßen Anblick von Häftlingen und so weiter.

Ich empfinde es als ein großes Unglück, daß die Anklage die Dinge so darstellt, als ob ganz Deutschland eine riesige Höhle des Verbrechens gewesen wäre. Es ist ein Unglück, daß die Anklage das Ausmaß der Verbrechen noch verallgemeinert, die doch schon schrecklich genug sind. Demgegenüber muß ich feststellen: Wer einmal in den Jahren des friedlichen Aufbaues an Hitler geglaubt hatte, der brauchte nur Treue, Mut und Opferbereitschaft, um ihm auch weiter zu glauben so lange, bis er durch die Entdeckung sorgfältig gehüteter Geheimnisse in ihm den Teufel erkennen konnte. Nur so ist der Kampf zu erklären, den Deutschland durch 68 Monate kämpfte. Solche Opferbereitschaft wächst nicht aus Verbrechen, sondern nur aus Idealismus und gutem Glauben, sowie aus kluger und scheinbar gerechter Organisation.

Ich bedauere die von der Anklage vorgenommene Verallgemeinerung der Verbrechen, weil sie den Berg von Haß, der in der Welt liegt, noch vergrößern muß. Aber es ist Zeit, den ewigen Kreislauf des Hasses zu unterbrechen, der bisher die Welt beherrschte. Es ist höchste Zeit, dem Wechsel von Saat, Ernte, neuer Aussaat und neuer Ernte des Hasses Einhalt zu gebieten. Schließlich ist der Mord an fünf Millionen eine grausige Warnung, und die Menschheit besitzt heute die technischen Mittel zu ihrer Selbstvernichtung. Deshalb darf meines Erachtens die Anklage an das Ende eines Hasses nicht einen neuen Haß setzen.

Ich habe vor meinem Gewissen das Recht, dies auszusprechen, denn ich habe nicht, wie die Anklage behauptet, Haß gepredigt und das Tor des Mitleids verschlossen. Ich habe vielmehr sogar mitten im härtesten Kampf immer wieder die Stimme der Menschlichkeit erhoben. Das beweist die übergroße Mehrzahl meiner Ansprachen, die man ja jederzeit gegen die Äußerungen meiner Gegner abwägen kann. Meine Ansprachen, die ja, auch wenn sie hier vor dem Gericht nicht vorgelegt werden konnten, nicht einfach aus der Welt verschwunden sein können.

Es ist nun durchaus möglich, ja vielleicht sogar verständlich, daß der Sturm der Empörung der Welt über geschehene Greueltaten die Grenzen der individuellen Verantwortung verweht. Wenn das geschieht, wenn eine kollektive Verantwortung auch Gutgläubig-Mißbrauchte treffen soll, dann, meine Herren Richter, dann machen Sie bitte mich haftbar. Ich verstecke mich, wie schon mein Verteidiger betonte, nicht hinter die Millionen Gutgläubiger und Mißbrauchter. Ich stelle mich vor diejenigen, für die meine Glaubwürdigkeit einst noch eine zusätzliche Garantie war für die Sauberkeit der Ziele des Systems. Diese meine Haftung aber gilt nur für die Gutgläubigen und nicht für die Urheber, Mittäter oder Mitwisser von Greueltaten, angefangen vom Mord bis zur Auswahl von lebenden Menschen für anatomische Sammlungen.

Zwischen diesen Verbrechern und mir gibt es nur eine einzige Verbindung: Sie haben mich nur in anderer Weise mißbraucht als diejenigen, die ihnen körperlich zum Opfer fielen.

Es mag schwer sein, das deutsche Verbrechen von dem deutschen Idealismus zu trennen. Unmöglich ist es nicht. Macht man diese Trennung, dann wird man viel Leid vermeiden für Deutschland – und für die Welt.

The Evening Star (August 31, 1946)

Court hears Nazis’ last pleas; verdict to be given Sept. 23

Goering shouts his innocence and Hess attacks proceedings

NUERNBERG (AP) – The verdict in the nine-month-old Nuernberg war crimes trial will be given September 23, the tribunal announced today.

The disclosure was made by Lord Justice Sir Geoffrey Lawrence of Britain, presiding, after the 20 henchmen of Hitler in the prisoners’ dock completed their final pleas.

Justice Lawrence announced that the International Military Tribunal would recess until September 23, when the verdict is to be given against Hermann Goering and his fellow defendants and seven Nazi organizations.

For four hours the tribunal heard impassioned speeches by the ringleaders of Hitler’s war machine denying they were guilty of war atrocities and crimes against humanity.

It was their last chance to explain Nazi Germany’s conduct before they learn their fate. Most of them blamed Hitler for war developments. Some said, nevertheless, they were not afraid to die.

Justice Lawrence praised counsel of both prosecution and defense for the way they performed their duties. He said some Germans had written German attorneys criticizing their conduct, but pledged that both the tribunal and the Allied Control Council would protect the attorneys.

