Cairo Conferences (SEXTANT)

Völkischer Beobachter (December 4, 1943)

Psychiater vor!
Illusionsepidemie ‚Kairo‘

dr. th. b. Stockholm, 3. Dezember –
Um den geistigen Zustand zu begreifen, in den die britische Agitation die britische Bevölkerung und die übrige Welt – letztere allerdings mit sehr geringem Erfolg – nach der Zusammenkunft in Kairo zu versetzen versucht, müßte man ein Psychiater sein. Die Illusionsepidemie greift rasend um sich und droht völlig zu vernichten, was die Briten einst stolz als einen Hauptfaktor ihrer Politik bezeichnet haben: den gesunden Menschenverstand.

Um den Umfang dieser Epidemie zu erkennen, braucht man aus den spaltenlangen Berichten der schwedischen Korrespondenten nur den einen Satz herauszugreifen:

Bald werden über England wieder die Lichter angezündet werden.

Es verlohnt sich nicht, sich mit dieser Wirkung der Konferenz von Kairo näher zu befassen. Wenn Churchill und Roosevelt ihre eigenen Völker bluffen wollten, so ist ihnen das zweifellos gelungen. Sie mögen das als einen Erfolg verbuchen, und zwar als den einzigen Erfolg, den sie bisher im Kriege gegen Japan erzielen konnten. Daß aber die Riesenbluffs auf die Völker Europas und Ostasiens irgendwelchen Eindruck erzielen würden, könnten nur Narren glauben. Die Vernichtungsansage an das japanische Volk, dem man alles rauben wolle, was es sich seit der Meijizeit in harter Arbeit und in harten Kämpfen erworben habe, um überhaupt leben und atmen zu können – das konnten sich Churchill und Roosevelt von vornherein sagen – werde die gleiche Wirkung haben wie die Vernichtungsansage an das deutsche Volk, die vor einem Jahr in Casablanca beschlossen wurde.

Besorgte Fragen

Ruhige und kühle Beobachter, wie der bekannte Militärschriftsteller der Vereinigten Staaten Hamson Baldwin, haben das bereits jetzt erkannt. Baldwin stellt in der New York Times die besorgte Frage, ob es richtig gewesen sei, bereits jetzt dem japanischen Volk ein so düsteres und dürftiges Schicksal anzukündigen. So schreibt er:

Noch lebt der Staat im japanischen Kaiserreich und Hunderttausende von Japanern haben sich in den Gebieten angesiedelt, die Japan wieder verlieren soll. Der japanische Kampf- und Widerstandswillen wird damit nur gestärkt werden.

Hinter dem lauten Wortgetöse im Anschluß an das Reuter-Kommuniqué über die Konferenz in Kairo steht aber in Wirklichkeit die wachsende Sorge, sich auf ein Abenteuer festgelegt zu haben, zu dem die eigenen Kräfte niemals ausreichen. Helfen soll, wie auch in Europa, die Sowjetunion.

Die Sowjets und Japan

Das wichtigste an der Konferenz in Kairo, so heißt es in einem Bericht aus Neuyork, sei zweifellos, daß man militärische Hilfe durch die Sowjets auch gegen Japan suche. Stalin werde gebeten werden, gegen Japan aufzumarschieren, und man sei auf amerikanischer Seite bereit, ihm im Stillen Ozean die Gebiete und die Häfen anzubieten, die Rußland im russisch-japanischen Krieg verloren habe. Nur aus diesem Grunde habe man sich bereit erklärt, Korea die Freiheit wiederzugeben, das eine ganz besondere strategische Rolle spielen könnte, wenn sich die Sowjets der angelsächsischen Koalition gegen Japan anschlößen. Korea sei überdies die Rolle eines Pufferstaates zwischen den bolschewistischen und angelsächsischen Interessen in Ostasien zugedacht.

Es ist natürlich so, daß die Teilnahme der Sowjets am Krieg gegen Japan von Roosevelt nur deshalb in die Debatte geworfen wurde, um damit die sicher zu erwartende Ablehnung des Zustandekommens der zweiten Front in Europa zu begründen. Ohne ein Druckmittel wollte sich Roosevelt wahrscheinlich nicht mit Stalin in Täbris an einen Tisch setzen. Sein Druckmittel ist aber nicht mehr wert als das der Briten, die das Ausbleiben, der zweiten Front damit zu begründen versuchten, daß sie gar nicht mehr nötig sei, da ja Deutschlands Tage ohnehin gezählt seien.