America at war! (1941--) -- Part 2

Sizilien im Lichte der Feindpresse –
Es war eine harte Lehre

Von unserer Stockholmer Schriftleitung

Stockholm, 18. August –
Aus allen Berichten der englischen und amerikanischen Kriegsberichterstatter geht die Enttäuschung darüber hervor, daß die englisch-amerikanischen Streitkräfte eine verlustlose Evakuierung Siziliens nicht verhindern konnten. Und peinlich überrascht muß man nun im Hauptquartier Eisenhowers feststellen, daß es leider nicht geglückt sei, „den Deutschen ein Dünkirchen zu bereiten.“

Es in dem enttäuschten Bericht eines amerikanischen Kriegskorrespondenten heißt:

Den Deutschen scheint es gelungen zu sein, einen ganzen Teil ihrer Truppen zu evakuieren.

Der Daily Express schreibt in einem ersten Kommentar zu der neu entstandenen Lage:

Alle Hoffnungen sind nicht erfüllt worden. Es wird sich wahrscheinlich zeigen, daß die deutschen Hauptstreitkräfte entkommen sind. RAF-Piloten haben es erzählt, daß der Flakschirm, den die Deutschen über die Straße von Messina spannen konnten, das erstaunlichste war, was sie in ihrer gesamten Praxis erlebt hatten.

Der Daily Express schreibt weiter:

Es seien ‚geradezu Feuertunnels‘ von den deutschen Geschützen gebildet worden und die englisch-amerikanischen Flugzeugführer hätten ihnen voller Respekt den Namen „Flakalleen“ gegeben. Aus diesem Grunde unterscheide sich die deutsche Evakuierung auf Sizilien bedeutend von dem „eigenen ethischen Rückzug der Engländer aus Dünkirchen.

‚Hoch härterer Stahl‘

Auch der Star bedauert lebhaft, daß die Operationen auf Sizilien nicht mit einem Dünkirchen endeten:

Es war kein Spaziergang für die Engländer und die Amerikaner, sondern es forderte viel Material und große Anstrengungen – daran muß man bei den Spekulationen über kommende alliierte Großunternehmungen denken.

Evening News warnt gleichfalls davor, die künftigen Kämpfe zu leicht zu nehmen. „Ein Angriff gegen die Festung Hitlers wird auf noch härteren Stahl stoßen,“ stellt das Londoner Blatt fest.

Widerwillige Eingeständnisse dieser Art finden sich in der gesamten englischen Presse. Obwohl es den Engländern nur schlecht in den Kram paßt, müssen sie sich wohl oder übel zu einem Lob über die Tüchtigkeit der deutschen Soldaten bereit finden und sie verbinden es mit dem von oben her gewünschten „Feldzug gegen den Überoptimismus,“ der das englische Volk aus seinen verfrühten Siegesträumereien herausreißen soll.

Daß es mit einer überwältigenden Luftüberlegenheit allein nicht getan ist, haben die Kämpfe auf Sizilien gleichfalls erwiesen. Der Londoner Vertreter von Svenska Dagbladet spricht von „einer Überraschung negativer Art“ für die Engländer und schreibt, daß die Hoffnungen vieler Sachverständiger enttäuscht wurden:

In London hat man sich an vielen Stellen vorgestellt, daß die alliierte Luftüberlegenheit Sizilien zu einer Kapitulation im Stil Pantellerias zwingen würde. Obwohl diese Überlegenheit in runden Ziffern 10:1 war, konnte diese Art der Entscheidung nicht erreicht werden.

Man habe darum in London eingesehen, daß eine moderne Landungsoperation dieses Umfanges ein schwere Opfer forderndes Unternehmen werde, wenn „die Verteidiger Beweise der gleichen Zähigkeit geben, wie die Deutschen es getan haben.“ Die alliierte Kriegführung müsse darum bereit sein, für alle neuen und wichtigeren Operationen einen noch weitaus höheren Preis zu bezahlen.

Angst um die zweite Front

Der von Moskau mit viel Nachdruck gestartete „Zweite-Front-Feldzug“ ist jetzt von der englischen Presse aufgegriffen worden, nicht so sehr aus der bekannten Servilität allen bolschewistischen Wünschen gegenüber, sondern aus der unverhüllt gezeigten Furcht, daß die Sowjetunion vielleicht eines Tages zur Defensive übergehen könnte. Abgesehen von der kommunistischen Zeitung Daily Worker, deren „Pflicht“ es ja ist, sich für die baldige Errichtung einer zweiten Front einzusetzen, haben sich darum gleich zwei einflußreiche Zeitungen auf einmal, der Daily Express und das News Chronicle, für den neuen Feldzug zur Verfügung gestellt.

News Chronicle zeichnet sich dabei durch eine besonders scharfe Tonart aus. Das liberale Blatt unterstreicht die militärische Notwendigkeit für England und die USA., so schnell wie möglich eine zweite Front zu eröffnen und sagt, „falls sie diese Gelegenheit verpassen,“ die düstersten Folgen voraus.

Ist es nicht denkbar, daß die Sowjets nach zwei Jahren kolossaler Verluste beschließen könnten, ihre Armee künftig eine defensive Rolle spielen zu lassen, während sie die restlichen offensiven Kämpfe und Verluste den Engländern und Amerikanern überlassen würden?

Ein derartiger sowjetrussischer Beschluß würde eine große Anzahl deutscher Divisionen und Luftgeschwader für den Westen frei machen. Der Krieg würde dadurch um viele Monate oder um Jahre verlängert werden und es sei darum notwendig, in den Sowjets den offensiven Geist zu erhalten, das aber gehe allein durch die Schaffung einer zweiten Front.

Morrison ist ungemütlich

Innenminister Herbert Morrison sprach zum zweiten Jahrestag der Gründung des nationalen Feuerwehrdienstes und gab einen Tagesbefehl an alle Mitglieder des Feuerwehrdienstes in England und Wales heraus. Morrison warnte darin vor einem Nachlassen der Anstrengungen, der Feind könne wilde Schläge austeilen. Trotz allem, was getan worden sei, bestehe noch immer die Notwendigkeit, sich weiter auszubilden. Man dürfe nicht selbstzufrieden werden. Es sei notwendig, daß der Feuerwehrdienst immer bereit sei.