Operation OVERLORD (1944)

Eisenhower tritt kurz –
‚Lange Kämpfe – große Verluste‘

Von unserer Stockholmer Schriftleitung

dr. th. b. Stockholm, 11. Juli –
„Wir müssen darauf vorbereitet sein, bei allen Operationen auf den europäischen Kriegsschauplätzen lang und hartnäckig kämpfen zu müssen und große Verluste zu erleiden. Leute in verantwortlicher Stellung müssen jetzt die Öffentlichkeit mahnen, nicht allzu optimistisch zu sein.“ Mit diesen Worten wandte sich Eisenhower gegen die Stimmungsmache die in England betrieben wird, um die Bevölkerung über die schweren Verluste und Schäden durch „V1“ hinwegzutrösten.

Die englische Presse tut alles, um die Stimmungsmache auf Touren zu halten, örtliche Teilerfolge in der Normandie wurden von ihr zu kriegsentscheidenden Schlachten umgefälscht, so daß die Leser, die die Nacht über wieder missmutig in den Luftschutzräumen saßen, mit der typischen Kritiklosigkeit des Briten die Panzer Montgomerys bereits vor Paris stehen sahen.

Natürlich handelt die britische Propaganda aus einem psychologischen Zwang heraus. Sie hatte vor der Invasion allzu große Hoffnungen erweckt und sie muß nun diese Hoffnungen mit allen Mitteln neu beleben, wenn nicht zu dem Fatalismus, den ausländische Beobachter in London feststellen, auch noch müde Gleichgültigkeit treten soll.

Der künstlich aufgepeitschte Optimismus ist aber für die feindliche Kriegführung vor allem für die Moral der britischen und amerikanischen Truppen eine Gefahr, und deshalb wohl glaubte Eisenhower ihm einen Dämpfer aufsetzen zu müssen, zumal er selbst am besten weiß, welche militärische Bedeutung dem bisherigen Kampfverlauf in der Normandie in Wirklichkeit zukommt.

Zu der vorsichtigen Beurteilung der Lage durch Eisenhower dürfte auch beigetragen haben, daß es noch lange Zeit dauern wird, bis sich der Hafen von Cherbourg in einem einigermaßen brauchbaren Zustand befindet. Der Leiter der Instandsetzungsarbeiten, William A. Sullivan, erklärte dieser Tage, daß er in Cherbourg vor der schwersten Aufgabe seines Lebens stehe. Dabei hat der Mann einige Erfahrungen, da er die Hafenanlagen von Bizerta, Palermo und Neapel wieder brauchbar machte.

Die Arbeiten werden dadurch erschwert, daß sich die Amerikaner mit der feindselig gesinnten Bevölkerung auseinandersetzen müssen. So heißt es in einer Reuters-Meldung:

Obwohl die amerikanischen Truppen die Stadt schon vierzehn Tage besetzt halten, sind überall noch Heckenschützen am Werk. Ein amerikanischer Militärpolizist wurde am Sonnabend aus einem Hause beschossen. Der Schuss ging fehl. Das Haus wurde untersucht und eine Frau festgenommen.

Die Befreier machen also in Cherbourg die gleiche Erfahrung wie beim Beginn der Invasion in Bayeux, wo erbitterte und verzweifelte Frauen gleichfalls auf sie schossen.