Operation OVERLORD (1944)

Die ‚Befreiung‘ in der Normandie –
Antijüdische Gesetze aufgehoben

Paris, 10. Juli –
Mit Billigung der anglo-amerikanischen Militärbehörden hat ein Vertreter de Gaulles bekanntgegeben, daß alle von der legalen französischen Regierung seit dem Waffenstillstand erlassenen Gesetze in dem besetzten Teil der Normandie aufgehoben sind. Dabei wurde unterstrichen, daß sich diese Maßnahme vor allem gegen die antijüdische und antifreimaurerische Gesetzgebung Vichys richte. Etwas anderes war nicht zu erwarten. Dieser Krieg ist der Krieg des Judentums und deshalb werden die ersten Maßnahmen der Feinde immer zugunsten der Juden verhängt.

Außerdem wurde in London eine neue französische Zeitung gegründet, mit welcher der besetzte Küstenstreifen der Normandie beliefert werden soll. Ihr Hauptschriftleiter heißt Louis Lewy. Die meisten seiner Mitarbeiter sind auch Juden.


US-Imperialisten gieren nach französischem Besitz

Berlin, 10. Juli –
Der Londoner Korrespondent der Tat berichtet über einen Misston, den in den Tagen vor de Gaulles Ankunft In Washington einige amerikanische Kongressmitglieder in die amerikanisch-französischen Diskussionen gebracht haben, indem sie die delikate Frage amerikanischer Marine- und Luftstützpunkte auf französischem Territorium anschnitten. Senator Reynolds verlangte seit Tagen Stützpunkte im Karibischen Meer, zum Beispiel auf Martinique, und fand auch, die beiden Inseln St. Pierre und Midriken im Nordatlantik würden ausgezeichnete Stützpunkte für die US-Flotte abgeben. Er regte an, daß Frankreich diese Besitzungen an die USA als Zahlung für die Kriegsschulden von 1914/18 (!) abtreten solle. Ein demokratischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus meldete zudem amerikanische Ansprüche auf Neu-Caledonien im Pazifik und auf Dakar an, dessen Beherrschung den Amerikanern seit langem „für ihre Sicherheit“ lebenswichtig scheint.


Franzosen als britisches Kanonenfutter

Paris, 10. Juli –
Über das Schicksal ehemaliger französischer Soldaten, die von den Westmächten gezwungen wurden, an den Invasionskämpfen teilzunehmen, berichtete der Franzose Robert Haquin nach seiner Flucht aus der Normandie. Haquin war in einer Metzgerei des normannischen Dorfes Salenelles beschäftigt. Er wurde von den Engländern aufgegriffen. Diese „Befreiung“ geschah in der Weise, daß man ihn sofort in eine Uniform steckte. Er mußte dann beim Ausladen der Schiffe helfen. Später gelang ihm die Flucht zu den Deutschen.

Haquin berichtete, daß an dem ersten Angriff auf die Ornemündung auch etwa 500 französische Soldaten teilnahmen, die vor vier Jahren von den Engländern bei ihrer Flucht aus Dünkirchen mit nach England genommen worden waren. Diese Soldaten standen unter dem Befehl eines englischen Offiziers. Sie gerieten in ein Minenfeld, wobei 300 getötet wurden. Die übrigen weigerten sich, weiter am Kampfe teilzunehmen, und die französische Bevölkerung verhalft manchem von ihnen zur Flucht.