America at war! (1941--) -- Part 2

Der teuer bezahlte amerikanische Angriffsversuch –
Ploestis Abwehr bewährte sich

vb. Wien, 3. August –
Der Gedanke eines Bombenangriffs gegen das rumänische Erdölzentrum Ploesti hat seit langem in vielen britischen und amerikanischen Köpfen gespukt, und auch die britisch-amerikanische Luftkriegführung hatte sich, wie jetzt feststeht, dieses Planes seit mindestens einem Vierteljahr ernsthaft angenommen. Der Angriff, der dann schließlich in den späten Nachmittagsstunden des vergangenen Sonntags erfolgte, war so mit einer Präzision und Sorgfalt vorbereitet wie kaum eine feindliche Luftkriegsunternehmung je zuvor.

Trotz dieser günstig erscheinenden Momente wurde der Angriff schließlich doch zu keiner bösen Überraschung für die deutsch-rumänischen Abwehrkräfte und noch viel weniger für unsere Erdölversorgung, sondern vielmehr zu einem der verlustreichsten und negativsten Abenteuer der amerikanischen Luftstreitkräfte. 52 der schweren viermotorigen „Liberators“ der 9. USA.-Luftflotte liegen heute zerschmettert und verbrannt auf dem Boden. Etwa sieben weitere Maschinen holten die tapferen bulgarischen Luftstreitkräfte in ihrem Luftraum herunter. Zu dieser bereits sehr hohen und zweifellos kaum tragbaren Verlustquote kommen noch jene Ausfälle hinzu, die den Verband auf seinem überlangen Heimflugwege nach dem Nahen Osten ereilt haben mögen.

In einem stark dramatisierten Kommuniqué haben die Amerikaner dann auch prompt versucht, wenigstens die Prestigefrage der mißglückten Aktion etwas zu ihren Gunsten zu korrigieren. Sie erzählen darin überaus ausführlich von ihren vielfältigen Vorbereitungen und überraschenderweise auch von der – Stärke der deutsch-rumänischen Abwehr.

So heißt es in diesem amerikanischen Bericht:

Die Spezialausbildung des eingesetzten fliegenden Personals erfolgte seit Monaten nach dem Gesichtspunkt, daß die Ölfelder von Ploesti nicht nur stark verteidigt sind, sondern ihre Verteidigung auch von der Natur aus stark begünstigt ist. Angriffe kleiner Verbände sind daher zwecklos. Die Flugzeugbesatzungen wurden besonders im Tiefangriff geschult und haben einzeln und in Gruppen die ersten kriegsmäßigen Einsätze, die ebenfalls im Hinblick auf das große Vorhaben von Ploesti geflogen wurden, auf Sizilien durchgeführt. Besonders konstruierte Tiefflugbombenzielgeräte wurden für diesen Zweck eingebaut.

Viel Prahlerei und wenig Wahrheit

Soweit mögen sich die amerikanischen Angaben noch mit der Wahrheit decken. Aber was des weiteren über die Menge der abgeworfenen Bomben und die Zahl der beteiligten Flugzeuge behauptet wird, läßt nicht mehr die Wirklichkeit, sondern nur noch die Absicht erkennen, eine einigermaßen positiv wirkende Endbilanz für die eigene Öffentlichkeit zu erreichen. Obwohl höchstens 120 bis 140 feindliche Maschinen eingesetzt waren und nur ein Prozentsatz davon das Zielgebiet erreichte, heißt es in der amerikanischen Verlautbarung, daß „175 ‚Liberator‘-Bomber innerhalb von 60 Sekunden 300 Tonnen Bomben abgeworfen“ hätten.

Aber zu diesem Punkt werden die Amerikaner uns wohl zugestehen müssen, daß wir die eigenen Beobachtungen als die einzig richtigen und wirklichkeitsgetreuen bewerten. Und aus ihnen ergibt sich ein wesentlich anderes Bild. Als die Amerikaner in geringer Höhe heranbrausten und später zum Tiefangriff übergingen, schlug ihnen ein solch konzentriertes Abwehrfeuer von größter Wirkungskraft entgegen, daß kaum gezielte Bombenabwürfe erfolgen konnten. Die zahlreichen Flaktürme im Erdölgebiet konnten bald ihre ersten Erfolge verbuchen, und danach holten sich die deutschen und rumänischen Jäger ihre Beute.

Als der Abend auf Ploesti herabsank, waren zwei Tatsachen einwandfrei erhärtet: erstens, daß selbst ein Überraschungserfolg den Amerikanern versagt geblieben war, und zweitens, daß der Umfang und die Länge der europäischen Abwehrfront Deutschland nicht daran hindern können, seine für die Kriegführung wichtigen Objekte ständig in stärkster Verteidigungsbereitschaft zu halten. Dieses Ergebnis von Ploesti kann und mag deshalb vielleicht auch für die deutsche Öffentlichkeit eine Erklärung dazu beitragen, welche weitgespannten Aufgaben die deutschen Verteidigungskräfte in der Luft heute zu bewältigen haben, die ja praktisch den gesamten Luftraum dieses Kontinents überwachen.


In einem amtlichen rumänischen Bericht über den Angriff wird die Zahl der amerikanischen Bomber mit etwa 125 angegeben, von denen jedoch nur ein Teil bis über die Angriffsziele gekommen sei. Die Zahl der Toten wird mit 116, die der Verletzten mit 147 angegeben, davon entfallen 63 Tote und 60 Verletzte auf Insassen des Gefängnisses Ploesti, auf dessen Dach ein brennender amerikanischer Bomber fiel. Bisher, so schließt der amtliche Bericht, konnten 66 amerikanische Flieger gefangengenommen werden.