Völkischer Beobachter (July 18, 1944)
Neuer britischer Trick:
Franzosen sollen wieder für England bluten
Well die Invasionsstrategie festgefahren ist
ka. Stockholm, 17. Juli –
Schon seit längerem kann es der englischen und amerikanischen Öffentlichkeit nicht mehr verborgen werden, daß die mit einem so großen Aufwand Menschenmaterial in Szene gesetzte Invasion zwar furchtbare Opfer angefordert hat, aber nicht im entferntesten die erwarteten Erfolge bringt.
Der Observer, der versucht hat, den Gründen für die unbefriedigende militärische Entwicklung an der Invasionsfront nachzugehen, kommt ganz richtig zu dem Schluss, daß die Hauptursache für das langsame Fortschreiten des Angriffs in dem begrenzten Gebiet zu suchen ist, über das die Alliierten verfügen. Die Frage sei darum, wie das alliierte Oberkommando mit diesem Problem fertig werde. Solange man von dem Brückenkopf aus keinen Ausfällen mache, bekomme man nicht genügend Raum für die Entwicklung eines Angriffs.
Diese Feststellung des Observer umschließt die für die Briten und Amerikaner sehr bittere Erkenntnis, daß die bisherigen militärischen Operationen in der Normandie im wahrsten Sinne erfolglos geblieben sind, da sie nicht einmal dazu führten, daß eine wirkliche Angriffsbasis geschaffen werden konnte, die dem gigantischen Einsatz von Menschen und Material entspricht. Die Zeitung läßt diese bittere Betrachtung in die Frage ausmünden, ob denn die Langsamkeit der militärischen Entwicklung wirklich unvermeidlich sei. Die Antwort, die der Observer sich selber gibt, ist bezeichnend für die englische Mentalität und für die alte, im englischen Volk wurzelnde Vorstellung, daß militärische Entscheidungen nicht aus eigener Kraft, sondern nach Möglichkeit zu Lasten anderer Völker erreicht werden sollen.
Anstatt die Frage nach der weiteren Entwicklung der Invasion unter dem Gesichtspunkt des eigenen militärischen Einsatzes zu prüfen, will der Observer nämlich die französische Bevölkerung zum Vorspann der englisch-amerikanischen Angriffspläne machen.
Eine gewisse Revision der bisherigen Invasionsstrategie, so meint das Blatt, sei durchaus zu begründen. Der Observer denkt dabei an die innerfranzösischen Terroristen, die man unterstützen und mit allem Notwendigen ausrüsten müsse, damit gewissermaßen vom inneren Frankreich her die Voraussetzung für eine schnellere Entwicklung auf dem Invasionsbrückenkopf geschaffen würde.
Damit wird wieder einmal Englands bewährte Strategie in den Vordergrund gestellt, andere die Kastanien aus dem Feuer holen zu lassen. Die französische Bevölkerung, die ihren „Befreiern“ mit einer so unmissverständlichen Geste der Ablehnung begegnet ist, wird sich freilich schwerlich dazu verleiten lassen, bei dem Aderlass, den die Invasion für die alliierten Truppen bedeutet, das eigene Blut zu opfern, um vielleicht am Ende eine zweite englische Massenflucht nach Dünkirchener Muster erleben zu müssen.
So zeigt sich also heute, nach über einem Monat, nach den eigenen Berichten der Engländer und Amerikaner die Invasion als ein Unternehmen, das nicht nur zu den blutigsten Opfern geführt hat, sondern bei dem man auch voller Zweifel ist, ob es aus eigener Kraft zu einem entscheidenden Ende geführt werden kann.