Hube – der einarmige Panzergeneral –
Die Seele des sizilianischen Widerstandes
Von Kriegsberichter Lutz Koch
dnb. …, 18. August, pk. –
Wenn heute die tapferen deutschen Divisionen, die mehr als fünf Wochen auf Sizilien der vielfachen Überzahl an Soldaten, Waffen und Material der 8. englischen und 7. amerikanischen Armee mit einem beispiellosen Heldentum standgehalten haben, sich auf europäischem Festland befinden, um mit den dort schon stehenden anderen deutschen Divisionen den Kontinent selbst gegen anglo-amerikanische Landungsabsichten verteidigen zu können, so ist das nicht zuletzt das große Verdienst des Kommandierenden Generals der deutschen Truppen auf Sizilien, General der Panzertruppe Hans Hube. Schon in dem Augenblick, als ihm die oberste militärische Führung zur Verteidigung Siziliens nach dem Süden berief, war es neben der Organisierung des beispielhaften Widerstands an allen sizilianischen Fronten, der Tag für Tag schwerere Lücken in die englisch-nordamerikanische Angriffsfront riß und zu einem waren Aderlaß der von den Achsenmächten schon auf tunesischem Boden erprobten Feindarmeen wurde, damals schon seine Aufgabe, eine mögliche Aufgabe des Inselraums zu planen und ihr eine Durchführung zu geben, die ordnungsgemäße Rückführung der Einheiten, vor allem auch der wertvollen schweren Waffen und der Fahrzeuge, so sicherzustellen, daß auf dem Festland sofort wieder schlagartig einsatzbereite. Verbände vorhanden waren.
Wenn man weiß, wie das Angreifen, das Durchboxen um jeden Preis zu der besonderen Charakteristik dieses Panzergenerals gehört, der trotz eines schon im Weltkrieg verlorenen Armes der soldatischen Berufung seiner Familie treu blieb und im Ablauf von 17 Monaten das Ritterkreuz, das Eichenlaub und zuletzt am 21. Dezember 1942 das Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes für außerordentliche Führungs- und Tapferkeitstaten vom Führer verliehen bekam, kann man sich auch vorstellen, wie stark gerade diesen sich immer im Angriff verzehrenden General diese besondere Aufgabe zunächst seelisch belastet haben mag.
Zwei Ziele mußten erfüllt werden: Zerschlagung der gegnerischen Angriffe unter Einsatz aller Machtmittel und damit Gewinnung von Zeit, um das zweite, die planvolle Rückverlegung der Fronten, das langsame Heranschieben der Einheiten an die Straße von Messina und schließlich die allmähliche Rückführung von Menschen und Material bewerkstelligen zu können. Nichts ist dem mutig Kämpfenden verhaßter als das ständige Schielen nach einer Rückendeckung oder das Bewußtsein, daß die im Augenblick behauptete Stellung schon in Tagen oder Stunden aufgegeben wird.
Allzu leicht – wie oft haben wir das bei unseren Feinden erlebt – wird eine solche theoretische Planung zu einer hemmungslosen Flucht. Nur einer Truppe wie den deutschen Sizilien-Divisionen konnte die höhere Führung in vollem Vertrauen den Befehl geben, zu kämpfen und dennoch in einem bestimmten Zeitpunkt das Feld zu räumen, weil ein höherer Zweck das Zurückgehen notwendig machte.
Die kämpferischen Qualitäten des Panzergenerals Hube, der einst im August 1941 das Ritterkreuz erhielt, weil der damalige Generalmajor an der Spitze seiner Panzerdivision in kühner, unaufhaltsamer Verfolgung des sowjetischen Gegners im südlichen Abschnitt der Ostfront maßgeblich zu den entscheidenden Erfolgen einer deutschen Armee beigetragen ha mußten sich nun in dieser Organisierung des ständigen harten Zupackens nach vorne und des allmählichen Herauslösens entbehrlicher Teile in doppeltem Sinne bewähren.
General Hube zwang in den letzten Wochen des Sizilien-Feldzuges, als sich für alle schon das Zurückgehen klar abzeichnete, seinen sich heldenmütig kämpfenden Einheiten ebenso seinen Willen zum Durchhalten und allzeit zu jedem Gegenschlag bereiten Zurückgehen auf die immer sich verengende Dreieckstellung mit der Spitze Messina auf, wie er es einst bei der großen Kesselschlacht von Kiew getan hatte, wo er, meist bei den vordersten Angriffstruppen führend, den ungestümen Drang nach vorwärts auf den letzten Soldaten seiner Division übertrug, so entscheidende Erfolge durch seine persönliche Tapferkeit miterringen half und dafür schon im Jänner 1942 das Eichenlaub zum Ritterkreuz erhielt.
Als 62. Soldat der deutschen Wehrmacht hat er diese hohe Auszeichnung aus der Hand des Führers empfangen, und, noch nicht ein Jahr später, wird ihm als 22. Offizier der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub mit Schwertern als „einem in zahlreichen Kämpfen zweier Kriege und jetzt in verantwortungsvoller Stellung auf das höchste bewährten Offizier“ verliehen.
Der Kommandeur auf der letzten Fähre
Noch als von den Divisionen nur noch Bataillone und schließlich nur noch Kompanien auf der Insel waren, fand die kämpfende Front ihren „Kommandierenden“ mitten unter sich, genau so wie die anderen deutschen Generale mit den letzten Teilen ihrer Divisionen sich übersetzen ließen.
Der aufrecht auf der letzten Fähre die Insel bei Messina, das in Rauch und Flammen untergeht, verlassende General Hube, der kämpfende Soldat unter seinen Männern, die sich fünf Wochen wie die Löwen geschlagen haben, wird in der letzten Stunde des Sizilien-Kampfes noch einmal zum Symbol des Widerstandes. Er hat seine Divisionen zu manchem Abwehrsieg auf der Insel geführt, und – das ist sein einmaliges und großes Verdienst – er hat sie mit ihren Waffen zurückgebracht, um sie in die europäische Abwehrfront dort einbauen zu können, wo er angesichts der Straße von Messina und der nahen sizilianischen Insel in jeder Minute die blutvolle Erinnerung des sizilianischen Heldenkampfes unserer Soldaten und schwerster, vernichtender Verluste des Gegners vor Augen hat.
Sizilien und Messina wurden zu keinem deutschen Dünkirchen, und General Hube ist es, der von der aufgegebenen Insel das wehende Banner des Widerstandes über die Straße von Messina, die nach dem Willen des Gegners unser Grab hätte sein sollen, nach der Festung Europa herüberbrachte.