America at war! (1941–) – Part 4

Völkischer Beobachter (September 23, 1944)

Jeder Deutsche soll ausgeplündert werden –
Hull enthüllt brutale Raubpläne


Die Kämpfe in den Niederlanden

vb. Berlin, 22. September –
Die Panzer der britischen 2. Armee, die von der belgisch-niederländischen Grenze nach Norden vorgedrungen sind, haben sich zuerst bei Eindhoven und dann bei Nimwegen mit den beiden nordamerikanischen Divisionen vereinigt, die dort gelandet waren.

Sie sind über die Maas und über der Waal gekommen und versuchen gegenwärtig, noch weiter nach Norden vorzustoßen, um sich auch bei Arnheim mit der dritten aus der Luft gelandeten Division, diesmal einem britischen Verband, zu vereinigen. Aber während der Vormarsch in den ersten Tagen ziemlich schnell vor sich ging, ist seitdem eine gewisse Stockung eingetreten. Die Deutschen haben frische Kräfte herangeführt. Während ein Teil der Eingreifregimenter die nach Norden gezielte Spitze des Gegners aufhält, greifen andere die langen und empfindlichen Flanken des schmalen Keils an und bringen mehr als einmal Verwirrung in die Reihen des Gegners. Währenddessen gerät die britische Luftlandedivision bei Arnheim in zunehmende Bedrängnis. Von allen Seiten umstellt, ist sie in der Stadt selber auf Schmalen Raum beschränkt, zum Teil aufgespalten und hat schwere Verluste gehabt.

Inzwischen geht die Stoßrichtung des Generals Dempsey aber keineswegs nur nach Norden. Es ist deutlich, daß auch er die Lage des auf Arnheim vorspringenden Angriffskeils nicht auf die Dauer als befriedigend anerkennen kann. Dafür ist dieser Keil zu schmal. Mit seiner Breite von wenigen Kilometern ist er ständig Flankenangriffen ausgesetzt, und schon Einbrüche von geringer Tiefe müssen ihn in eine schwierige Lage bringen, da seine einzige Vormarsch- und Nachschubstraße von den beiden Rändern des Keils nicht sehr weit entfernt ist. Daher versucht Dempsey seit Montag, den Keil nicht nur voranzubringen, sondern auch zu verbreitern. Aber das ist ihm bisher nur an der Basis, und auch da nur unwesentlich, gelungen. Im Wesentlichen gleicht sein Frontvorsprung im Norden immer noch einem weit vorgestreckten, aber dünnen Arm. Diesen Arm gleichsam anschwellen zu lassen, ihn stärker und kräftiger zu machen— technisch ausgedrückt: noch ein oder zwei Zufahrtstraßen zu gewinnen – ist offenbar ein ebenso heftiges Bestreben des Generals Dempsey wie das Vordringen nach Norden.

Daß ihm dieses Bestreben der Verbreiterung des Keils bisher nur unzulänglich geglückt ist, hat seine guten Gründe. Seine Kräfte, vor allem die zur Verfügung stehenden Panzer, reichten gerade aus, den Vormarsch auf der einen nach Norden führenden Straße zu erzwingen. Für den Angriff auch noch an anderen Teilen der Front seiner Armee waren seine Kräfte bis zur Stunde nicht ausreichend genug. Damit fällt aber auch ein klärendes Licht auf die Darstellung, die stellenweise im Ausland über die Pläne des Generals Eisenhower verbreitet wird: daß nämlich dieses Unternehmen der kombinierten Erdoffensive und Luftlandeoperation bereits von Beginn an in den Absichten Eisenhowers gelegen habe und von ihm als ein entscheidendes Unternehmen seit Wochen geplant worden sei. Für ein Unternehmen, das man auf lange Sicht plant, macht ein General sich im Allgemeinen stärker schafft er Schwerpunkte. Das aber ist hier zweifellos nicht geschehen. Der General Eisenhower hat seine Kräfte ziemlich gleichmäßig über die ganze Westfront verteilt. Von dem alten militärischen Grundsatz, daß man an der Stelle der Entscheidung überhaupt nicht stark genug sein kann und daß man dafür eine gewisse Vernachlässigung auf anderen Kampfschauplätzen in Kauf nehmen darf, ist hier nichts zu merken. An der belgisch-niederländischen Grenze waren am Sonntag die Kräfte des Gegners nicht stärker massiert als vor Aachen oder in Lothringen. Wir wollen damit nicht behaupten, daß es Dempseys Divisionen an Zahl der Streiter oder der Panzer fehlte. Im Gegenteil, die Stärke seiner Verbände geht genugsam aus der Härte der Kämpfe in den Südniederlanden hervor. Aber stark sind alle sechs Armeen des Gegners, und die Kräftegruppe, die zum Einfall in den Niederlanden bereitstand, war nicht stärker als die anderen, die bei Aachen oder an der Mosel kämpfen.

Der Grund für die Verbindung von Luftlandungen und Vorstößen auf der Erde in den Niederlanden lag, das zeigen die Ereignisse der letzten Wochen ganz deutlich, in dieser einfachen Tatsache: Dempsey kam ebenso wenig weiter wie sein linker Nachbar, der kanadische General Crerar. Alle seine Versuche, nach Norden durchzubrechen, scheiterten an der deutschen Abwehr im belgischen Kanalsystem. Erst als der General Eisenhower sich davon überzeugen mußte, daß Dempsey aus eigener Kraft das Hindernis der deutschen Abwehr nicht überwinden werde, hat er ihm eine Unterstützung aus der Luft gegeben. Diese Unterstützung hat in der Tat genügt, an der einen Stelle von Dempseys Front, die den Luftlandeorten am nächsten lag, seine Divisionen nach Norden zu reißen. Dort aber, wo hinter der deutschen Front solche Luftlandungen nicht gewesen waren, konnte auch Dempseys neuer Angriff keinen oder nur unwesentlichen Boden gewinnen. So ist es zu dem schmalen Keil gekommen, der sich von Neerpelt über Nimwegen hinaus in der Richtung auf Arnheim erstreckt.

Die Vorgänge gerade der letzten Tage beweisen, daß dem General Dempsey und seinen beiden Vorgesetzten das Unbefriedigende durchaus zum Bewusstsein gekommen ist, das trotz der Erfolge der ersten Tage in der geringen Breitenausdehnung des vorgetriebenen Schlauches liegt. Da Dempseys Armee aus eigener Kraft nicht vermochte, diesen Keil zu erweitern, wird er vermutlich Verstärkungen bekommen. Es stehen also, mit oder ohne Pause, neue Kämpfe in den Südniederlanden bevor. In sie geht der deutsche Soldat mit dem Bewusstsein der soldatischen Überlegenheit, dass gerade durch die Ereignisse der letzten Wochen neu gestärkt ist.