‚Widerstand von beispielloser Wildheit‘
Berlin, 26. Juli –
„Der deutsche Widerstand ist von beispielloser Wildheit. Er hat einen Höhepunkt erreicht, der kaum noch übertroffen werden kann. Es ist, als ob Hitler in diesem Augenblick der Krise jedem Kämpfer persönlich den Befehl gegeben hätte, die äußersten Anstrengungen zu machen.“ Mit diesem Eingeständnis sucht man jetzt in London zu erklären, daß die beiden neuen Offensiven der Invasionstruppen südlich Caen und westlich Saint-Lô bereits in den ersten Stunden der erbitterten Kämpfe ohne greifbaren Erfolg blieben.
Im Raum westlich Saint-Lô wiederholten die Nordamerikaner im Laufe des Dienstagvormittags ihren bei Nacht schon einmal zusammengebrochenen Angriff. Gegen 10,30 Uhr begannen wieder mehrere hundert Flugzeuge die Hauptkampflinie, Batteriestellungen und rückwärtigen Verbindungen zu bombardieren. Nach starker Artillerievorbereitung trat dann der Feind um 1 Uhr aus dem Raum Rampan–Les Champs-de-Losque mit starken Infanterie- und Panzerkräften auf breiter Front von neuem an. Südlich Rampan und südwestlich Amigny blieb der Angriff nach etwa 1 Kilometer Bodengewinn in Richtung auf Hébécrevon aber bereits Wieder stecken. Gegenangriffe zur Vernichtung der abgeriegelten feindlichen Kräfte sind im Gange.
Einen zweiten Abwehrerfolg errangen unsere Truppen im Süden der Cotentin-Halbinsel in den ersten Stunden des Mittwoch. Als die Nordamerikaner versuchten, ihre Angriffsfront zu verbreitern und auch an der Straße Carentan–Périers bei der Ortschaft Raids mit stärkeren Kräften vorgingen, brachen auch hier sämtliche Vorstöße verlustreich für den Gegner zusammen.
Der am Dienstagmittag begonnene britische Angriff bei Caen hatte das gleiche Schicksal. Hier wurden ebenfalls aus den großangelegten Offensivstößen des Feindes durch den harten Widerstand unserer Truppen örtlich begrenzte Kämpfe bei Tilly-la-Campagne und an den Höhen an der Orne bei Saint-Andre, Saint-Martin und May-sur-Orne. In hin und her wogendem Ringen wurde der Feind, der zunächst in die Ruinen von Tilly-la-Campagne eindringen konnte, gegen Abend zurückgeworfen. Der ganze an dieser Stelle mit sehr schweren Verlusten erkaufte Bodengewinn des Feindes besteht nur aus einem nach wenigen Schritten zu messenden Streifen des bisherigen Niemandslandes.
Im Laufe dieser Kämpfe gelang es unseren Truppen nördlich May-sur-Orne, in östlicher Richtung ausweichende britische Kampfgruppen überraschend in der Flanke zu fassen und ihnen sehr schwere Verluste beizubringen. Da der Gegner weitere starke Kräfte in die frontnahen Bereitstellungsräume vorzieht, ist mit weiteren Angriffen zu rechnen.
Unsere Artillerie nahm die feindlichen Truppenansammlungen wirksam unter Feuer. Unsere Luftwaffe unterstützte mit Jagd- und Schlachtfliegerverbänden die Abwehrkämpfe und griff mit guter Wirkung feindliche Truppenziele in den Räumen südlich Carentan, Saint-Lô und Caen an. Im Seegebiet war die Kampftätigkeit infolge schlechter Sicht gering.