Operation OVERLORD (1944)

Völkischer Beobachter (June 18, 1944)

12 Tage Missvergnügen

Führung der Westmächte aus Siegesträumen gerissen

vb. Berlin, 17. Juni –
Als am Morgen des 6. Juni 1944 die Führung der Westmächte über die kommende Entwicklung der nächsten Wochen nachdachte, ist sie gewiss auch von der Hoffnung getragen worden, die Öffentlichkeit der Welt werde in dieser Zeit beherrscht sein von der Schlacht auf dem Invasionskriegsschauplatz – und zwar von einer stetig und kräftig zugunsten der Westmächte fortschreitenden Schlacht. Es sind noch nicht vierzehn Tage seitdem vergangen, und sie muß bereits feststellen, um wieviel anders die Dinge wieder gelaufen sind.

Montgomery sieht seine Truppen verstrickt in einen heißen Kampf bei einem ständig wachsenden Gegendruck, und sieht dazu einen völlig neuen Kriegsschauplatz hinter sich: London. Hier aber ist man zur Stunde noch völlig ratlos. Die Führung der Westmächte würde daher, wenn sie offen wäre, der Auffassung nicht widersprechen, daß sie zwölf Tage des Missvergnügens hinter sich hat.

In der Normandie hat Montgomery in den letzten Tagen seine Angriffswucht noch verstärkt, gemäß dem strategischen Zwang, unter dem er steht. Die amerikanische 1. Armee, die im Westen der Normandie ficht, ist dabei vorgedrungen. Die Deutschen sind schon seit den letzten italienischen Kämpfen unbefangen genug festzustellen, daß die Nordamerikaner mit stärkerer Härte kämpfen als zu Beginn dieses Krieges, und daß sie manches gelernt haben. Die Amerikaner haben Saint-Sauveur-le-Vicomte erreicht, damit drei Fünftel des Weges bis zur Westküste der Halbinsel zurückgelegt und die westlichste Eisenbahn nach Cherbourg berührt. Hier sind zur Stunde harte Kämpfe noch im Gange. Dabei ist festzustellen, daß auch die Nordamerikaner noch weit entfernt sind von dem eigentlichen Festungsbereich von Cherbourg, dem am kräftigsten zur Verteidigung ausgerüsteten Teil des normannischen Atlantikwalls.

Dem Teilerfolg Montgomerys im Westen der Kampffront stehen Rückschläge in der Mitte und im Osten gegenüber. In dem Drang nach Süden ist die englische 2. Armee auf erbittere deutsche Gegenstöße getroffen und ihr Angriff ist völlig zerrieben worden. In den sackartigen Brückenkopf schließlich, den die 2. Armee zum Ostufer der Orne hin vorgetrieben hatte, sind die deutschen Panzer weiter hineingestoßen und haben den Keil noch mehr vorgetrieben. Hier haben Montgomerys Truppen Gelände preisgeben müssen. Er hat damit bis zur Stunde immer noch nicht die Gelegenheit gefunden, eine Operation im strategischen Sinne des Wortes zu beginnen. Noch immer muß er sich mit den Vorbereitungen aufhalten, und er weiß dabei nicht, welche Zielsetzung die deutschen Eingreifdivisionen haben, die hinter den deutschen Sicherungslinien aufmarschieren.

Währenddessen gehen in Italien die Rückzugsgefechte weiter, die begonnen haben, als der Generalfeldmarschall Kesselring die Schlacht südlich von Rom abbrach. Der deutschen Öffentlichkeit ist schon vor Monaten angedeutet worden, daß die deutsche Hauptwiderstandsstellung nicht bei Cassino, sondern weit nördlich von Rom liegt. Dieser Linie streben gegenwärtig die deutschen Divisionen zu. Die Nachhut aber wirft sich immer von neuem dem Gegner entgegen, um ihn aufzuhalten und ihn daran zu hindern, in die rückmarschierenden deutschen Kolonnen hineinzustoßen. Das ist ihr Ziel, und hier liegt auch die eigentliche Bedeutung der gegenwärtigen Kämpfe in Italien. Hier wird zurzeit keine große Schlacht ausgefochten. Diese wird erst beginnen, wenn die Deutschen die Hauptstellung erreicht haben und wenn dann der Gegner Zeit gehabt hat, zum Kampf aufzumarschieren.

Inzwischen ist die Londoner und die andere südenglische Bevölkerung jäh aus ihren Siegesträumen gerissen worden. Zu ihren Häuptern hört sie mit nur geringen Unterbrechungen das donnerähnliche Rauschen, das die Antwort auf so viel von Briten in Deutschland verübte Zerstörung bedeutet. Es kann kein Trost sein für die britische Führung, daß dies alles nur ein Anfang ist, daß Schläge von noch anderer Art, aber bestimmt nicht minderer Wirkung folgen werden. Das deutsche Volk aber schöpft gerade aus den Ereignissen der letzten achtundvierzig Stunden die Bestätigung seines Vertrauens zu der Führung. Es findet in diesem Vertrauen einen neuen Ansporn, die kommenden Kämpfe zu bestehen. Der Feind wird noch auf manche Überraschungen stoßen. Sein gefährlichster Gegner wird doch immer das leidenschaftliche, stolze und kampfesmutige Herz des deutschen Volkes und der deutschen Wehrmacht sein.