Führer HQ (July 9, 1944)
Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
In der Normandie trat der Feind nun auch gegen den vorspringenden Frontabschnitt nördlich Caen auf breiter Front mit starken Infanterie- und Panzerkräften zum Großangriff an. In den schweren Kämpfen, die im Laufe des Tages immer mehr an Heftigkeit Zunahmen, hatte der Gegner besonders hohe blutige Verluste. Es gelang ihm schließlich, nach Einsatz neuer Kräfte, nordöstlich und nordwestlich Caen in unsere Stellungen einzudringen. Auch beiderseits der Straße Caumont–Caen führte der Feind nach heftiger Feuervorbereitung starke Angriffe, in denen er örtliche, inzwischen abgeriegelte Einbrüche erzielen konnte.
Zwischen Vire und Taute wurde während des ganzen Tages erbittert gekämpft. Unter schweren Verlusten gelang es dem Feind, hier seinen Brückenkopf über die Vire nach Südwesten etwas zu erweitern. Die Kämpfe sind auch hier noch in vollem Gange. Nordwestlich Le Plessis und südwestlich La Haye-du-Puits griff der Gegner wiederholt vergeblich an.
Im französischen Raum wurden 198 Terroristen im Kampf niedergemacht.
Durch Kampfmittel der Kriegsmarine wurden im Seegebiet der Invasionsfront wiederum ein Kreuzer und ein Zerstörer versenkt sowie mehrere weitere Schiffe torpediert. Ein feindliches Flugzeug wurde abgeschossen.
Schweres Vergeltungsfeuer liegt weiterhin auf London und seinen Außenbezirken.
In Italien setzte der Feind seine Angriffe mit besonderer Wucht an der ligurischen Küste bei Volterra, nordwestlich Siena und an der adriatischen Küste fort. Er wurde jedoch nach schwersten Kämpfen bis auf geringe örtliche Einbrüche verlustreich abgewiesen.
In den harten Abwehrkämpfen der letzten Woche im westlichen Küstenabschnitt hat sich eine in ihrer Mehrheit aus turkestanischen Freiwilligen bestehende Infanteriedivision mit ihrem deutschen Rahmenpersonal hervorragend bewährt.
Im Osten nahm im Raum von Kowel die Wucht der feindlichen Angriffe zu. Die von zahlreichen Panzern und Schlachtfliegern unterstützten Durchbruchsversuche wurden unter Abschuß einer größeren Anzahl feindlicher Panzer vereitelt.
Im Mittelabschnitt der Ostfront hat sich die Abwehrschlacht in den Raum westlich der Landengen von Baranowicze und Molodeczno verlagert. Beiderseits Baranowicze setzten unsere Truppen den mit überlegenen Infanterie- und Panzerkräften angreifenden Sowjets zähen Widerstand entgegen. Im Verlauf hartnäckiger Kämpfe um Lida ging der Ort verloren.
Die Besatzung von Wilna wies wiederholte von Panzern unterstützte Angriffe der Bolschewisten ab. Nordwestlich Wilna wurden vordringende feindliche Kräfte aufgefangen.
An der Front zwischen Dünaburg und Polozk führte der Feind infolge der an den Vortagen erlittenen hohen Verlusten nur örtliche Angriffe, die abgewiesen wurden.
Bei den Kämpfen der letzten Tage im Abschnitt des Narocz-Sees hat sich das Heerespionierbataillon (mot.) 505 unter Führung von Hauptmann Wolf durch besondere Tapferkeit ausgezeichnet.
In der vergangenen Nacht belegten deutsche Kampfgeschwader die Bahnhöfe Korosten, Sarny, Rowno und Olewsk mit zahlreichen Spreng- und Brandbomben.
Ein starker nordamerikanischer Bomberverband griff gestern Vormittag Außenbezirke der Stadt Wien an. Es entstanden Gebäudeschäden und Personenverluste. Deutsche und ungarische Luftverteidigungskräfte vernichteten 30 feindliche Flugzeuge, darunter 26 viermotorige Bomber.
In der Nacht warfen einzelne britische Flugzeuge Bomben im rheinisch-westfälischen Gebiet.
Unterseeboote versenkten zwei Schiffe mit 11.000 BRT.