Operation OVERLORD (1944)

Innsbrucker Nachrichten (June 28, 1944)

In unerschütterter Standhaftigkeit

Noch immer verteidigen sich zahlreiche Stützpunkte im Raum von Cherbourg – Schwere Kämpfe an der italienischen Front – Erbitterte Abwehrschlacht östlich der Beresina – Bei Kirkenes 77 sowjetische Flugzeuge abgeschossen

dnb. Aus dem Führerhauptquartier, 28. Juni –
Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

In der Normandie lag der Schwerpunkt der Kämpfe wieder im Raum südöstlich Tilly. Während des ganzen Tages griffen starke feindliche Infanterie- und Panzerverbände, von schwerster Schiffsartillerie unterstützt, unsere Front an. Ihr Ansturm brach am zähen Widerstand unserer tapferen Divisionen zusammen, die dem Feind durch Gegenangriffe an einigen Stellen das am Vortag verlorengegangene Gelände wieder entrissen. Nur in einem Abschnitt konnte der Feind nach hartem, wechselvollem Kampf seinen Einbruchsraum geringfügig erweitern. Er hatte schwerste blutige Verluste und verlor weit über 50 Panzer, östlich der Orne wurde ein feindlicher Stoßtrupp restlos vernichtet.

Im Raum von Cherbourg verteidigen sich immer noch zahlreiche Stützpunkte des Heeres, der Kriegsmarine und der Luftwaffe tapfer und ihrer Pflicht getreu. Die Einfahrt in den Hafen von Cherbourg ist dadurch dem Gegner nach wie vor verwehrt, wenn auch die Trümmer der Stadt im Besitz des Feindes sind. Auch im Nordost- und Nordwestteil der Halbinsel Cherbourg halten sich noch eigene Stützpunkte in unerschütterlicher Standhaftigkeit.

In der letzten Nacht griffen schwere Kampfflugzeuge feindliche Schiffsansammlungen vor der normannischen Küste an. Ein Speziallandungsschiff wurde in Brand geworfen. Es entstanden Explosionen.

Die Marineküstenbatterie „Yorck“ zwang einen feindlichen Zerstörer und einen Schnellbootverband, die in den Hafen von Cherbourg eindringen wollten, zum Abdrehen.

Vor der niederländischen Küste und im Kanal beschädigten Vorpostenboote mehrere britische Schnellboote.

Schweres Feuer der „V1“ liegt unaufhörlich auf dem Raum von London.

An der italienischen Front wurde auch gestern wieder im Abschnitt zwischen der Küste und dem Trasimenischen See erbittert gekämpft. Der Feind versuchte erneut, mit starken Infanterie- und Panzerverbänden unsere Front zu durchbrechen. Es kam zu schweren, wechselvollen Kämpfen, in denen der Gegner jedoch nur auf dem äußersten Westflügel Boden gewinnen konnte. In allen übrigen Abschnitten wurde er unter hohen blutigen Verlusten abgewiesen.

In den schweren Abwehrkämpfen westlich des Trasimenischen Sees haben die 29. Panzergrenadierdivision unter Führung von Generalleutnant Fries, die 4. Fallschirmjägerdivision unter Führung von Oberst Trettner und die 336. Infanteriedivision unter Führung von Generalleutnant Faulenbach, hervorragend durch Artillerie und Flakartillerie unterstützt, alle mit überlegenen Kräften geführten Durchbruchsversuche des Feindes unter besonders hohen Verlusten für den Gegner, zum Teil im Nahkampf, immer wieder abgewehrt.

Im Mittelabschnitt der Ostfront dauern die erbitterten Kämpfe im Raum Bobruisk und Mogilew an. Nach Räumung der Städte Orscha und Witebsk hat sich die schwere Abwehrschlacht in den Raum östlich der mittleren und oberen Beresina verlagert.

Südöstlich Polozk scheiterten wiederholte Durchbruchsversuche der Bolschewisten. Südöstlich Pleskau brachen örtliche Angriffe des Feindes zusammen.

Schlachtfliegerverbände unterstützten die Abwehrkämpfe des Heeres und vernichteten zahlreiche feindliche Panzer, über 100 Kraftfahrzeuge und eine große Zahl Geschütze.

Schwere Kampfflugzeuge führten am Tage einen Angriff gegen den Bahnhof Kalinkowitschi. Auch in der Nacht wurde der sowjetische Nachschubverkehr erfolgreich bekämpft. Besonders in den Bahnhofsanlagen von Smolensk entstanden Brände und Explosionen.

Bei mehreren feindlichen Angriffen auf Stadt und Hafen Kirkenes brachten Jäger und Flakartillerie in den gestrigen Abendstunden und im Verlauf der Nacht 77 sowjetische Flugzeuge zum Absturz. In heftigen Luftkämpfen errangen Oberleutnant Dorr und Leutnant Norz allein je zwölf Luftsiege.

Ein starker nordamerikanischer Bomberverband führte gestern Vormittag einen Angriff gegen das Stadtgebiet von Budapest. Deutsche und ungarische Luftverteidigungskräfte vernichteten 21 feindliche Flugzeuge.

Deutsche Kampfflugzeuge griffen in der letzten Nacht Einzelziele in Südostengland an.