Oberdonau-Zeitung (April 14, 1945)
USA-Präsident Franklin D. Roosevelt plötzlich gestorben
Der größte Kriegsverbrecher vom Schicksal ereilt | Große Schockwirkung auf der Feindseite | Truman der Nachfolger
oz. Berlin, 13. April - Wie amtlich aus Washington gemeldet wird, ist der Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Franklin Delano Roosevelt, am Donnerstag nachmittags in Warm Springs (Georgia) plötzlich an Gehirnblutung gestorben.
In sämtlichen aus Nordamerika eingegangenen Meldungen wird betont, daß keine Nachricht seit Kriegsbeginn einen solchen Eindruck auf die Öffentlichkeit in den USA gemacht hat, wie die Nachricht vom Tode Roosevelt, auf die niemand vorbereitet war. Roosevelt hatte sich am 30. März auf seinen Landsitz begeben, um sich, wie er damals erklären ließ, bis zum Beginn der großen Konferenz von San Franzisko zu erholen. Am Donnerstag nachmittags klagte er plötzlich über schwere Kopfschmerzen. Wenige Minuten später wurde er ohnmächtig. Ein herbeigerufener Arzt konnte nur noch feststellen, daß Roosevelt von einem Gehirnschlag getroffen worden sei. Mittlerweile war die Nachricht an das Weiße Haus in Washington weitergegeben worden. Noch während der telefonischen Unterhaltungen zwischen dem Arzt in Warm Springs und dem Stellvertretenden Präsidenten Truman verschied Roosevelt. Sofort nach Bekanntwerden seines Todes wurde der neue Präsident Truman verfassungsgemäß als neuer Präsident der USA ein geschworen.
In einem Bericht der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“ aus Neuyork heißt es: „Wenige Minuten nach 18 Uhr Neuyorker Zeit gaben die nordamerikanischen Sender die Nachricht vom Tode Roosevelts bekannt. Die Zeitungen waren nicht im Geringsten auf diese Nachricht vorbereitet und konnten daher auch mit ihren Extraausgaben erst viel später kommen.“
Die Wirkung auf die Öffentlichkeit ist verständlich, wenn man berücksichtigt, daß niemand wußte, daß die Gesundheit des Präsidenten sich verschlechtert hatte. Zunächst wurde berichtet, daß anläßlich des Todes Roosevelts die große Konferenz in San Franzisko aufgeschoben werden solle. Aber Außenminister Stettinius gab am späten Abend bekannt, daß nach Übereinkunft mit dem neuen Präsidenten Truman die Konferenz entsprechend den ursprünglichen USA-Plänen abgehalten werden solle.
Die ersten aus London eingetroffenen Berichte besagen, daß die Nachricht vom Tode Roosevelts auch in England geradezu Bestürzung ausgelöst hat. Man weist darauf hin, daß Churchill und Roosevelt sehr engbefreundet waren, daß also die Todesnachricht für den britischen Ministerpräsidenten und viele seiner Mitarbeiter sowohl ein persönlicher wie offizieller Schlag war.
Roosevelt wurde am 30. Jänner 1882 in Neuyork geboren. Er wählte zunächst den Beruf eines Advokaten, geriet aber durch seine weitverzweigten Beziehungen und durch seine Zugehörigkeit zur Weltfreimaurerei, deren höchsten Grad er zuletzt bekleidete, ins politische Fahrwasser. Hier gelangte er 1913 unter Wilson zum erstenmal in ein hohes Staatsamt als Unterstaatssekretär der Marine. Schon damals trug Roosevelt keine saubere Weste und zeigte, daß er Politik sehr gut mit persönlichen Geschäften zu verknüpfen verstand. Im Jahre 1921 erkrankte er an spinaler Kinderlähmung und mußte sich lange Zeit dem politischen Leben fernhalten, nachdem ihm ein deutscher Arzt das Leben gerettet hatte.
Der zweite Abschnitt in Roosevelts politischem Leben begann 1928, als es ihm gelungen war, Gouverneur des Staates Neuyork zu werden. Das Sprungbrett zur Erfüllung des größten ehrgeizigen Zieles, Präsident der USA zu werden, war erklommen. 1932 setzte die Clique um Roosevelt seine Wahl durch. Seither blieb er durch mehrmalige Wiederwahl, die ein Novum in der USA-Verfassungsgeschichte darstellte, an der Spitze des Staates.