Operation OVERLORD (1944)

Innsbrucker Nachrichten (June 6, 1944)

BEGINN DER INVASION AN DER KANAL-KÜSTE
Sofortiges Einsetzen der Abwehr; Überraschungsmoment mißlungen; Luftlandetruppen teilweise bereits beim Absprung erfaßt; Viele Fallschirmeinheiten aufgerieben; Schwere Artilleriekämpfe mit feindlichen Schiffseinheiten

Unsere Gegner zum Opfergang angetreten

Berlin, 6. Juni –
Der seit langem erwartetem Angriff der Briten und Nordamerikaner gegen die nordfranzösische Küste hat in der letzten Nacht begonnen. Wenige Minuten nach Mitternacht setzte der Feind unter gleichzeitigen heftigen Bombenangriffen im Gebiet der Seine-Bucht starke Luftlandeverbände ab. Kurze Zeit später schoben sich, geschützt durch schwere und leichte Kriegsschiffseinheiten, zahlreiche feindliche Landungsboote auch gegen andere Abschnitte der Küste vor. Die Abwehr ließ sich an seiner Stelle überraschen. Sie nahm den Kampf sofort mit aller Energie auf. Die Luftlandetruppen wurden zum Teil schon beim Absprung erfaßt und die feindlichen Schiffe bereits auf hoher See wirksam unter Feuer genommen. Viele Fallschirmeinheiten wurden aufgerieben oder gefangen, andere von hochgehenden Minen zerrissen. Trotz fortgesetzter heftiger Luftangriffe und schweren Beschusses durch die feindliche Schiffsartillerie griffen die Geschütze des Atlantikwalls ebenfalls sofort in den Kampf ein. Sie erzielten Treffer auf Schlachtschiffeinheiten und den sich einnebelnden Landungsbooten. Der Kampf gegen die Invasionskruppen ist in vollem Gange.

Auf Moskaus Geheiß

Innsbruck, 6. Juni –
Der Invasionsversuch hat begonnen. Englische und amerikanische Truppen find an der nordfranzösischen Küste gelandet und auf unsere abwehrbereiten Verteidigungskräfte gestoßen. Der Kampf um Europa hat eingesetzt. Stunden und Tage der Entscheidung stehen bevor. Wir sahen sie herannahen. Je länger der Feind zögerte, sein ihm von Moskau aufgezwungenes Unternehmen zu beginnen, desto gründlicher konnte der Atlantikwall ausgebaut werden. Eine Überraschung bereitete der heutige Tag also nicht. Namen wie Rundstedt und Rommel bürgen für Wachsamkeit, für erfahrenen und schneidigen, in zwei Weltkriegen ruhmreich bewahrten Einsatz.

Im Lichte des heutigen Tages erhellt sich noch einmal der Gedanke, der den deutschen militärischen Maßnahmen seit Jahr und Tag zugrunde liegt: kein Masseneinsatz im Osten, keine Verwicklung in größere Schlachten in Süditalien. Die deutsche Führung hat sich nicht verleiten lassen, ihre Nerven waren stark und fest. Niemals wurde die Überschau verloren. So beginnt der Invasionsversuch zu einem Zeitpunkt, in dem das bewährte deutsche Heer gewissermaßen ausgeruht zur großen Schlacht antritt. Wie sicher die deutsche Führung die Stunde herannahen sah, ging am Montag aus der Meldung hervor, die das Führerhauptquartier zur Zurückziehung aus Rom herausgab: „Das Jahr der Invasion wird dem Gegner an der entscheidendsten Stelle eine vernichtende Niederlage bringen.“

Die Ausflüchte und Verzögerungen hatten Roosevelt und Churchill nichts genützt. Moskau hat darauf bestanden, dass die Alliierten nicht länger zusehen und ihre Truppen und Kriegsmaterialien schonen. Bereits die Konferenzen von Moskau und Teheran standen im Zeichen des bolschewistischen Befehls. Aber immer wieder hatten sich die Engländer und Amerikaner dem Geheiß zu entziehen versucht. Sie versprachen die zweite Front in Italien. Aber der Versuch, die deutschen Verbände dort zu binden, misslang völlig. Viele Reden wurden von Churchill und Eden, von Roosevelt und Hull gehalten, nur um den pflichtgemäßen Angriff auf den Atlantikwall aufzuschieben. Es hat ihnen nichts genützt. Die Mahnungen Stalins steigerten sich zu Drohungen. „Keine Ausflücht mehr!“ rief der Moskauer Rundfunk.

So erweisen sich die anglo-amerikanischen Verbände, die in das mörderische Feuer der deutschen Verteidigungslinien gejagt werden, als ein Opfer bolschewistischer Befehlsgebung. England wollte andere für sich bluten lassen und leistet jetzt selbst den bittersten Blutzoll an einem Wall aus Stahl.

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