Operation OVERLORD (1944)

Völkischer Beobachter (July 10, 1944)

Zerstörte Träume

Über die Wege in der Normandie ziehen die Flüchtlinge. Was sie mit Mühe und Not haben retten können aus den Trümmern ihrer Häuser, bergen sie in ihrem wenigen Gepäck. Ganz außer Fassung, viele die maßlose Angst vor den niedersausenden Bomben noch in den Augen, gehen sie gejagt ihren Weg.

Ihre Dörfer und Städte lagen weit hinter der Front. Aber plötzlich, an einem sonnenklaren Sommernachmittag, dröhnten die Verbände mit den Kreisen auf den Flügeln dunkel und drohend über die engen Straßen und pittoresken Plätze. Innerhalb einer Viertelstunde war das Städtchen eine Hölle von Rauch und Feuer. Wer noch den Keller hatte erreichen können, erstickte unter den niederstürzenden Trümmern. Nur die konnten sich retten, die ins freie Feld geflohen waren.

Jetzt ziehen sie auf den normannischen Wegen. Aber noch nimmt ihr Elend kein Ende. Bei einer Kurve, als das Gebüsch aufhört und man über die wogenden Roggenfelder eine freie Sicht hat, kommen britische Jäger in geringer Höhe über die traurige Kolonne. Wütend funken die Bordwaffen. Kinden beginnen zu weinen, Frauen schreien und rennen nach dem schützenden Gebüsch zurück.

Zitternd vor Angst und Entsetzen suchen sie, nachdem die Flieger verschwunden sind, nochmals die Reste des Hausgeräts. Sie haben nicht die Kraft, weiterzugehen, ein paar hundert Meter weiter kann ihnen dasselbe passieren. Vollkommen zerschlagen bleiben sie am Rande des Weges sitzen. Ihr Blick sucht nervös den Himmel ab. Kommen sie da schon wieder?

Es ist eine Welle von unsagbarem Leid über die Normandie gekommen. Sie hat alle schönen Träume von einer „schnellen, schmerzlosen Befreiung“ auf grausamste Weise zerstört.

NSK.