Führer HQ (April 23, 1945)
Kommuniqué des Oberkommandos der Wehrmacht
Im ostmärkischen Grenzgebiet gewannen unsere Gegenangriffe im Frontbogen südlich des Semmering weiter Boden. Südöstlich St. Pölten drückte der Gegner vergeblich gegen denselben Abschnitt nach Süden. Im Kampfabschnitt nordwestlich Mistelbach und südlich Brünn scheiterten erneute Durchbruchsversuche der Bolschewisten nach harten Kämpfen. Nordöstlich Mährisch-Ostrau konnte der vorübergebend verlorengegangene Zusammenhang der Front wieder hergestellt werden. Zwischen Sudeten und Stettiner Hass wird schwer gekämpft. Starte feindliche Kräfte sind durch schwungvoll geführte Gegenangriffe nordöstlich Görlitz von ihrer rückwärtigen Verbindung abgeschnitten und dadurch im weiteren Bordringen nach Westen behindert. Die tapfere Besatzung von Bautzen hielt auch gestern zahlreichen bolschewistischen Angriffen stand. Auch bei Spremberg leisteten unsere Truppen den anstürmenden Sowjets erbitterten Widerstand. Dagegen ging Cottbus nach zäher Verteidigung verloren.
Die Schlacht um die Reichshauptstadt ist in voller Heftigkeit entbrannt. Südlich der Stadt singen unsere Truppen starke Panzerkräfte der Bolschewisten in der Linie Beelitz-Teltow auf. Der verlorengegangene Bahnhof von Köpenick wurde im Gegenstoß wieder gewonnen. Ein feindlicher Einbruch entlang der Grenzlauer Allee wurde abgeriegelt. Nördlich der Stadt drangen sowjetische Angriffsspitzen bis zur Havel vor die sie vergeblich zu überschreiten suchten. Im Raum von Frankfurt und an der nördlichen Oderfront dauern Wechsel volle Kämpfe an Aus der Landzunge von Pillau wurden die unter starker Schlachtfliegerunterstützung gegen unsere Sperrlinie vorgetragenen Angriffe im Wesentlichen abgeschlossen. Um eine Einbruchstelle wird noch gekämpft.
Die Besatzung des Atlantik-Stützpunktes St. Nazaire wies wiederholte Angriffe der Amerikaner zum Teil im Nahkampf ab. In unserem zusammengefassten Abwehrfeuer erlitt der Feind Hobe blutige Verluste. Mehrere Panzer, Maschinengewehre und Gefangene wurden eingebracht.
In Nordwestdeutschland ist die Lage trotz fortgesetzter Angriffe des Gegners an den bisherigen Schwerpunkten unverändert. Zwischen Dessau und Eilenburg haben unsere Truppen nach schweren Kämpfen neue Sicherungslinien auf dem Ostufer der Mulde aufgebaut. Im sächsischen Raum und im Vogtland beschränkten sich die Amerikaner auch gestern auf örtliche Aufklärungsvorstöße, dagegen verstärkten sie ihren Druck aus dem Elster- und Fichtelgebirge gegen die Linie Eger-Tischenreuth. Auf der Linie der Fränkischen Alp und nordöstlich davon drangen einzelne amerikanische Kampfgruppen nach Osten vor. Panzerspitzen überschritten die Nab bei Weiden. Südlich und südöstlich von Nürnberg warfen Truppen des Heeres und der Waffen-SS vorgeprellte amerikanische Abteilungen zurück, nahmen die Stadt Neumarkt wieder und hielten sie gegen alle Angriffe.
Im württembergisch-badischen Raum hat sich die Lage gestern verschärft. Überlegene Panzerkräfte der 7. amerikanischen Armee und gaullistische Verbände haben unsere Front nach heftigen Kämpfen in mehreren Abschnitten aufgerissen und im Vorstoß zwischen Dillingen und Donaueschingen die Donau an einigen Stellen erreicht. Gegenangriffe gegen die tiefen Flanken der durchgebrochenen Angriffsteile sind im Gange.
Die Abwehrschlacht in Italien nimmt unter schwersten, für beide Zeile verlustreichen Kämpfen ihren Fortgang. Während im ligurischen Küstenabschnitt und im westetruskischen Apennin der Feind nach mehreren Kilometern Bodengewinn aufgefangen wurde, erzielten überlegene feindliche Panzerkräfte im Abschnitt Vignola-Bologna mehrere tiefe Einbrüche, die abgeriegelt werden konnten. Zwischen Bologna und dem Comacchio-See gelang es dem Feind, mit starken zusammengefassten Kräften unter verstärktem Artillerie- und Fliegereinsatz an mehreren Stellen in unser Hauptkampffeld einzubrechen. Seine Angriffspitzen wurden an der Straße Bologna-Ferrara unter Abschuss zahlreicher Panzer im Gegenstoß zum Stehen gebracht. Auf der Landenge östlich der Comacchio-See brachen alle Angriffe des Feindes verlustreich zusammen.
Über Süddeutschland herrschte den ganzen Tag starke feindliche Schlachtfliegertätigkeit. Mittelschwere Kampfverbände griffen wiederum mehrere Orte im bayerischen Raume an.