Four of the 24 men originally indicted were not in the court. They were Martin Bormann, a Hitler aide several times reported dead, who was tried in absentia; Ernst Kaltenbrunner, secret police chief who suffered a cranial hemorrhage; Gustav von Bohlen und Halbach Krupp, ailing armament maker, and Labor Boss Robert Ley, who committed suicide.

While the 20 co-defendants sat in the prisoners’ box, Goering opened the string of last-minute speeches by shouting his innocence over and over again in an impassioned 10-minute plea.

Gaunt, white-faced Rudolf Hess followed Goering. Unleashing a storm of abuse, Hitler’s one-time deputy attacked the entire procedure.

“I predicted that witnesses would appear who under oath would make untrue statements and the court would receive affidavits of untrue statements: That the defendants would hear astonishing facts,” he shouted.

The old courtroom, remodeled for the trials which started November 20, 1945, was packed to the doors for the windup of the drawn-out case against the one-time Nazi leaders charged with high crimes against humanity.

The once arrogant Goering kept his sharp, peering eyes averted from the four-power Allied court as he read his last words of justification for his conduct.

In a high, strong voice the former Reichsmarshal made an appeal “for the German people” regardless of what fate lay in store for himself.

He sought to ameliorate any guilt for himself, however, by declaring that the prosecution had failed to show by documentary proof where and how he could have known everything that happened under Hitler, even though he admittedly was the No. 2 Nazi.

“I wish to state emphatically,” said Goering, “never did I decree a murder of a single individual.”

In a final outburst, Goering asserted he was nevertheless “standing back of everything I have done.”

“The only motive which guided me was my ardent love for my people. I call on the Almighty and the German people as my witness.”

Goering stood, during his plea, but Hess obtained permission to remain seated, pleading ill health.

Each defendant made his speech from his accustomed place in the dock, using a portable microphone.

Ribbentrop defends conduct

Joachim von Ribbentrop, who followed Hess, defended his conduct as foreign minister with the declaration that Germany sought much the same things as the United States, Britain and Russia – “the only difference is that they think in terms of continents, we in terms of corridors.

“In 1939, I met Stalin in Moscow and he didn’t seek a peaceful settlement,” he said. “The conduct of the man in 1939 was not considered a crime against peace.”

It took an entire hour to hear Goering, Hess and Von Ribbentrop.

Hess became so rambling during the latter part of his remarks that Justice Lawrence lost patience.

“I must remind the defendant Hess that he has talked for 20 minutes and he will be treated the same as the other defendants,” the court president declared, ignoring Hess’ objections.

The gist of the other defendants’ pleas:

  • Field Marshall Wilhelm Keitel: “It is not my intention to minimize that which took place.” He put the blame on Hitler as the real instigator of the orders. When an order was given by the Fuehrer, he said, “I acted according to my duty as I saw it.”

  • Ernst Kaltenbrunner: Claimed he learned of concentration camp crimes “only to the smallest extent.” He contended he was kept in the dark about the anti-Jewish program, but commented, “The anti-Semitism of Hitler as we know it was barbarism.”

  • Alfred Rosenberg: “Adolf Hitler drew more and more unto himself people who were not my comrades but my enemies. Ours was a struggle for a noble idea.”

  • Hans Frank: Bitterly accused Hitler as “the main defendant” and berated his cowardice for committing suicide “when his people needed him.” Declared that Germany lost the war “because God has spoken his judgment over Hitler.”

  • Julius Stretcher: Defended himself against the allegation he was the principal Jew-baiter of the Nazi regime and said the prosecution failed to prove his writings influenced Hitler’s extermination policy.

  • Walther Funk, head of the Reichsbank: Wept as he pleaded “I did not know of these crimes.” Pleaded stupidity and said he had been “too gullible.”

  • Hjalmar Schacht: Reiterated his break with Hitler and said his “feeling of justice was deeply wounded” now to be called a conspirator with the Fuehrer. “My political mistake was in not realizing the criminal intent of Hitler sooner,” he said.

  • Grand Adm. Karl Doenitz: Said German submarine warfare was conducted legally and “I would do it all over again.”

  • Grand Adm. Erich Raeder: “The Allied navies know they have not fought against a criminal. I have done my duty as a soldier. I am prepared to die at any moment.” As Raeder read from his prepared speech the tip of the paper shook and kept tapping the balding head of Hess. Hess looked around with a scowl.

  • Baldur von Schirach: Castigated Hitler, but pleaded for the Hitler youth organization which Von Schirach created. His plea wound up the morning session.

Appearances have changed

The once mighty German leaders, for all of whom the death penalty has been demanded by the prosecution, present a far different appearance than they did when they first took their seats in the dock on November 20, 1945.

Nine months of listening to the evidence of the crimes against humanity with which they are charged and to the efforts of their defense lawyers to offset their records, has changed them physically and mentally.

Goering is reported to have told a prison psychiatrist: “I know I am going to hang and so do you – let’s quit fooling ourselves.”