Völkischer Beobachter (February 13, 1945)
Kapitulationsbedingungen sind illusorisch
vm. Madrid, 12. Februar – Während unsere drei brutalsten Feinde darüber beraten, wie man das deutsche Volk, das man trotz wütender Anstrengungen auf dem Felde der Ehre nicht besiegen kann, auf dem Felde der Lüge psychologisch entmannen könnte (wie schon einmal 1918), äußern hier neutrale Beobachter Ansichten, die unserem Willen zum Durchhalten absolute innere und logische Berechtigung zusprechen und vor Jenen falschen Perspektiven warnen, unter denen im alliierten Lager wieder einmal, wie schon so oft, verfrüht und unberechtigt das Thema „deutsche Kapitulation“ besprochen wird.
Manuel Aznar, wahrscheinlich der nüchternste und sachlichste militärische und politische Beobachter Spaniens wendet sich mit einem großen Aufsatz im Falangeorgan Arriba gegen die Ansicht, die Alliierten brauchten nur von der Casablanca-Formel der bedingungslosen Kapitulation herunterzusteigen und klare Kapitulationsbedingungen zu steilen, um Deutschland zur Waffenstreckung zu bewegen. Aznar erklärt wörtlich:
Man hat Deutschland erklärt, dass die Sowjetunion mehrere Millionen Deutsche für ihre Fabriken, Felder und Landstraßen als Arbeitstiere verlangt, dass Deutschland ohne Industrie bleiben soll und sich auf das Dasein eines kärglichen Agrarstaates beschränken muss. Man will ihm keine Handelsflotte und keinen zivilen Luftverkehr erlauben, man will sein Staatsgebiet in Stücke schlagen und diese unter die Siegerstaaten verteilen. Es soll unter internationale Kontrolle gestellt werden, damit seine Jugend sich vom Nationalsozialismus entgifte und die Kinder demokratische Wege zu wandeln begönnen. Kürzlich haben wir sogar gehört, dass es nützlich wäre, deutsche Frauen zur Aufzucht nach bevölkerungspolitisch schwachen Ländern zu entsenden.
Angesichts dieses Panoramas nimmt der Deutsche mit Recht an, dass es wenig Zweck hat, zwischen möglichen und tatsächlichen Kapitulationsbedingungen zu unterscheiden, weil sie auf das gleiche hinauslaufen und es gleichgültig bleibt, ob man das Schreckliche a priori oder a posteriori erfährt.
Aznar kommt daher zu dem Urteil, dass auch eine Politik mit Kapitulationsbedingungen illusorisch sei, weil Deutschland sie niemals annehmen werde. Wer Deutschland nach 1918 kennen gelernt habe, wundere sich gar nicht, dass die Erinnerung an jene Nachkriegszeit Schrecken einflösse. Dabei sei damals die territoriale und moralische Einheit des Reiches sowie Ehre und Ansehen seines Heeres gerettet worden, Größen, die heute bei einer Kapitulation, wie die Alliierten versicherten, für immer verloren gehen müssten. Gerade deshalb, so meint Aznar, halte er das Spiel mit Bedingungen für irrtümlich und illusorisch.
Doch begeht der spanische Journalist den Fehler aller Intellektuellen, nämlich zu glauben, dass wir ausschließlich aus den bösen Erinnerungen an Versailles oder aus der Erkenntnis der Vernichtungspläne unserer Feinde die Kraft zum Widerstand und zum Tragen der schweren Bürde des Schicksals beziehen. Er vergisst den Anschauungsunterricht der Gegenwart. Was haben schon Finnland, Italien, Rumänien, Bulgarien mit ihren Kapitulationen gerettet? Leiden diese Länder heute nicht mehr als damals, wo ihre Fahnen ihnen im Felde voraus wehten? Tod und Leid blieben gegenwärtig. Im Gegenteil: das Soldatensterben an den Fronten und der Zivilistenmord in den bombardierten Städten wurde vermehrt durch das Rasen der Blutgerichte und der Tschekas, durch den Hungertod, durch den Selbstmord der Verzweifelten. Der Tod fährt fort, die Substanz zu verschleißen, die man fetten wollte, indem man Ehre, Ideen und Würde preisgab. Wir aber wissen, dass nicht allein unser Leben als Menschen, die Existenz als Nation und die Reichsidee auf dem Spiele stehen, sondern auch die Werte unserer Revolution, die gesamte abendländische Kultur.
Man wird deshalb vergeblich die Lindenblattstelle des gehörnten Siegfried suchen, denn er hat diesmal gründlich im Drachenblut gebadet. Diese Tatsache wird, wie Aznars Ausführungen zeigen, bereits im Ausland richtig erkannt, während unsere Feinde mit Spekulationen auf eine geistige und moralische Minderwertigkeit fortfahren, die, wenn sie überhaupt noch nach unserer Revolution in Deutschland existiert hat, von ihnen mit ihrem Phosphorkrieg gegen Frauen und Kinder, mit ihren Vernichtungsplänen und ihrem abgrundtiefen Hass ein für alle Mal beseitigt worden ist. Sie suchen eine Angriffsfläche, die sie selbst zerstörten.