America at war! (1941--) -- Part 2

In voller Ordnung über die Straße von Messina –
Kein ‚Dünkirchen‘ auf Sizilien

Von Kriegsberichter Kurt Gayer

dnb. …, 17. August, pk. –
Die Kämpfe auf Sizilien sind beendet. Auf Fähren und Prähmen kamen die letzten deutschen Einheiten auf dem diesseitigen Ufer an, obwohl die britisch­amerikanischen Bomber und Jäger sich, wütenden Hornissenschwärmen gleich, auf die Fahrzeuge und Transportmittel stürzten. Bei der Masse des feindlichen Einsatzes darf es nicht verwundern, daß die eine und andere Fähre kurz vor dem Ziel noch ein Opfer der Angreifer wurde, die darauf befindlichen Männer aber konnten schwimmend die letzten hundert Meter bis zum Strand zurücklegen oder sie wurden von den kleinen wendigen Sturmbooten übernommen und an Land gebracht.

Nun da die gefährliche Überfahrt gelungen, haben sich die Gesichter entspannt. Unter befreitem Aufatmen werden die Zigaretten angezündet, mit frohem Händedruck begrüßen sich die Kameraden, die sich hier, auf kontinentalem Boden, wieder zusammenfinden. Heldenhaft schlugen sich jene letzten Abteilungen, die den Brückenkopf bildeten, um der Masse der über die Meerenge zurückgehenden deutschen Divisionen den Weg über die Straße von Messina offenzuhalten. Vergeblich versuchten die Briten von der einen, die Amerikaner von der anderen Seite, den Sperriegel vor den Übersetzstellen einzudrücken.

Mit vier- bis fünffacher Übermacht rannten sie tagelang nach stärkster Artillerievorbereitung und unter dem Einsatz der gesamten Luftstreitkräfte gegen die dünnen deutschen Linien an. Ihr Ziel, das Gros der deutschen Verbände abzuschneiden und ihnen ein „Dünkirchen“ zu bereiten, scheiterte indessen an dem zähen Widerstand der Verteidiger, die ihre Aufgabe, so lange zu halten, bis die letzte Fähre abgelegt hatte, mit beispielhafter Tapferkeit erfüllten.

Ein wohlorganisiertes Werk

Das Werk der Überführung starker Truppenteile nach dem Festland war ja nicht improvisiert, sondern die Vorbereitungen waren rechtzeitig von langer Hand erfolgt. Seit geraumer Zeit wurden in ausreichendem Umfang Transportmittel zusammengezogen.

Von den Fronten im Norden, im Zentralabschnitt und im Südosten wurden, soweit es die Kampflage erlaubte, die schweren Waffen, vor allem Geschütze und Panzer, abgezogen und nach dem Festland gebracht. Die Nächte waren erfüllt von dem mahlenden Geräusch der Raupenfahrzeuge, die im Schutz der Dunkelheit übersetzten. Auf diese Weise wurde ein Maximum an geborgenem Material erreicht; was dem Feind in die Hände fiel, war so bescheiden, daß es zahlenmäßig überhaupt nicht ins Gewicht fällt. Die einzelnen Divisionen hatten ihre eigenen Übersetzstellen, so daß ein Andrang auf die Fähren vermieden wurde und sich der Abtransport vollkommen geordnet vollzog.

Die Panzergrenadiere hielten zuletzt die Amerikaner ausschließlich mit Handfeuerwaffen, leichten und schweren Maschinengewehren sowie einigen Pakgeschützen in Schach, und während der Gegner mit seiner gesamten Artillerie trommelte und Welle auf Welle von Jagdfliegern und Bombern esinetzte, standen die deutschen Soldaten, nur mit dem Karabiner und einigen Handgranaten bewaffnet. Bedarf es eines schlagenderen Beweismittels, die absolute kämpferische Überlegenheit des deutschen Soldaten zu unterstreichen?

In einem kaum erhofften Umfang gelang es so, neben den eigenen Truppen auch das wertvolle Kriegsmaterial dem Zugriff des Feindes zu entziehen, und wenn die Engländer und Amerikaner heute Bilanz machen und an die Sichtung der Beutestücke gehen, dann werden sie sich wundern, wie dürftig das Ergebnis des sizilianischen Unternehmens ist. Der Versuch des Feindes, die deutsche Wehrmacht durch die beabsichtigte totale Vernichtung der auf Sizilien kämpfenden Teile empfindlich zu treffen, ist als völlig mißlungen anzusehen. Nirgends, an keinem Frontabschnitt gelang es dem Feind, durch Gefechtsstellungen größeren Stils kampfentscheidende Erfolge zu erringen. In der Ebene von Catania, wo es zur offenen Auseinandersetzung auf dem Schlachtfeld kam, endete die Begegnung nach einem englischen Geständnis eindeutig zugunsten der Deutschen. Die starken Verluste, die der Tommy dort erlitt, bewirkten in erster Linie, daß die britischen Verbände in der Folgezeit sehr, sehr vorsichtig vorgingen und sich oft erst nach Tagen in die von den Deutschen geräumten Städte und Dörfer hineinwagten.

Bei dem Mißverhältnis in der Stärke der kriegführenden Parteien auf Sizilien mußte sich die Führung trotz der hervorragenden Haltung der Truppe auf eine bewegliche Kampfführung beschränken, die unter dem sparsamsten Einsatz von Menschen und Material dem Feind größtmögliche Verluste zufügte.

Als die Reste des englischen Landheeres seinerzeit über Dünkirchen in wilder Flucht zurückfluteten, stieg eine völlig demoralisierte, zermürbte und zerschlagene Streitmacht von den Schiffen. Die deutschen Divisionen, die in voller Ordnung, ohne jedes Zeichen der Panik von Sizilien zurückkamen, sind intakt geblieben. Unbesiegt sind sie von der Insel abgetreten und nun formieren sie sich aufs neue, bereit, unter günstigeren Bedingungen in alter Schlagkraft gegen die Feinde der neuen Ordnung anzutreten.