Salzburger Nachrichten (July 20, 1945)
Japans Flotte aufgestöbert
Japanische Presse diskutiert Potsdamer Konferenz
WASHINGTON, 19. Juli (OWI) – Trägerflugzeuge des britisch-amerikanischen Pazifikgeschwaders haben größere Teile der japanischen Flotte, die sich in der Bucht von Tokio versteckt hielt, erkundet und angegriffen. Es ist dies die erste Begegnung der beiden Flotten seit der Niederlage Japans in der Seeschlacht bei den Philippinen im Oktober 1944. Am fünften Tag richteten sich die amerikanischen Großangriffe der Flotten- und Luftstreitkräfte gegen Industrieziele südlich von Tokio. An diesen Angriffen nahmen zum ersten Male aus Europa nach Ostasien verlegte Bomberstaffeln teil.
Bei den zurzeit in den burmesischen Dschungeln tobenden Kämpfen haben die sogenannten patriotischen Streitkräfte Burmas einen bedeutenden Anteil an den Erfolgen errungen. Diese Guerillakrieger sind ursprünglich aus einer antifaschistischen Organisation, die sich während der japanischen Besetzung illegal gebildet hatte, hervorgegangen. Erfahrene britische Offiziere hatten sie unterstützt und ihnen Anweisungen gegeben. Die eingeschlossenen japanischen Einheiten in Burma wehren sich verzweifelt und wüten in den von ihnen noch besetzten Dörfern. Es wurden Fälle von Massen-Exekutionen bekannt. Auf Borneo ließ die Kampftätigkeit nach. Die siebente australische Division konnte trotz heftigsten feindlichen Widerstandes auf der Hauptstraße nach Samarinda vorstoßen.
Auf Neu-Guinea kämpften sich die australischen Truppen über die Hänge des Prinz-Alexander-Gebirges abwärts und nähern sich den äußeren Verteidigungslinien der japanischen Hauptbefestigungen. Hunderte von Granaten wurden auf die japanischen Stellungen im Südteil der Insel Bougainville abgefeuert. Heftige Regengüsse erschweren hier die Operationen.
Nicht zuletzt wird die Stimmung im japanischen Mutter1and durch die Potsdamer Konferenz bestimmt, die japanischen Zeitungsmeldungen zufolge auf die Ereignisse um Japan eine stärkere Wirkung als je zuvor haben Wird. Man erwartet nach Abschluss der Konferenz ein gemeinsames Kommuniqué zum Problem des Japankrieges und nimmt an, dass die, Vereinigten Staaten alle außenpolitischen Instrumente zur Vorbereitung einer Invasion der Mutterinseln spielen lassen werden. Die japanische Presse diskutiert auch lebhaft die im Zusammenhang mit dem Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten bei Stalin eingetretene Lage. Da Stalin ein sehr realistischer Staatsmann ist, erhebt sich selbstverständlich die Frage, welche Konzessionen Tschungking in Erwiderung einer Verständigung mit Moskau eingegangen ist.