America at war! (1941--) -- Part 2

USA.-Kritik am Tunesienfeldzug

Sonderdienst des „Völkischen Beobachters“

Lissabon, 13. Mai –
Nachdem der erste Begeisterungstaumel der nordamerikanischen Presse verrauscht ist, wird der Tunesienfeldzug nach und nach mehr im Lichte der Tatsachen betrachtet. Aus den Einzelheiten der militärischen Vorgänge stellt sich nun nachträglich, wie die regierungsnahe Presse zugeben muß, heraus, daß die anglo-amerikanische Überlegenheit an Mann und Material zwischen dem Drei- und Zehnfachen lag. Es scheint darum durchaus angebracht, wenn der bekannte Militärkritiker der Neuyork Post, Major Fletcher Bratt, auf die Fehler und Mängel hinweist, die der Tunesienfeldzug an den Tag gebracht hat.

Bratt stellt vor allem fest, daß besonders die Offiziere der unteren Grade eine bedauerlich geringe Ausbildung besäßen und wenig Führerqualitäten bewiesen haben. Er schreibt:

Wir müssen uns darauf vorbereiten, daß wir eines Tages genug Leute haben müssen, um gegen fünf bis sechs Millionen Deutsche und zwei bis drei Millionen Japaner antreten zu können. Das ist der allein auf die USA. entfallende Anteil der militärischen Stärke des Gegners. Um gegenüber den Deutschen zu bestehen, müßte das amerikanische Heer jedoch dieselbe Erfahrung und Ausbildung aufweisen, denn es wird den Deutschen alsdann nicht mehr wie in Tunesien ziffernmäßig überlegen sein.

Bratt unterstreicht, daß alle militärischen Operationen, in denen die Amerikaner bis zu irgend welchen Erfolgen gekommen seien, dadurch bestimmt wurden, daß der Feind mit ziffernmäßig weit geringeren Kräften angetreten sei. Das sei in Neuguinea, auf Guadalcanar und nun auch in Afrika der Fall gewesen.

Des weiteren beklagt sich der Militärkritiker darüber, daß gewisse Kongreßführer in Besorgnis um die Stimmen ihrer Wähler das erweiterte militärische Ausbildungsprogramm, das mit der Einziehung von Vätern ab 1. August verbunden ist, offenbar sabotieren. Das sei der beste Beweis dafür, daß die Gleichgültigkeit der amerikanischen Öffentlichkeit aus der Zeit vor Pearl Harbour noch nicht gewichen sei. Nach eineinhalb Jahren Krieg sei sich das nordamerikanische Volk noch immer nicht bewußt, daß es in einem schicksalsschweren Kampfe stehe.