Die Kämpfe in den südlichen Niederlanden
Berlin, 18. September –
Seit Tagen sieht sich der Feind im nordbelgischen Raum durch den zähen Widerstand unserer Truppen im Brückenkopf an der Esterschelde und durch energische, am Sonntag fortgesetzte Gegenangriffe am Maas-Schelde-Kanal gefesselt. Auch seine starken Angriffe zwischen Maastricht und Aachen nach Norden brachten ihm nur unbedeutende örtliche Vorteile. Zwischen Aachen und Stolberg wurde der Gegner durch Gegenangriffe unserer Panzer weiter zurückgedrängt und südlich Stolberg blieben die Fortschritte der Nordamerikaner infolge unserer in die feindliche Angriffsfront getriebenen Keile auch am Sonntag minimal. Der starke Ansturm dreier feindlicher Armeen im belgisch-niederländischen Grenzgebiet ist somit seit Tagen ohne greifbare Erfolge geblieben.
Um diesen starken Riegel aufzubrechen und seine Bewegungsfreiheit zurückzugewinnen, begann der Feind in den frühen Nachmittagsstunden des Sonntags, im niederländischen Raum Luftlandetruppen abzusetzen. Das Unternehmen hatte sich durch heftige Luftangriffe auf Flugplätze und Verkehrsanlagen in den Absprunggebieten angekündigt. Ab 14,30 Uhr erschienen mehrere hundert Lastensegler und Transportflugzeuge.
Sie klinkten über den südlichen Niederlanden und dem Rheindelta aus. Noch während der Feind seine Landungen durchführte, gingen bereits eigene starke Kräfte zum Gegenangriff über. Zahlreiche Lastensegler wurden von der Flak abgeschossen, andere durch das Abwehrfeuer zu Notlandungen in den Überschwemmungsgebieten gezwungen. Zur Abwehr der feindlichen Fallschirmspringer und Luftlandetruppen riegelten unsere Truppen die verstreut auseinanderliegenden Landeplätze ab und verhinderten zunächst die Bildung großer geschlossener Kampfgruppen. Weitere Gegenmaßnahmen sind angelaufen.
Um die Verbindung mit seinen im Raum Eindhoven abgesetzten Kräften herzustellen, griff der Gegner gegen Abend am MaasSchelde-Kanal aus Neerpelt heraus nach Norden an. Die auch an dieser Stelle sofort einsetzenden Gegenangriffe unserer Truppen führten zu harten, die ganze Nacht über anhaltenden Kämpfen, die auch in den heutigen Morgenstunden noch im Gange sind.
Im mittelbelgischen, luxemburgischen und lothringischen Grenzgebiet waren die Kämpfe vom Sonntag örtlich begrenzt, erfolgreiche Gegenangriffe drückten den Feind im Prümabschnitt und in seinem Brückenkopf am Sauer zurück. Im Raum Pont-à-Mousson–Nancy–Lunéville gingen die wechselvollen Kämpfe weiter. Hierbei drang der Gegner mit starken Kräften von Süden in Lunéville ein, doch wurde er wieder hinausgeworfen und musste südlich davon auch die Stadt Châtel-sur-Moselle vor deutschen Gegenangriffen wieder aufgeben. Am Sperrriegel vor der Burgundischen Pforte blieb die Lage unverändert. An einigen Stellen verbesserten unsere Truppen ihre Frontlinie, an anderen schlugen sie angreifende feindliche Kräfte blutig zurück.
Unsere Soldaten kapitulieren nicht
Reuters Sonderkorrespondent Louis Wulf gibt folgenden Bericht über die heldenmütigen Verteidiger von Brest, der in ausdrucksvoller Weise den nicht zu brechenden Widerstandsgeist deutscher Soldaten offenbart.
Ein US-Oberst ging am Donnerstag in die deutschen Linien, um General Ramcke, den Kommandanten der deutschen Besatzung, die jetzt bereits drei Wochen lang belagert wird, zur Übergabe aufzufordern. Der Oberst befand sich in Begleitung eines anderen Obersten und eines Leutnants als Dolmetsch. Sein kleiner Wagen führte eine weiße Flagge an der Seite.
Er wurde von einem deutschen Posten angehalten, gerade in dem Augenblick, wo er in die deutschen Linien fuhr, worauf die drei Offiziere ausstiegen und zu Fuß gingen. Als sie den Zweck ihres Besuches auseinandergesetzt hatten, wurden ihnen die Augen verbunden. So mußten sie dann einen Weg von mehreren hundert Yards zurücklegen, bis ein deutscher Major sie empfing. Sie mußten warten, bis ihr Auftrag an General Ramcke übermittelt und von diesem beantwortet worden war. Die Antwort bestand in einer unzweideutigen Weigerung. Die Offiziere konnten dann nicht in ihre eigenen Linien zurückkehren, da die amerikanische Artillerie, die ihr Feuer eingestellt hatte, nunmehr wiederum die Stadt heftig beschoss. Sie blieben mehrere Stunden bei den Deutschen und mußten sich vor dem Feuer ihrer eigenen Geschütze so gut wie möglich schützen.