Stalin hat volle Freiheit in ganz Europa
Hinter den Kulissen der Konferenz – Polen und Balten ans Messer geliefert
Lissabon, 11. Februar – „Sowjetrussland kann nach dem Kriege den Balkan, Ungarn, Österreich, die Tschechoslowakei, Polen und Deutschland beherrschen,“ so heißt es in dem Artikel einer Neuyorker Zeitung über die gegenwärtigen Verhandlungen der Dreimächtekonferenz. Stalin habe bereits Tausende von Kommissaren ausbilden lassen, die die Verwaltung in Deutschland übernehmen sollten. Der größte Teil Europas werde infolgedessen von ihm abhängen.
Die Selbstverständlichkeit, mit der hier der größte Teil Europas den Bolschewisten ohne weiteres zu Füssen gelegt wird, kommt in den übrigen Streitfragen zum Ausdruck, die in dem Artikel erwähnt werden. So wird zur Lösung der polnischen. Frage als einzige Bedingung vorgeschlagen, dass ein Londoner Pole, und zwar der nicht mehr der Londoner Schattenregierung angehörige Mikolajczyk, in den Lublin-Ausschuss polnischer Bolschewisten übernommen werde, worauf die angelsächsischen Mächte bereit sein würden, die übrigen Londoner Polen aufzugeben und den Lublin-Ausschuss als polnische Regierung anzuerkennen.
Noch einfacher gedenkt man es sich mit den baltischen Staaten zu machen, deren Vertreter in England und den Vereinigten Staaten noch einen gewissen diplomatischen Rang einnehmen. Der Artikel schlägt als einseitiges Zugeständnis der angelsächsischen Mächte vor, dass diese Estland, Lettland und Litauen als Teil der Sowjetunion anerkennen möchten.