Operation Jubilee (8-19-42)

Völkischer Beobachter (August 22, 1942)

Beruhigungspillen für Moskau –
Churchill in Sorge um Stalins Wohlwollen

…und die Amerikaner sind enttäuscht

Stockholm, 21. August –
Angesichts des so schnell mißglückten Versuches, durch eine Landung an der französischen Küste bei Dieppe die von Moskau so dringend geforderte zweite Front zu errichten‚ ist man in London fortgesetzt bemüht, den schlechten Eindruck zu verwischen und ‘das Unieruehmen zu bagatellisieren. Nicht einmal die zuerst benützte Bezeichnung einer „Generalprobe“ will man, so melden die.Londoner Berichterstatter der schwedischen Zeitungen, noch dafür zulassen, da sie „allzu sehr auf eine zweite Front hindeute“, und so hat man sich jetzt darauf geeinigt, die mißglückte Landung als eine „Pro be mit dem Ziel, Offiziere und Mannschaiten unter realistischen Formen zu üben“, zu bezeichnen.

Gehorsam befolgt die englische Presse die Anweisung Churchills‚ diese neuerliche Niederlage zu vertuschen und dem bolschewistischen Bundesgenossen durch das. Scheitern der „ersten Zweite-Front-Invasion“ nicht den Mut zu nehmen. Als erste allein für Moskau gedachte Beruhigungspille stellt der luftmilitärische Mitarbeiter des Evening Standard Wider besseres Wissen und mit unverfrorener Phantasie fest, daß:

…mindestens ein Drittel aller in Frankreich liegenden Jagdflugzeuge abgeschossen wurde.

Die Yorkshire Post leugnet selbstverständlich gleichfalls, daß es sich bei dem Dieppe-Unternehmen um den Versuch‚ eine zweite Front zu errichten‚ gehandelt habe. Immerhin aber ist diese Zeitung in ihrem Kommentar schon wesentlich vorsichtiger und schreibt:

Unser Programm in Westeuropa zielt darauf hin, die zweite Front zu errichten. Wir haben vielleicht noch ein großes Stück Weges vor uns, bevor wir sie schaffen können. Doch wir sind gestartet und werden den Weg lortsetzen‚ bis das Ziel erreicht ist.

Die amerikanische Presse kann ihre Enttäuschung darüber, daß die so begeistert begrüßte „Invasion" so schnell scheiterte, nicht ganz verbergen. Die New York Times nennt sie „einen immerhin mit Tapferkeit pnd Präzision durchgeführten verwegenen Versuch“, und eine andere Neuyorker Zeitung tröstet ihre Leserschaft damit, daß „die Dieppe-Unternehmung sicherlich zu einem größeren strategischen Plan gehörte”. Trotz dieser Vertuschungsversuche aber spukt die von der Times aufgeworfene Frage:

Welchen Zweck hatte eigentlich die Operation‚ wenn es sich nicht um eine zweite Front gehandelt haben soll?

…auch heute noch in den Köpfen der englischen Bevölkerung. Angesichts der außerordentlich schweren Verluste an Menschen und Material wirken die offiziellen Versicherungen, daß sie nichts zu sagen hätten, weil man „wertvolle Erfahrungen“ gesammelt und sich für den Ernstfall geübt hätte‚ recht lahm, und der Gedanke‚ daß man bloß um einer „Probe“ willen so viele Menschenleben aufs Spiel setzte‚ hat sicher nichts Aufmunterndes für das englische Volk.

Daß es sich dabei aber tatsächlich keineswegs nur um eine „Probe“ gehandelt hat, geht aus den sich auf offizielle Quellen stützenden Berichten einiger schwedischer London-Berichterstatter hervor‚ die ausdrücklich betonen, daß der Diepper Landungsversuch mit aller Sorgfalt ausgearbeitet und vorbereitet wurde.

„Wochen und Monate hat es gedauert, bis alle Einzelheiten für das Unternehmen ausgearbeitet waren”, heißt es zum Beispiel in dem Bericht einer Gotenburger Zeitung.

Die Vorarbeiten umfaßten unter anderem auch Modellbau und die gemeinsame Ausbildung und Ubungen. Man wählte einen englischen Küstenabschnitt, der große Ähnlichkeit mit Dieppe hatte; niemand der Teilnehmer weiß heute noch, wie viele Male er den englischen Strand der Dieppe kopie gestürmt hat. Zu gleieher Zeit hatten die Jagdflieger Großübungen, zuerst allein, dann im Zusammenwirken mit anderen Waffenteilen und zum Schluß alle zusammen mit den vorgesehenen Truppen.

Man kann sich unschwer vorstellen, welch eine niederdrückende Wirkung es auf die englische Offentlichkeit ausüben muß‚ daß sich trotz dieser bis ins kleinste ausgearbeiteten monatelangen Vorbereitungen die kombinierten „alliierten“ Streitkräfte nicht länger als neun Stunden auf dem europäischen Festlande halten konnten. Es stimmt weite Kreise bedenklich‚ daß Churchill schon so weit unter Stalins Einfluß geraten ist‚ auf einen Wink von Moskau hin ein Unternehmen in Gang zu setzen, dessen militärische Sinnlosigkeit auch englischen Offizieren nicht verborgen war.

Wie in den Tagen von Dünkirchen

Die Madrider Zeitung ABC gibt folgenden Bericht von Teilnehmern an dem britischen Landungsabenteuer wieder:

Schon am Abend vor der Aktion‚ auf der Fahrt zu den Sammelplätzen‚ hatten wir schwere Kämpfe mit deutschen Kampfflugzeugen zu bestehen‚ die bei Sonnenuntergang unaufhörlich auf den Kanal kamen und die englische Küste unsicher machten. Wir sehnten die Dunkelheit herbei, um aus dem satanischen Feuer herauszukommen.

Ein anderer Teilnehmer berichtet:

In der Nacht nach der fehlgeschlagenen Landungsoperation waren die Eisenbahnen und Landstraßen‚ die zur Küste führen, fast verstopft durch die vielen im Sanitätsdienst stehenden Fahrzeuge, die Verwundete aus dem Hafen abholen und ins Innere des Landes transportieren sollten. Wie in den Tagen von Dünkirchen ergoß sich eine wahre Lawine von Verwundeten über die Städte Südenglands‚ Theater und Kinos wurden in aller Eile als Krankenhäuser eingerichtet.