Innsbrucker Nachrichten (June 27, 1944)
Beispielhafte Tapferkeit der Verteidiger von Cherbourg
Heftiger Abwehrkampf unserer Truppen gegen massierte Sowjetkräfte – 54 Feindflugzeuge beim Terrorangriff auf Wien abgeschossen
dnb. Aus dem Führerhauptquartier, 27. Juni –
Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
In Cherbourg wurde den ganzen Tag über in einzelnen Stützpunkten mit größter Erbitterung gekämpft. Erst gegen Abend gelang es dem Gegner, der in den blutigen Straßenkämpfen schwere Verluste erlitt, sich in den Besitz eines großen Teiles der Stadt zu setzen. Einige unserer Widerstandsnester kämpfen dort immer noch mit beispielhafter Tapferkeit. Im Arsenal und in einer Anzahl von Marine- und Luftwaffenstützpunkten halten die tapferen Besatzungen allen feindlichen Sturmangriffen stand. Auch hier hatte der Gegner schwere Verluste. Land- und Küstenbatterien der auf der Halbinsel nordwestlich Cherbourg befindlichen eigenen Kampfgruppe unterstützen die Verteidiger der Stadt mit gutliegendem Artilleriefeuer.
Marinetruppen der Küstenbatterien, der Nachrichten- und Landdienststellen sowie an Land eingesetzte Schiffsbesatzungen haben sich bei den Kämpfen um Cherbourg unter dem Oberbefehl des Seekommandanten der Normandie, Konteradmiral Hennecke und unter Führung des Hafenkommandanten von Cherbourg, Fregattenkapitän Witt, besonders ausgezeichnet.
Die Marineküstenbatterie „Yorck“ versenkte vor Cherbourg einen leichten Kreuzer.
Im Raum von Tilly dehnte der Feind seine Angriffe auf weitere Abschnitte aus. Den ganzen Tag über hielten schwerste Infanterie- und Panzerkämpfe an. Der Feind, der durch Gegenangriffe zum Stehen gebracht wurde, konnte nur wenig Boden gewinnen.
Vor der Ornemündung zwangen unsere Küstenbatterien mehrere Transporter zum Abdrehen. In der letzten Zeit wurden zahlreiche mit Fallschirm abgesetzte feindliche Sabotagetrupps im französischen Raum im Kampf niedergemacht.
Schweres „V. 1“-Störungsfeuer lag weiterhin auf dem Stadtgebiet von London.
In Italien setzte der Gegner seine starken Durchbruchsangriffe fort. Trotz starker Artillerie- und Panzerunterstützung konnte er nur an einigen Stellen am äußersten Westflügel wenige Kilometer nach Norden Vordringen. An der gesamten übrigen Front bis zum Trasimenischen See erzielten unsere Truppen bei tropischer Hitze einen vollen Abwehrerfolg.
Bei den Kämpfen nördlich Grosseto hat sich eine Kampfgruppe unter Oberstleutnant Ziegler besonders bewährt. Der tapfere Kommandeur fand hierbei den Heldentod.
Im Mittelabschnitt der Ostfront stehen unsere tapferen Divisionen in den Abschnitten Bobruisk, Mogilew und Orscha in heftigem Abwehrkampf gegen die mit massierten Kräften angreifenden Sowjets. Westlich und südwestlich Witebsk kämpfen sie sich auf neue Stellungen zurück, östlich Polozk brachen zahlreiche von Panzern unterstützte Angriffe der Bolschewisten zusammen. Südöstlich Pleskau beseitigten unsere Grenadiere einen Einbruch vom Vortag und wiesen wiederholte Gegenangriffe der Bolschewisten ab.
An der finnischen Front vernichteten deutsche Schlachtflugzeuge 23 feindliche Panzer.
Schwere deutsche Kampfflugzeuge führten in der vergangenen Nacht zusammengefasste Angriffe gegen die Bahnhöfe Brjansk und Klinzy, die ausgedehnte Brände und Explosionen verursachten.
Ein nordamerikanischer Bomberverband griff in den gestrigen Vormittagsstunden Außenbezirke der Stadt Wien an. Es entstanden Gebäudeschäden und Verluste unter der Bevölkerung. Deutsche und ungarische Luftverteidigungskräfte vernichteten 54 feindliche Flugzeuge, darunter 46 viermotorige Bomber.
In der vergangenen Nacht warfen einzelne britische Flugzeuge Bomben auf Landgemeinden im Raum von Göttingen.