The new situation in Italy: Necessity of the war in the foreground (7-28-43)

Völkischer Beobachter (July 28, 1943)

Die neue Lage in Italien –
Notwendigkeit des Krieges im Vordergrund

vb. Wien, 27. Juli –
Daß durch den Rücktritt Mussolinis Italien in eine neue Phase seiner Entwicklung eingetreten ist, darüber ist sich die Welt einig, so verschieden auch diese Entwicklung heute gedeutet werden mag. So wenig die deutsche Presse Prognosen irgend welcher Art über kommende militärische Ereignisse zu geben pflegt, so wenig ist es bei uns üblich, politischen Ereignissen vorzugreifen und die Früchte neuer Entwicklungen vorwegzunehmen.

Wir sind in diesem Krieg harte Realisten geworden und halten uns daher nüchtern an die vorliegenden Tatsachen. In dem Aufruf des Königs von Italien sowohl wie in der Proklamation des neuen Regierungschefs Badoglio heißt es, daß der Krieg fortgesetzt werde, daß Italien zu seinem gegebenen Wort stehe und ihm die Treue halte. Die römische Zeitung Tribuna erklärt deshalb auch:

Während italienische Provinzen vom Feinde besetzt sind und die italienischen Städte unter dem Bombenhagel des Feindes liegen, kann der Wille der Nation nur der sein, entschlossen zu kämpfen und sich der ruhmreichen Vergangenheit würdig zu erweisen.

Damit ist der deutschen Öffentlichkeit ein Anhaltspunkt für die neue Entwicklung gegeben, den wir zur Kenntnis nehmen, über weitere Folgen aus dem Regierungswechsel in diesem Augenblick Voraussagen machen zu wollen, dazu liegt keine Veranlassung vor.

Die Tatsachen allein geben die Grundlage für die Beurteilung dessen, was kommen wird. Es verdienen die gegnerischen Stimmen zum Regierungswechsel in Italien, insbesondere die vom amerikanischen Staatssekretär nachdrücklich wiederholte Forderung bedingungsloser Kapitulation, einige Beachtung, vor allem deshalb, weil dadurch auch für die neue italienische Regierung die harte Notwendigkeit des Krieges in den Vordergrund gerückt und der Erklärung „Der Krieg geht weiter“ die eindeutige Begründung gegeben wird.

Dabei besteht kein Zweifel darüber, daß sich das deutsche Volk heute seiner Kraft so sicher bewußt ist wie nur je in diesem Krieg. Auch die Engländer und Amerikaner täuschen sich darüber nicht, daß die Entscheidung bestimmt wird von Kräften, die sie in ihrer vollen Auswirkung noch nicht kennengelernt haben. Diese Erkenntnis ergibt sich für die Times gerade in diesem Augenblick aus dem Kampf um Orel, in dem es auch nach der Meinung des britischen offiziösen Blattes der deutschen Führung gelungen ist, alle Berechnungen der Gegner über den Haufen zu werfen. Dabei dürfe man, so betont das Blatt, nicht übersehen, daß die Menschen- und Materialverluste der Sowjets „geradezu grausam hoch“ seien und die Sowjets viel fruchtbaren, zur Ernährung notwendigen Boden verloren hätten.

Wenn man weiß, welche weitgesteckten Ziele mit der bolschewistischen Offensive verfolgt und welche verwegenen Hoffnungen daran geknüpft wurden, so bekommt man einen Begriff vom Abstand der feindlichen Wünsche und den von uns geschaffenen Tatsachen. Diesen Abstand werden die Gegner nie überwinden können, am allerwenigsten durch ihren Nervenkrieg. Auf dem Schlachtfeld fällt die Entscheidung, und sonst nirgends. Im Bewußtsein seiner militärischen Stärke und seiner inneren Kraft wird das deutsche Volk den Kampf fortsetzen bis zum siegreichen Ende.

Anordnungen Badoglios

dnb. Rom, 27. Juli –
Marschall Badoglio hat eine Reihe von Anordnungen erlassen, um die Ruhe und Ordnung in Italien sicherzustellen.

In diesen Anordnungen wird unter anderem bestimmt, daß Kundgebungen, die die öffentliche Ruhe stören, nicht geduldet werden. Alle bewaffneten Streitkräfte des Staates und die Polizeitruppen in den Provinzen, die verschiedenen Milizen, die bewaffneten Zivilkorps und die Wachtrappen werden dem Befehl des Marschalls Badoglio unterstellt. Von der Abend- bis zur Morgendämmerung wird ein Ausgehverbot eingeführt. Kein Zivilist darf während dieser Zeit außerhalb seiner Wohnung sein.

Öffentliche Ämter aller Art, Varietes, Theater, Kinos und Sporthallen müssen während der Stunden des Ausgehverbots geschlossen bleiben. Unter allen Umständen ist es dauernd verboten, daß mehr als drei Personen sich in der Öffentlichkeit oder in geschlossenen Räumen versammeln oder miteinander reden. Das Anschlägen von gedruckten Zetteln, Manuskripten oder Propagandamaterial jeder Art auf öffentlichen Plätzen ist verboten.

Das Tragen von Waffen wird der Bevölkerung untersagt. Alle Italiener, die ihre Wohnung verlassen, müssen Ausweispapiere mit einem Lichtbild bei sich tragen. Auf Ersuchen der Angehörigen der Militär- und Amtsbehörden müssen sie ihre Kennkarten vorweisen.

Die Anordnungen des Marschalls Badoglio schließen mit der Feststellung, daß die Durchführung der öffentlichen Ordnung und der von den Militärbehörden verfügten Maßnahmen gegebenenfalls mit Waffengewalt durchgesetzt wird.

Die neue Regierung

dnb. Rom, 27. Juli –
Die Agentur Stefani meldet:

Seine Majestät der König und Kaiser hat auf Vorschlag des Regierungschefs und Ministerpräsidenten folgende Minister ernannt:

AUSSENMINISTER: Botschafter Raffaele Guariglia;
INNENMINISTER: Präfekt Runo Fornaciari;
MINISTER FÜR ITALIENISCH-AFRIKA: General Senator Melchiade Gabba;
JUSTIZMINISTER: Generaldirektor des Justizministeriums Dr. Gaetano Azzariti;
FINANZMINISTER: Generaldirektor Domenico Bartolini;
KRIEGSMINISTER: Staatsrat General Antonio Sorice;
MARINEMINISTER: Vizeadmiral Raffaele de Courten;
LUFTFAHRTMINISTER: General der Flieger Renato Sandalli;
ERZIEHÜNGSMINISTER: Staatsrat Dr. Leonardo Severi;
MINISTER FÜR ÖFFENTLICHE ARBEITEN: Generaldirektor im Ministerium für öffentliche Arbeiten Dr. Domenico Romano;
LANDWIRTSCHAFTS- UND FORSTMINISTER: Senator Professor Alessandro Brizzi;
VERKEHRSMINISTER: General Frederico Amoroso;
KORPORATIONSMINISTER: Staatsrat Dr. Leopoldo Piccardi;
VOLKSKULTURMINISTER: Botschafter Guido Rocco, bisheriger Generaldirektor der Auslandspresseabteilung;
AUSSENHANDELSMINISTER: Generaldirektor der Banca d’Italia Dr. Giovanni Acanfora;
MINISTER FÜR RÜSTUNGSINDUSTRIE: General Carlo Favagrossa;
UNTERSTAATSSEKRETÄR IM MINISTERPRÄSIDIUM: Dr. Pietro Baratone.

Sitz der neuen Regierung Marschall Badoglios ist der Quirinal.