Völkischer Beobachter (April 5, 1944)
Eine Hull-Erklärung zu Schaffhausen –
Bomben aus ‚Versehen‘
dnb. Genf, 4. April –
Der US-Staatssekretär des Auswärtigen, Cordell Hull, hat nun auch noch eine Erklärung zum Überfall auf Schaffhausen abgegeben, die sich in Worten tiefsten Bedauerns ergeht und versichert, daß „jede nur menschenmögliche Vorsichtsmaßnahme“ angeordnet werde, um eine „Wiederholung eines solchen unglücklichen Falles zu vermeiden.“ Im Übrigen glaubt Hüll, die Schäden und Opfer an Toten und Verletzten mit US-Dollars zudecken zu können.
Was uns an diesen heuchlerischen Äußerungen Hulls, vornehmlich interessiert, ist folgender Satz:
In Verfolg von Bombenoperationen gegen die deutsche Kriegsmaschinerie ließ eine Gruppe unserer Bomber infolge einer Kette von Umständen ausgedehnte Vorsichtsmaßnahmen, die zur Verhütung solcher Vorfälle ausdrücklich ergriffen worden waren, außeracht und flog aus Versehen über Schweizer Gebiet auf der Nordseite des Rheins und warf Bomben ab.
Das ist eine typisch amerikanische faule Ausrede, die nichts an der zur Genüge bewiesenen Tatsache ändern kann, daß es sich um einen der üblichen Terrorangriffe handelte. Kennzeichnend für die Gangstermoral ist aber die Interpretation selbst, daß ein solcher Gangsterstreich über Schweizer Gebiet „aus Versehen“ erfolgt sei. Demnach sind also die Terrorüberfälle auf deutsche Städte, bei den Frauen und Kinder gemordet werden, bei denen deutsche Kulturstätten und Museen in Schutt und Asche gelegt werden, kein Versehen, sondern eine ganz bestimmte Taktik und damit völlig in Ordnung, im Sinne Hulls und seiner jüdischen Hintermänner.
Berner Bund gegen die Luftgangster –
‚Ein starkes Stück‘
dnb. Bern, 4. April –
Die einflußreiche Berner Tageszeitung Bund schreibt zum Terrorangriff der US-Luftgangster unter der Überschrift „Bei der Wahrheit bleiben, bitte!,“ die schweizerische Öffentlichkeit werde mit dem größten Erstaunen die offizielle Mitteilung des amerikanischen Hauptquartiers in England zur Kenntnis nehmen, daß wegen „außerordentlicher Navigationsschwierigkeiten und schlechten Wetters einige Bomben irrtümlicherweise auf Schweizer Territorium fielen.“
Der Versuch des Hauptquartiers, schwere Unglück zu bagatellisieren die Tatsachen zu entstellen, müßte schieden zurückgewiesen werden. Es sei unbestreitbar, daß das Wetter über Schaffhausen gute Sicht ermöglichte. Der Rhein, der Rheinfall und der Bodensee seien ausgezeichnete Orientierungsmöglichkeiten, besonders bei Tage, so daß einwandfrei geschulte Flieger sich hier zurechtfinden sollten. Es berühre peinlich, wenn sich das amerikanische Hauptquartier auf schlechtes Wetter herausreden wolle.
Der Fall der Neutralitätsverletzung werde dadurch nicht leichter, sondern schwerer, weil sich auch noch die Frage der Mentalität stelle. Auch in der amerikanischen Presse werde offenbar die These vom ungünstigen Wetter behandelt, was, von der Schweiz ausgesehen, „schon ein starkes Stück unrichtiger Orientierung der Weltöffentlichkeit ist, wogegen wir Protest erheben.“