Malta & Crimea Conferences (ARGONAUT)

Leitartikel: Oststurm über Europa

Von Schadewald

In dem gegenwärtigen Zeitpunkt, in dem die Sowjets gegen Europa anstürmen, ist die Frage belanglos, ob Churchill, Roosevelt oder Stalin der geistige Urheber und hartnäckigste Verfechter der Forderung der „bedingungslosen Kapitulation“ ist – sie tragen alle drei die Verantwortung dafür, dass der von den kriegsbeteiligten Völkern ersehnte Frieden in weite Ferne gerückt ist.

Churchill, der alte politische Rosstäuscher, tut so, als ob England es sich leisten könnte, den von ihm angezettelten Krieg unbegrenzt fortzuführen. Dabei hat England weder auf dem europäischen noch auf dem pazifischen Kriegsschauplatz eine Führungsrolle, sondern ist längst zum Nebenpartner degradiert, denn in Westeuropa stehen zweimal mehr Amerikaner als Engländer im Kampf, und im Pazifik werden die Briten von den Yankees nur als unerwünschtes Anhängsel geduldet; ganz zu schweigen von der Sowjetunion, die sich in Europa auf ihre Art zum immer größeren Befremden weiter Kreise der englischen Öffentlichkeit „häuslich einrichtet“ und ohne Rücksicht auf britische Interessen in den baltischen Ländern, Finnland, Polen, Jugoslawien und Griechenland „fertige Tatsachen“ schafft.

Wo sich die anglo-amerikanischen Mächte als „Befreier“ haben feiern lassen, da sind Hunger und Arbeitslosigkeit, Unordnung und Gewaltakte, Elend, Streiks und Massendemonstrationen als Schrittmacher kommunistischer Zersetzung der besetzten Länder Europas eingezogen. Statt Demokratie und Freiheit triumphieren bolschewistische Umtriebe, und Moskaus rührige Agenten bereiten planmäßig durch Ausnutzung der Katastrophenverhältnisse die Sowjetisierung der der Ordnungsmacht Deutschland entzogenen Länder vor. Die europäische Menschheit hat mittlerweile genug Beispiele für die Folgen einer Auslieferung und Unterwerfung unter den Diktaturwillen Stalins; sie kann Vergleiche ziehen, was Moskau in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht versprochen hat und was daraus wirklich geworden ist. Tempo und Dynamik der Entwicklung zum politischen und wirtschaftlichen Chaos in den besetzten Ländern Europas werden vom Marschtritt der Sowjetarmee bestimmt.

Aber die Erkenntnis dieser von Moskau geschürten und gesteuerten Entwicklung ist vielen Europäern erst aufgegangen, als die bolschewistische Sturmflut gegen die Grenzen des Deutschen Reiches anbrandete. Soweit musste es erst kommen, um die neutralen Staaten in jene Unruhe zu versetzen, die die Annäherung des bolschewistischen Gespenstes als tödliche Lebensgefahr verursacht. Je stürmischer sich die Schrecken der asiatischen Steppe an das Herz Europas heranwälzen, um so besorgter bückt man in Bern und Stockholm, in Madrid und Lissabon, aber auch in London auf das aus dem Osten heraufziehende Unwetter.

Wenn der deutsche Damm bricht, dann reißt der Bolschewismus die europäische Kultur und Lebensart, das ganze Gefüge der Zivilisation der Menschheit ein, dann wird Europa ein Sklavenmarkt für Elendshaufen verängstigter Menschen. Gezwungen, das verbliebene nationale Leben in der „Weltunion der Sozialistischen Sowjetrepubliken“ aufgehen zu lassen und sich des individuellen Persönlichkeitswertes zugunsten einer Nivellierung und Vermassung zu entäußern, wird nach einer Überwältigung der völkisch bewussten Staaten durch die Menschen- und Materialmassen Moskaus das in der Vielfalt seiner nationalen und sozialen Lebensformen blühende Europa in Trümmer sinken, denn England und die Vereinigten Staaten sind weder gewillt noch haben sie die Macht, der Bolschewisierung des europäischen Kontinents Einhalt zu gebieten.

Gibt es ein eindrucksvolleres Beispiel für das, was Europa vom Kreml erwartet, als das Schicksal des von den anglo-amerikanischen Mächten betrogenen und verratenen Polens? So wenig sich Stalin im Fall Polen von London und Washington in den Arm fallen lässt, so wenig er in Jugoslawien zu Zugeständnissen an die westdemokratischen Wünsche bereit ist, so wenig er in Griechenland, Italien, Frankreich und Belgien den bolschewistischen Machenschaften und realen Machtansprüchen des Kommunismus Zügel anlegt, so wenig wird er das übrige Europa schonen und in seiner Lebensart bestehen lassen, wenn er freien Weg zur Bolschewisierung der seinem Gewaltwillen ausgelieferten Staaten und Völker hat.

Deutschland allein verlegt der bolschewistischen Weltrevolution den Weg, indem es mit dem Aufgebot aller seiner ideellen und materiellen Kräfte dem Ansturm der Sowjetarmeen entgegentritt.

Deutschland führt den Kampf für die europäische Freiheit und die Rettung der Menschheitskultur.

Deutschland opfert sein Letztes, um das deutsche Vaterland, den Lebensstandard Europas und die Gesittung der Welt vor dem Untergang im bolschewistischen Chaos zu bewahren.

Millionen Europäer haben die Bedeutung der deutschen Schicksalsparole „Sieg oder Untergang“ erkannt und sie sich zu eigen gemacht, auch gewisse Kreise Englands fühlen und wissen, was heute im Zeichen der sowjetischen Mammutoffensive auf dem Spiele steht. Wird aber das ganze England das unverantwortliche kriegspolitische Vabanquespiel der Churchillschen Regierung erkennen und begreifen, welches die politischen Folgen einer militärischen Niederlage Deutschlands, einer Auslieferung Kontinentaleuropas an den Bolschewismus sind und was Ostwindüber Europa bedeutet? Churchill wird es erst verstehen, wenn es für England und das Britische Reich zu spät ist!