Decision 1944! ROOSEVELT WINS!

Völkischer Beobachter (November 8, 1944)

Die Wahlen in den USA

vb. Wien, 7. November –
Zum viertenmal hat sich Roosevelt am 7. November zur Wahl gestellt. War es schon ohne Beispiel in der Geschichte der USA, daß ein Präsident drei volle Amtsperioden hintereinander im Weißen Haus verbrachte, so hat es auch eine vierte Bewerbung bisher noch nicht gegeben. Der republikanische Gegenkandidat ist der Gouverneur von Neuyork Dewey. 1940 war es der inzwischen verstorbene Willkie und es stellte sich später heraus, daß den Wählern ein reines Theater vorgespielt worden war. Immerhin waren die Wahlbeteiligungen groß: Roosevelt erhielt 25,6 Millionen Stimmen, Willkie 21,5 Millionen.

Indessen entscheidet nicht so sehr die Zahl der Wahlstimmen als der Erfolg in den einzelnen Bundesstaaten, denn die Wahl ist mittelbar. Es werden zunächst die Elektoren gewählt, die dann wieder im folgenden Dezember den Präsidenten bestimmen.

Jeder Bundesstaat ist ein geschlossener Wahlkreis und hat so viele Elektoren wie Vertreter im Repräsentantenhaus und im Senat, in dem wieder jeder Staat gleichmäßig zwei Sitze innehat. Infolgedessen entfallen auf einen Wahlmann beispielsweise in Nevada rund 37.000 Einwohner, in Neuyork 290.000. Es ist also möglich, daß eine Minderzahl an Stimmen eine Mehrheit an Elektoren einbringen kann. Dies ist auch bei früheren Wahlen mehrfach geschehen.

Die Auswirkung der geschilderten Wahlgeometrie läßt sich auch daran ablesen, daß Roosevelt 1936 bei 27,5 Millionen. Stimmen 523 Elektoren erhielt, sein Gegner mit 10,7 Millionen Stimmen nur die acht Wahlmänner der kleinen Staaten Maine und Vermont, und dann 1940 Willkie auch nur auf 63 Elektoren kam, obwohl er nur um 4 Millionen hinter Roosevelt lag.

Das Wahlrecht ist übrigens nicht überall gleich; es richtet sich nach den örtlichen Bestimmungen, so daß nur ein Teil der Frauen stimmberechtigt ist und auch für die Neger die Stimmabgabe in manchen Staaten Beschränkungen unterliegt. Die außerhalb der USA stehenden Soldaten konnten schriftlich wählen.

Gleichzeitig wird das Repräsentantenhaus neu gewählt und der Senat zu einem Drittel erneuert. 1940 konnten die Republikaner beträchtlichen Mandatsgewinn erzielen und diesen 1942 erhöhen, so daß sie jetzt im Senat 38 von 96 Sitzen innehaben, im Abgeordnetenhaus sogar 222 von 435.