America at war! (1941–) – Part 3

Um Negerstimmen und Judengeld –
Wahlparolen-Allerlei in den USA

Von unserer Stockholmer Schriftleitung

Stockholm, 29. Juni –
Der Gouverneur von Neuyork, Thomas Dewey, wurde am Mittwoch auf dem republikanischen Parteikonvent in Chikago zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten ernannt nachdem der Gouverneur von Ohio, John W. Bricker, seinen Verzicht erklärt hatte. Dewey vereinte alle Stimmen auf sich bis auf eine, die General MacArthur zufiel. Das Abstimmungsergebnis lautete 1056: 1. Dewey erklärte vor dem Parteikonvent, ein Wechsel in der Präsidentschaft im Jänner nächsten Jahres würde keinen Wechsel in der Kriegspolitik der USA mit sich bringen.

Die Aufstellung des demokratischen Präsidentschaftskandidaten steht noch aus.

Der Gouverneur des Staates Neuyork, Thomas Dewey, hat seiner Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten zugestimmt, nachdem feststand, daß er die meisten republikanischen Stimmen auf sich vereinigen wird. Am Mittwoch begab er sich im Flugzeug nach Chikago, um vor dem großen Parteikongress zu sprechen.

Der Kongress selbst wurde im Stadion in Anwesenheit von 15.000 Personen mit dem in den USA üblichen Rummel – Feuerwerk, allgemeines Singen, Girlparaden usw. – eröffnet. 1.057 Abgeordnete aus den einzelnen Bundesstaaten haben sich versammelt, darunter auch ein waschechter Indianer aus Norddakota im vollen Schmuck seiner Federkrone. Die meisten Abgeordneten tragen eine Plakette am Rockaufschlag, T. W., die sie als Anhänger Dewey erkennen lassen.

Der Veröffentlichung des Wahlprogramms hatte man mit großer Spannung entgegengesehen, vor allem seine außenpolitische Formulierung bereite den Führern der Republikanischen Partei erhebliche Kopfschmerzen. Wenn auch der Isolationismus alten Stils nur noch über wenige Anhänger verfügt, so ist doch auch die Zahl der republikanischen, aber auch demokratischen Politiker gering, die Roosevelt auf seinem Wege zu einem verschwommenen Weltimperialismus folgen wollen. Man spürt instinktiv, daß dieser Weg mit einem dritten Weltkrieg enden muß. Und wiederum war es Wendell Willkie, der Roosevelt die Steigbügel hielt. Nach Einsicht in den Entwurf des Wahlprogramms trommelte er die Pressevertreter zusammen und erklärte, daß dieses „keine wirksame internationale Macht für die Unterdrückung eines Angriffes“ vorsehe. Dieser Angriff Willkies war für die republikanische Parteiführung insofern unbehaglich, als Willkie noch immer eine Figur ist, mit der man rechnen muß. Seiner Erklärung, daß er nur denjenigen Kandidaten unterstützen werde, der seine außenpolitische Auffassung teile, mußten die Republikaner, ob sie wollten oder nicht, entsprechen.

Ein weiters Dilemma, mit dem sich die Republikaner, allerdings auch die Demokraten herumschlagen mußten, war die Negerfrage. Bereits in der vergangenen Woche war ein Negerabgeordneter an den Vorsitzenden des republikanischen Wahlprogrammausschusses, Senator Taft, mit der Forderung herangetreten, daß sich die Republikanische Partei für das volle Wahlrecht der Neger, das vor allem in den Südstaaten nicht bestehe, einsetzen solle. In diesem Falle, so wurde Taft zu verstehen gegeben, würden die Neger republikanisch stimmen. Aber vor allem auf einen Einbruch in die traditionellen demokratischen Südstaaten hatte man im republikanischen Lager spekuliert. Unter den Demokraten war seit langem eine „Revolte“ im Gange, die sich gegen die Entscheidung des obersten Richters, des Juden Frankfurter, richtet, wonach es ungesetzlich sei, bei den Vorwahlen zur Präsidentschaft nur die Stimmen der Weißen zu zählen. Setzen sich aber die Republikaner für das volle Wahlrecht der Neger ein, so laufen sie Gefahr, in den Südstaaten die erhofften Stimmen nicht zu gewinnen.

Das am Mittwoch von Senator Taft schließlich vorgelegte und einstimmig angenommene Wahlprogramm umgeht daher auch peinlich die beiden strittigen Probleme. Die Negerfrage findet überhaupt keine Erwähnung, während das außenpolitische Thema nur sehr sanft angeschlagen wird. Das Ziel der Partei, so heißt es in dem Programm, sei „eine schnelle Erweiterung des Beistandes und der Hilfe für die befreiten Länder.“ Die jetzige Regierung wird beschuldigt, diese Hilfe durch Bürokratisierung verschleppt zu haben. Die Republikaner als Partei von „big business“ treten dafür ein, daß den „befreiten Ländern direkte Kredite eingeräumt werden, damit sie die notwendigen Waren in den USA kaufen können.“ Wenn auch in der Entschließung jede Festlegung in der Nachkriegspolitik vermieden wird, so kann man einer Äußerung Tafts doch entnehmen, daß die Republikaner den Plan einer internationalen Polizeitruppe ablehnen und überhaupt für eine große Distanzierung von „internationaler Seite“ eintreten.

Da sich die Republikaner in der Negerfrage nicht festlegen wollten noch konnten, haben sie stattdessen bei den Juden Unterstützung gesucht. Ihr Wahlprogramm tritt ausdrücklich für die uneingeschränkte Einwanderung der Juden nach Palästina ein und fordert die restlose Erfüllung der Balfour-Erklärung von 1917 – Zwischen Demokraten und Republikanern dürfte diesmal ein wenig edler Wettstreit um die Stimmen, vor allem aber um das Geld der Juden einsetzen.