Cairo Conferences (SEXTANT)

Völkischer Beobachter (December 5, 1943)

Von Kairo bis Teheran –
Das anglo-amerikanische Verräterspiel

b—r. Bern, 4. Dezember –
Durch eine Samstag vormittag in Moskau ausgegebene Mitteilung wurde nun offiziell bestätigt, daß in Teheran, der Hauptstadt Irans, eine Zusammenkunft zwischen Stalin, Roosevelt und Churchill stattgefunden habe. Diplomatische und militärische Vertreter der drei beteiligten Mächte hätten an der Konferenz teilgenommen. Fragen der Kriegführung gegen Deutschland und auch eine Reihe politischer Fragen seien besprochen worden. Die Entscheidungen würden später veröffentlicht werden.

Man ist also mit den abschließenden Formulierungen, die man sicherlich als Wochenendsensation herausgeben wollte, nicht rechtzeitig fertig geworden. Bei aller Gemeinsamkeit des Vernichtungswillens gegen Deutschland haben sich die realen Interessengegensätze wohl kaum als gering erwiesen. So hat man sich zunächst mit einem nichtssagenden Vorbericht begnügt, der der anglo-amerikanischen Presse noch keine festen Grundlagen für ihre politischen Spekulationen gibt. Sie muß sich begnügen, darauf hinzuweisen, daß Stalin anläßlich dieser Konferenz zum erstenmal seit der russischen Revolution den Boden der Sowjetunion verlassen hat. Freilich hat er, wie hinzuzufügen ist, sich nur eine beschiedene Strecke weit außer Landes begeben und die beiden Anglo-Amerikaner haben ihn den weitaus größten Teil des Weges entgegenkommen müssen. Die Wahl des von den Sowjets besetzten Teiles von Iran für die Konferenz ist selbstverständlich auf das Sicherheitsbedürfnis Stalins zurückzuführen. Dieser hätte sich nie darauf eingelassen, sich an einen Ort zu begeben, wo er sich nicht durch seine eigene GPU.-Leibwache schützen lassen könnte.

Enttäuschung in London

tc. Stockholm, 4. Dezember –
Die Unzufriedenheit der englischen Öffentlichkeit mit den Beschlüssen der Kairokonferenz ist im Zunehmen begriffen. Sofern über die Konferenz in Teheran kein Ergebnis bekannt wird, das die Erwartungen der Öffentlichkeit in England mehr befriedigt, dürfte Churchill nach seiner Rückkehr keineswegs mit der Begeisterung empfangen werden, die sich viele als Ergebnis des Dreimächtetreffens versprochen hatten.

Wie Aftonbladet aus London berichtet, mehren sich die Stimmen, die in der Bekanntgabe der Kairoer Beschlüsse, wenn nicht schon in diesen selbst, einen schweren taktischen Fehler erblicken. Nicht nur der Umstand, daß die Absicht der vollständigen Zerschlagung des japanischen Reiches den Widerstand der Japaner ebenso wie der Deutschen aufs äußerste verstärken muß, gibt zur Mißstimmung Anlaß. Nicht weniger schärf wird das Fehlen jeglicher positiven Pläne gerügt. Nachdrücklich kommt die Kritik in einem Aufsatz der konservativen Wochenschrift Spectator zum Ausdruck, wo im Hinblick auf Europa die Politik der „Alliierten“ kritisiert wird, weil sie nur die deutsche These, daß die Vernichtung Deutschlands das Kriegsziel der „Alliierten“ sei, bestätige.