Völkischer Beobachter (June 29, 1944)
Unsere Stunde wird wieder kommen –
Im Zentrum des Sturmes auf Europa
Auch die äußerste Kraftanstrengung unserer Feinde wird vergeblich sein
vb. Wien, 28. Juni –
„Das zwölfte Jahr der Neuorganisation unseres Volkes wird an die Front und an die Heimat härteste Anforderungen stellen,“ sagte der Führer in seiner Rede zum elften Jahrestag der Machtergreifung. „Wie sehr aber auch der Sturm an unsere Festung toben und heulen mag,“ so fuhr der Führer fort, „am Ende wird er sich wie ein Gewitter eines Tages legen und aus finsteren Wolken wird dann wieder eine Sonne hervorleuchten auf diejenigen, die standhaft und unerschütterlich, ihrem Glauben treubleibend, die Pflicht erfüllen.“ Heute stehen wir im Zentrum des Sturmes, der gegen Europa entfesselt worden ist und den der Führer kommen sah.
Briten, Amerikaner und Bolschewisten haben sich mit dem Einsatz des ganzen Kriegspotentials an Menschen und Material zum Sturm gegen das Bollwerk der abendländischen Kultur, im Westen, im Osten und im Süden vereinigt, um die langen, zähen Kämpfe des vergangenen Jahres, in denen ihnen trotz allem Raumgewinn der strategische Erfolg versagt blieb, womöglich mit einer einzigen gewaltigen Anstrengung zur Entscheidung zu bringen. Sie haben dabei Erfolge errungen, haben die Halbinsel Cotentin abgeschnitten, haben mit zehnfacher Übermacht die Festung Cherbourg angegriffen und mit der Unterstützung der Artillerie ihrer Schlachtschiffe zum großen Teil niedergekämpft.
Damit haben sie sich nach schweren, drei Wochen dauernden Kämpfen unter hohen Verlusten die normannische Halbinsel als Brückenkopf gesichert. Sie haben eine Ausfallsstellung gewonnen, aber noch keinen Platz für große Ausladungen, wie sie ihn brauchen, denn die Hafenanlagen vor Cherbourg sind zerstört. Bei dem großen Unterschied von Ebbe und Flut aber ist der Hafen, der keine natürlichen Möglichkeiten bietet, ohne die technischen Einrichtungen für lange Zeit unbrauchbar. Auch die operative Freiheit müssen sie sich aus der Halbinsel Cotentin heraus und an der Front von Caen bis Coutances erst noch erkämpfen, und zwar ohne von See her durch die schweren Geschütze ihrer Kreuzer und Schlachtschiffe unterstützt zu werden.
Zunächst wird der Gegner den Vorstoß auf Cherbourg als einen Erfolg, der ihm besonders wegen seiner psychologischen und propagandistischen Bedeutung wichtig ist, nach Kräften auszuwerten suchen, schon um damit der moralischen Wirkung der neuen deutschen Waffe „V1“ auf die Bevölkerung in England zu begegnen. Daß den Amerikanern und Engländern der Durchbruch zu der Hafenstadt gelungen ist, haben sie, wie aus ihren eigenen Berichten hervorgeht, nicht der überlegenen Tapferkeit ihrer Soldaten, sondern der vielfach größeren Zahl, der Masse ihres Materials und im Besonderen der zahlenmäßigen Überlegenheit ihrer Luftwaffe zu verdanken. Der deutsche Soldat hat gekämpft, als er auch auf einen taktischen Erfolg nicht mehr hoffen konnte, und er hat sich in den Widerstandsnestern oft genug mit der blanken Waffe verteidigt. Seinem Heldentum blieb die Krönung durch den Siegeslorbeer versagt – darüber aber soll sich niemand täuschen: Der Tag wird kommen, an dem die Früchte auch dieses Kampfes reifen werden. Keine Tapferkeit ist umsonst, kein Opfer vertan. Aus der blutigen Saat der Schlacht um Cherbourg wird zur rechten Zeit die Ernte reifen.
Niemand soll auch glauben, daß wir die Materialüberlegenheit der Gegner als unausweichliches Schicksal hinzunehmen hätten. Dieser Krieg wird nicht nur von dem Soldaten, sondern auch von dem Techniker, Wissenschaftler und Arbeiter ausgefochten. Und wie im Kampf an der Front zuletzt nicht die Masse Mensch entscheidet, sondern der kämpferische Wille des einzelnen Soldaten, seine Standhaftigkeit und innere Überlegenheit, so entscheidet in dem stillen Krieg auf dem Schreibtisch, auf dem Zeichenbrett, im Laboratorium, auf dem Versuchsfeld und in der Fabrik nicht die rohe Masse des erzeugten Materials, sondern seine Wirksamkeit. Als uns die Engländer, vorwärtsgestoßen von Roosevelt und der amerikanischen Judenschaft, den Krieg erklärten, waren wir mit neuen Waffen besser gerüstet, als sie ahnten. Dann haben sie von uns gelernt, haben den Vorsprung zum Teil ausgeglichen, haben auf dem einen oder anderen Gebiet mehr Waffen erzeugt als wir. Sie meinten, dass wäre die Entscheidung und sie brauchten nun nur ihren gewaltigen technischen Apparat gegen uns abrollen zu lassen, um ganz Europa zu zermalmen. Sie werden erfahren, daß es ein Irrtum ist.
Wir setzen der Masse ihres Materials neue Waffen von größerer Wirksamkeit entgegen, auch in der Kriegstechnik entscheidet wie in der Politik zuletzt die Idee. Wie unsere politische Idee ihrem brutalen Materialismus überlegen ist, so wird sich der deutsche Erfindergeist gegen ihre Fabrikation durchsetzen und eine neue Entwicklung bewirken. Das ist mit der deutschen Vergeltungswaffe „V1“ schon geschehen, aber das ist erst der Anfang. Andere Kriegsmittel werden folgen und eingesetzt werden, genau zu der Stunde und genau in der Lage, die ihre größte Wirksamkeit gewährleistet. Das wird nicht zu früh sein, wie ja auch der Führer mit dem Einsatz der „V1“ den rechten Augenblick abgewartet hat, trotz der ungeheuren Belastung, die manchen wohl veranlasst hätte, die Sprengmittel vorzeitig zu lösen. Wir dürfen aber auch vertrauen, daß keine Minute zu spät das technische Gleichgewicht hergestellt sein wird. Denn was auch die Engländer und Amerikaner durch ihren Luftterror zerstört haben mögen, sie haben die Wirtschaftskraft des europäischen Kontinents nicht lahmgelegt und werden sie nie lahmlegen können.
Wie an den Soldaten, so werden auch an das Volk in der Heimat noch härteste Anforderungen gestellt werden, so lange, bis die Gewalt des feindlichen Sturmes gebrochen ist. Daß sich das deutsche Volk nicht zerbrechen läßt, das hat es dem Gegner, der uns durch seinen Luftterror zu zerschmettern suchte, bewiesen. Damit haben wir eine moralische Position gewonnen, eine Bereitschaft der Herzen, eine Kraft des Willens, aber auch eine Festigkeit des Glaubens, die sich auch in den letzten schwersten Proben bewähren wird, bis eines Tages die Sonne wieder leuchtet über dem deutschen Volk, das dann gegen eine Welt von Feinden den Sieg erkämpft hat und damit das Leben und die Freiheit.